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Die Welt · 1902-02-14 · 7 (14.2.1902) · p. 6

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Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
7 (14.2.1902)
Article
Ein Vorstand, der keine Neuwahlen wünscht
Date
1902-02-14
Page
6 (sequence 3)
Language
German
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Seite 6 jm j0£wiftto> Nr. 7 anlassen, gegen ihren letzten Beschluss Wahlen auszusehreiben. Wenn aber der Vorstand in seiner Halsstarrigkeit trotz aller Vernunftgründe von Wahlen nichts f wissen will — so werden sie trotzdem stattfinden. Die Statuten der „Alliance" bestimmen nur, dass Wahlen vorgenommen werden müssen; es ist nirgends davon die Rede, dass der Vorstand die Wahl ausschreiben und leiten muss. Er hatte früher die Gewohnheit, diese Function zu übernehmen. Es ist jedoch ganz selbstverständlich, dass, wenn er sich weigert oder nicht statutengem äss zusammengesetzt ist, die Vereinsmitglieder selbst die Wahlen veranstalten müssen. Sie können es jedoch nur, wenn sie sich für eine Veranstaltung der Wahl organisieren. Die Zionisten haben in erster Linie dafür zu sorgen, dass diese Organisation in allen Ländern und allen Städten zustande komme, in denen Gruppen der „Alliance" existieren. Bei der folgenden Agitation, wenn es sich darum handeln wird, einer zionistischen Liste zum Siege zu verhelfen und Männer in den Vorstand zu bringen, die das Wort von Solidarität, das auf den Bulletins der „Alliance" steht, in eine That der Solidarität umzusetzen verstehen, hoffen wir, alle Zionisten wieder an der Arbeit zu sehen. Wir werden sie an der Arbeit sehen, denn es wird sich darum handeln, die wichtigste Aufgabe zu lösen, vor die der Zionismus bis jetzt gestellt wurde : Nationalen jüdischen Geist der Organisation einzuimpfen, die auf das Judenthum des Orients und auf die „Icau einen ungeheuren Einfluss ausübt. Ich fordere deshalb alle diejenigen, die das zionistische Ideal realisieren, die nicht nur durch Worto, sondern auch durch Thaten für den Zionsgedanken eintreten wollen, auf$ sofort sich in ihrem Bezirke für die kommenden Wahlen zu organisieren. Die Mülhauser Gruppe ist bereit, die vorläufige Centrale der zu schaffenden Organisation zu bilden. Zionistischer Wahlsieg. Pressburg, 28. Jänner. Der hiesige Zionisten verein „Aha vath Z i o n" hat einen überaus schönen Wahlerfolg zu verzeichnen. Anlässlich der am 2G. Jänner stattgehabten Neuwahl des fünfgliedrigen Vorstandes und der dreissiggliedrigen Gemeinderepräsentanz der hiesigen orthodoxen Cultusgemeinde wurden nicht weniger als neun Mitglieder des „Ahavath Zion"-Vereines, darunter der Präses desselben, Herr S. B e 11 e 1 h e i m, gewählt. Somit sind acht Repräsentantenstellen und eine Vorstandsstelle von Zionisten besetzt. Die compacte, einheitlich geleitete Masse der hiesigen Zionisten erwies sich als ausschlaggebender Factor, mit dem jede Partei, die Aussicht auf Erfolg haben wollte, rechnen musste. S. S. Ueber die Zukunft der Cultur von Handelspflanzen in Palästina. Von Universitäts-Professor 0. Warburg (Berlin). (ScMuss.) Für Palästina und die gesammte Türkei am wichtigsten würde jedenfalls die Wiederbelebung der zur Zeit der Kreuzfahrer bestandenen Zu ckerrohrcultur sein, die sich im unteren Jordanthale zweifellos wieder unschwer würde ins Leben rufen lassen, wenn erst die Irrigation der Ebene durch den Jordan und die Sicherstellung der nothwendigerweise mit der Zuckerrohrcultur zu verbindenden Zuckerfabriken von der türkischen Regierung zu erlangen sein wird. Am besten wäre das Ziel vielleicht zu erreichen durch eine grosse internationale, unter dem Schutze der Mächte stehende, vielleicht durch die Colonialbäuk ins Leben zu rufende Gesellschaft, welche dem Sultan das jetzt völlig öde und wertlose Jordanthal sowie sämmtliche Rechte über den Jordan abkauft und das Land irrigiert, um es dann an Privatleute, Golonien oder Gesellschaften in langjährigen Contracten zu verpachten oder zu verkaufen, in ähnlicher Weise, wie es die englische Regierung neuerdings mit grossen Oedländereien in Cypern gethan hat. Diese fruchlbare Ebene würde dann an dauernder Productionskraft nicht im geringsten hinter Oberägypten zurückstehen und eine Quelle des Wohlstandes für das ganze Land weiden. Gerade Zucker ist ein Artikel, den die Türkei in grossem Masse consumiert, aber nur in sehr geringer Menge produciert, so dass sich auch der Nationalwohlstand df-r Türkei durch eine hier zu schaffende grossartige Zuckerrohrcultur in gleichem Masse wie durch die Baumwollcultur heben würde. Neben diesen drei grossen Handelspflanzen ersten Ranges kommen noch tine Reihe kleiner Culturen in Betracht, von denen einige ja jetzt ini Ausfuhrhandel eine gewisse Rolle spielen, nämlich Sesam, Lupinen, Coloquinten. Auch mit aetherischen Oelen haben die Rothschild'schen Colonien Versuche gemacht, die aber jetzt bis auf einige mit Geranien und Cassien (Acacia farnesiana) bestandene Felder aufgegeben sind. Ich bin freilich durchaus nicht davon überzeugt, dass diese Culturen sich nicht rentieren können. Fast niemals glückt die Einführung specieller Culturen gleich beim ersten Ver^u^Jaei stets sind erst allmählich die verschiedenen Hindernisse wegzuräumen und die nöthigen Erfahrungen zu machen. Bei der Nervosität und dem Mangel an Beharrlichkeit, welche dieser Colonisation als Folge einer häufig wechselnden Administration bisher angehaftet haben, ist es kein Wunder, dass man diese Versuche alsbald aufgab, zumal da die Sache von Anfang an in viel zu grossem Stile und mit unnöthig theuren maschinellen Einrichtungen begonnen worden war. Ein Beweis der Unrentabilität der Culturen ätherischer Oele für Parfüms, Getränke und Seifen ist bisher jedenfalls nicht geliefert; selbst die Möglichkeit, aus den wohlduftenden Kräutern der Berge durch Destillation mit tragbaren Destillierblasen Handelsproducte zu gewinnen, wie es in so reichem Masse in den Alpes maritimes geschieht, ist bei dem Blumenreichthum des palästinensischen Kalkgebirges im Frühling durchaus nicht von der Hand zu weisen; wachsen doch auch die zur Herstellung des Karmeliter-Liqueurs dienenden Essenzen massenhaft auf dem KarmeL Es ist hier nicht der Ort, die grosse Menge von Handelspflanzen, welche noch in Zukunft für Palästina in Betracht gezogen werden sollten, im einzelnen durchzugehen. Ich erinnere nur an so überaus wichtige Gerbstoffe, wie Sumach und Caneigre, von der Cultur der dort einheimischen Eichengerbstoöe, der syrischen Knoppern und levantinischen Gallen ganz abgesehen, ferner an Farbstoffe, wie Henna und Safran, an fette Oele, wie Ricinus und Benöl, sowie an die dringend notwendige Verbesserung der Olivenölbereitung. Ferner sind zu erwähnen Harze und Balsame, wie z. B. Storax,VMastix und Mekkabalsam (der berühmte Balsam von Gilead), wohingegen ich freilich an die von Zangwill hervorgehobene Eignung des Landes für Kampfercultur aus klimatischen Gründen nicht recht glauben kann. Dass Palästina eine Productivstätte ersten Ranges für S ü d f r ü c h t e werden wird, deren zunehmende Bedeutung haupt-

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