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Die Welt · 1902-02-14 · 7 (14.2.1902) · p. 5

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Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
7 (14.2.1902)
Article
Ein Vorstand, der keine Neuwahlen wünscht
Date
1902-02-14
Page
5 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 7 „Die # Welt44 Seite 5 Er erniedrigt die „Alliance" in den Augen des Publicums; er maclit die Mitglieder, die keine Gelegenheit mehr liaben, durch ihren Stimmzettel am Werke der Gesellschaft mitzuarbeiten, indifferent; er verhindert die „Alliance", ihr Ziel, die Befreiung und sittliche Erhebung der Juden, zu erreichen, da dies Ziel nur dann erreicht werden kann, wenn sie selbst ihren Mitgliedern gegenüber die modernen Principien der Freiheit und Gerechtigkeit pflegt Diese Principien, die. übrigens mit dem Geiste und dem Buchstaben unserer Statuten übereinstimmen, verlangen, dassden Mitgliedern (iner Gesellschaft Gelegenheit geboten wird, ihre Ideen zum Ausdruck zu biingen und dass die Gesellschaft den Weg einschlage, der den Ideen der Mehrheit entspricht. Ich verlange demgemäss, dass Vorstandswahien stattfinden, d. h. innerhalb eines Zeitraumes von 2 bis 3 Monaten. Es wäre mir sehr leicht gewesen, durch die Ui'terschriflen anderer Vereinsmit»lieder meiner Fordt-rung grösseren Nachdruck zu verleihen; doch ich bin der Meinung, dass eine Unterschrift genüpt, um statutenmässiges Handeln zu verlangen, umsomehr, als diejenigen, an die sich das Verlangen rieh!et, beauftragt sind, nach den Gesetzen und nach den Statuten die „Alliance" zuJeiten. Ich ersuche Sie, mir den Empfang dieses Briefes zu bestätigen und mir die Beschlüsse milzutheilen, die das Central-Gomite fassen wird. Hochachtungsvoll Dr. Elias (Mitglied der „Alliance"). Ich erhielt darauf, unter dem Datum des i29. Janner 1902, folgende Antwort: Sehr geehrter Herr! Wir haben Ihren Brief vom 27. Jänner erhalten. Wir haben mit Interesse die Argumente gelesen, die Sie entwickeln, um uns zu veranlassen, Neuwahlen vorzunehmen. Noch kürzlich haben wir die wichtigsten deutschen Comites befragt, ob es nützlich, die Vereinsmitglieder zu diesem Zwecke zu versammeln. Sie haben einstimmig erklärt, dass es unvorsichtig wäre, augenblicklich die geringste Agitation hervorzurufen, durch die wir uns unseren Gegnern preisgeben würden, und sie haben energisch darauf bestanden, dass wir augenblicklich diesen Plan aufgeben sollten. Das Central-Comite hat durchwegs beschlossen, die Wahlen auf eine spätere Zeit zu verschieben. Hochachtungsvoll Der Secretär: (Unterschrift unleserlich.) Diese Antwort, die auf meine Argumente überhaupt nicht oingieng, konnte mir nicht genügen. Ich schrieb an den Vorstand noch einmal, und zwar Folgendes : Mülhausen, den 31. Jänner 1902. An den Herrn Vorsitzenden der „Alliance israölite" Paris. Sehr geehrter Herr! Soeben habe ich Ihre Antwort erhalten, ich kann sie jedoch nicht als definitiv betrachten. Mein* Verlangen sollte dem Central-Comite vorgelegt werden. Sie antworten durch einen Beschluss, den das Central-Comite früher einmal gefasst hat. Ich appelliere von dem schlecht unterrichteten an das besser zu unterrichtende Comite. Die. deutschen Bezirks-Comites,. die von Wahlen nichts wissen wollen, haben keine Verantwortung zu tragen; sie decken die Handlungendes Central-Comites nicht, weder die gesetzlichen, noch die ungesetzlichen. Die Furcht, bei Wahlen den Gegnern eine Blosse preiszugeben, ist recht verständlich, sie existiert jedoch bei allen denjenigen, die vor die Wähler treten. Aber auch das Ziel derjenigen, die mit den Verwaltungsmassregeln des jetzigen Comites nicht einverstanden und die es mit den Waffen, die ihnen das Gesetz und die Statuten liefern, bekämpfen wollen, verdient das allgemeine Interesse. Falls Sie die statutarischen Wahlen nicht vornehmen, so entsteht statt der einfachen Agitation, die bie fürchten, eine doppelte : die Agitation, die Neuwahlen herbeizuführen bezwecken wird, und die Agitation, die, wenn das erste Ziel erreicht ist, andere Männer an Ihre Stelle zu stellen bestrebt sein wird. Wie Sie wissen, stimmen viele unserer Stammesgenossen mit Ihnen nicht mehr überein, viele sind überzeugt, dass die Mittel, die Sie anwenden, um unsere Brüder geistig und materiell zu heben, zu keinem Ziele führen können. Sie suchen dies durch dieThatsache zu beweisen, dass trotz der Arbeit der „Alliance", die Lage des jüdischen Volkes seit 25 Jahren von Jahr zu Jahr sich verschlechtert hat. Sie glauben, dass andere Kräfte in Bewegung gesetzt werden müssen, um dem Judenthum zu helfen. Sie werden alle Mittel anwenden, die das Gesetz ihnen zur Verfügung stellt, um den Mitgliedern der „ Alliance" ihr Stimmrecht zurückgeben, um das souveräne Wahlrecht entscheiden zu lassen, welchen Weg die „Alliance" zu gehen habe. Bevor «Sie einen endgiltigen Beschluss fassen, bevor Sie einen Kampf unternehmen, in deni das gute Recht nicht auf Ihrer Seite sein wird, unterbreiten Sie meine Argumente dem Central-Comite und verlangen Sie, dass der früher gefasste Beschluss, die Wahlen zu verschieben, aufgehoben werde. Hochachtungsvoll Dr. Elias. Aus diesen drei Schriftstücken wird das jüdische Publicum erkennen, auf Giund welcher Thatsachen Wahlen vorgenommen werden müssen, und welch' nichtige Vorwände der Vorstand der ..Alliance" benützt,um sie zu hintertreiben. Die Furcht vor den Gegnern verhindert die „Alliance", in einen Wahlkampf einzutreten. Diese Gegner sind nicht, wie naive Seelen vielleicht glauben könnten, die Antisemiten. Die existieren schon lange, und aus Furcht vor ihnen sind früher Wahlen nie verschoben worden. Es sind auch nicht die jüdischen Gegner der Alliance — solche gibt es nicht; es sind nur die Gegner des jetzigen Vorstandes. Die existieren, seitdem der Zionismus die Herzen der Juden erhob und in ihnen neue Hoffnungen erweckte, Hoffnungen, die den Bestrebungen des jetzigen „Alliance "-Vorstandes zuwiderlaufen. Trotzdem vorläufig der Vorstand der „Alliance" von Neuwahlen nichts wissen will, bereiten wir uns auf dieselben vor. Es ist möglich, dass der Vorstand der „Alliance" noch seine Taktik ändert; vielleicht machen meine Argumente, die den Präsidenten der „Alliance" nur interessiert haben, auf die übrigen Vorstandsmitglieder einen grossen Eindruck und werden sie auch ver-

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