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Die Welt · 1902-02-14 · 7 (14.2.1902) · p. 1

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Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
7 (14.2.1902)
Article
Die Eisenbahnen Palästinas im Anschlusse an den Weltverkehr
Date
1902-02-14
Page
1 (sequence 1)
Language
German
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Das schnaubende Dampf ross, dieses Emblem einer demokratischen Zeit, hat von unserem socialen Leben Besitz ergriffen, ist ein integrierender Bestandteil unserer Zeitgeschichte geworden. «Wir sind gar nicht mehr in der Lage, uns ein Bild unseres gesellschaftlichen Lebens ohne Eisenbahnen, sei es, dass sie mit Kohlen oder Oel geheizt oder gar mit Elektricität betrieben werden, zu entwerfen. Von allen Erfindungen des reformenreichen 19. Jahrhunderts christlicher Zeitrechnung hat keine so eingeschlagen, wie die der beiden Stephcnson, Vater und Sohn. Ein veralteter Nationalökonbm wollte von der Menge der verbrauchten Seife auf die Culturstufe eines Landes schliessen. Man kann viel besser die Zahl und Länge der Eisenbahnschienen zum Vergleiche der Civilisation der modernen Staaten untereinander heranziehen. Palästina würde bei einem, solchen Vergleiche, wo nur das Bestehende, das Seiende und Wirkliche ein bestimmender .Factor ist, sehlecht wegkommen. Denn das Gelobte Land ist gegenwärtig, so gut es ' eisenbahnlieh verbunden sein könnte, so schlecht verbunden. Es hat ein isoliertes Eisenbahnnetz ohne jeden Anschluss und daher auch ohne jedwede Perspective nur auf materielle Vortheile. Denn von Eisenbahnen gilt dasselbe wie von Flüssen : der kleine Bach kann kaum den leichten Holzkahn tragen, der grosse Strom trägt eiserne Schiffe auf seinem Rücken. Und es ist kein Wunder, dass Palästina gegenwärtig so wenige und meist so unluerative Bahnen besitzt, wenn man bedenkt, wie schütter es jetzt bevölkert ist. Ein Blick auf die Karte Palästinas genügt, um zu zeigen, dass das Gelobte Land, Wenn Constantinopel nach spät-cäsaristischer Ansicht der Kopf des Weltalls zu sein verdient, das Herz des Universums sein müsste, in das alle Venen und Arterien münden. Die Adern eines Landes sind aber die Strassen und Wege und, um neuzeitlich zu sprechen, die Eisenbahngleise, Palästina bildete seit jeher und bildet auch heute eine]] Kreuzungspunkt, es liegt zwischen drei Welttheilen: auf asiatischem Boden in der Nähe des Suezcanals und unweit von allen Culturstaaten Europas. Das Heilige Land war in der alten und mittelalterlichen Geschichte infolge seiner ausgezeichneten Lage das meist umstrittene Gebiet, der wahre Zankapfel, über dessen Besitz nicht die verlogene Acsthetik eines Paris, sondern die rauhe Gewalt der Kriegsschwerter entschied. y.« -Palästina, aus dem hebräischen Preschet-(Phil istaea), Welches das Gebiet südlich von Jaffa mni'asste, wurde als geographischer Begriff — nicht als politischer — auf das ganze Land von Raum und Dan (34 Grad n. Br.) im Norden bis Berseba (Bir es Sebaa 31 Grad 15 ZNIin. n. Br.), im Süden, dem-Amonf hisse (Wadi. el Mondschib: ob Grad ösll. L. von Greenwich) im Osten und dem Mittelländischen Meer im Westen ausgedehnt. Die grösste Länge Paliistinas beträgt #30 krn, seine grösste Breite im Süden 133 km, im Korden 60 bis 70 km, und sein ganzer Flächeninhalt ca. 20.000 km2 (470 Qiiaclratmealen). Nach den neuesten Schätzungen wohnen in Palästina jetzt ungefähr 700.000 Menschen — 75 Percent sind Mohammedaner — so dass 28 Personen auf einen Quadratkilometer entfallen. Naturgrenzen scheiden Palästina in vier Theile: 1. Ebene am Meer vom Gebirge Kännel im Norden bis Gerar im Süden in einer Länge von .105 km und Breite von 15 km, 2. West- Jordan-Plateau mit der grosse]] Strasse von Hebron über Jerusalem nach Sichern, 3. Jordanthal (El Ghor) und -1. Ostjordanisches Hochland mit dem reichen Kornfelde Basan. Die uralte ostindische Handelsstrassc führte durch einen Theil Palästinas, und das Gelobte Land bildete mehrere Jahrhunderte einen Stapelplatz für das Gold und die Colonialwaren, die aus dem Ophirlan.de kamen. Vasco de G a m a und Ferdinand de L esse p s haben die ostindisehe Verkehrsader verschoben und neuerlich wird sie durch die deutsche Bagdad-Bahn verrückt. Palästina kann nur durch die Nähe der Weltbahnen und Meeresstrassen profitieren. Die Durchsehienung Kleinasiens, das Zusammenlaufen der Bahnen des Weltalls am. Bosporus und die coloriisatorisehe Angliedenirig der Türken an Europa bedeutet für das Gelobte Land ein Erwachen ans dem vielhundertjährigen Schlafe, ein Aufraffen vom lockenden dolee far niente. - Palästina, das gelobte Land des Alterthums, kann mich das gelobte Land der neuesten Neuzeit werden, weil' es von modernen Verkehrsmitteln umrahmt ist und nur die Anschlusslinien ausgebaut werden müssen. Im Süden ist der grandiose Suezcanal, von dem mit Kecht gesagt wird, dass er die Geographie der Welt verändert und „Gottes

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