Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 5 (31.1.1902)
- Article
- Palästina, ein wasserarmes Land?
- Date
- 1902-01-31
- Page
- 4 (sequence 2)
- Language
- German
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Säfte 4 „Die # Wfelt" Nr. 5 rühreil sollen, berichtet der Engländer Tristraln und macht Angaben über die Bauart und die Längen-, Breiten- und Tiefendimension. Er fand solche Anlagen in Um-Rasas, Um-Seitbah Ziza und Madeba vor. Die salomonischen Teiche, drei terrassenförmig übereinanderliegende Bassins, werde» sowohl durch die meteorischen als auch Quellwässer ihres Niederschlagsgebietes gespeist Auch die in ganz primitiver Bauart angelegten Teiche von Nabatye und Birket Miskene in der Ebene von Turan, welche aus neuerer Zeit herzurühren scheinen, sind bei dieser Gelegenheit zu erwähnen. Ausser in seinen Niederschlägen besitzt Palästina in seinen Flüssen, Quellen und Seen einen unerschöpflichen, Reichthum an Wasser. Die Wasserläufe, haben mit Ausnahme des von Norden nach Süden strömenden Jordans und den Flüssen der Kison-Ebene, die Richtung von Osten nach Westen oder umgekehrt. Die westlich fliessenden Wasserläufe ergiessen sich sämmtlich ins Mittelländische Meer und sind gewöhnlich nur im unteren Laufe perennierend, während der obere und mittlere Lauf nur zur Zeit der Regenperiode Wasser führt. Sie haben gewöhnlich ein grosses Gefälle, und ihr normaler Wasserspiegel liegt so tief unter dem Niveau des Geländers, dass eine Bewässerung nur unter Anwendung von Wasserhebewerken mit mechanischem Antriebe möglich wird. Diese Flüsse, welche den westlichen Theil der Saronebene durchströmen, sind, von Süden nach Norden aufgezählt: der Nahr-Rubin, der Nahr-el-Andja, der Nahr- Iskanderune oder auch Wadi-el-Havared genannt, der Nahr-el-Hovera, der Nahr-el-Zerka und der Nahr-el-Difleh. Unter diesen aufgezählten Wasserläufen sind die beiden sich durch ihre Wassermenge und ihr stärkstes Gefälle auszeichnenden Flüsse Nahr-el-Andja und Nahr-el- Zerka hervorzuheben. Beide treiben mehrere Mühlen unter Entwicklung bedeutender motorischer Kräfte, und letzterer bewässert einen Theil der Ebene von Zarghanie und Nesle. In Jaffa hat sich eine Gesellschaft von Plantagenbesitzern gegründet, welche den Nahr-el-Audja zur Bewässerung der 10 Kilometer entfernten Orangen gärten von Jaffa heranzuziehen beabsichtigt nach dem Muster der Irrigationsanlägen des mit dieser Stadt auf dem Orangenmarkte concurrierenden Sidon, wo der Nahr-el-Aule die Trinkwässerleitung und die Bewässerungsanlagen der Obstgärten speist Verlassen wir die Saron-Ebene, und gehen wir zu der Kison-Ebene über, welche von dem Mukata (ehemals Kison) und dem Naemon (ehemals Belus) durchzogen wird. Diese beiden Flüsse, welche in die Bucht von Akka einmünden, könnten bei zweckentsprechenden culturtechnischen Anlagen einen grossen Theil der Gemarkungen Jedron, Kafr Eta und Mejdel bewässern. Der Naemon entwickelt auf seinem Laufe beträchtliche Kraftmengen, weiche bis jetzt nur durch eine Mühle ausgebeutet werden, Der an Wasser reichste Theil Palästinas ist das Niederschlagsgebiet des Jordan» Derselbe durchströmt in seinem oberen Laufe nach Vereinigung seiner Quellflüsse, des Hasbany, Ledan und Baniasi die Hule-Ebene und den Merom-See. Auf diesem Läufe erhält er den Zuflüss einer ganzen Anzahl bedeutender, am Fusse der Gebirgszüge Näftalis entspringender Quellen, welche die fruchtbare Ebene bewässern. Zwischen dem Merom-See und dem See von Tiberias nimmt der Jordan keine für die Bewässerung des anliegenden Gebietes wichtigen Nebenflüsse auf. Dagegen eilen ihm nach seinem Austritte aus letzterem See eine Anzahl mehr oder minder bedeutender Zuflüsse zu. Zunächst ist es der Wadi Fedjas, der sich, aus der in geologischer Beziehung sehr interessanten Einsenkung „Sahel el Ahma" kommend, in das tiefer gelegene Jordanthal herabstürzt und dabei bedeutende Kraftmengen entwickelt. Dieselben wurden in vergangenen Zeiten von zahlreichen, noch in ihren Trümmern erhaltenen Mühlen ausgebeutet. Vermittelst1 eines Aquäductes, dessen solides Mauerwerk noch heute zum grossen Theile vorhanden ist, versorgte der Wadi Fedjas Tiberias in seiner Blütezeit mit Trinkwasser. Dieser Bach bewässert die in der Jordan ebene gelegene, kürzlich von der L C, A.*) erworbene Feldmark von Abadye und ergiesst sich südlich des gleichnamigen Dorfes in den Jordan. Einige Kilometer südlich der Brücke „Jisa el Mujamia" nimmt der Jordan den bei der jüdischen Mutterfarm „Sedjara" unter dem Namen Wadi Middy entspringenden Wadi Biri auf. Weiter nach Süden wandernd, stossen wir auf den wasserreichen Nahr-Jalud (Goliath-Bach), dessen Quelle in einer schönen geräumigen Höhle des Djebel Fukua (Gilboa) in der Nähe von Zer-in dem alten Jesreel entspringt und nach Aufnahme der Quelle „Ain Zerin" einen grossen Theil der Ebene Jesreel und die prächtigen Baumgärten des Sultan-Gutes von Besan (ehemals Beth- Sean) bewässert. Auf dem rechten Ufer nimmt der Jordan auf seinem weiteren Laufe den Wadi Far'a und Wadi Kelt auf, von denen ersterer ein Gebiet von circa 100 ha irrigiert, obwohl nur ein kleiner Theil des Wassers in den Dienst der Amelioration gestellt wird. Noch bedeutendere Nebenflüsse hat der Jordan auf seinem linken Ufer. Unter diesen zeichnen sich derSchairat el Menadire (auch Yarmuk genannt) und der Nahr-el- Zerka (der Jabok der Alten) durch ihren Wasserreichthum aus. Ersterer stürzt sich, aus dem Plateau des Djolän kommend in zahlreichen Katarakten von beträchtlicher Höhe in das Jordanthai herab. Die enorme Wasserkraft Hesse sich zu den bedeutendsten industriellen Anlagen verwerten. Die Wässer des Nahr-el-Zerka vermögen einen grossen Theil des Djebel Adjlün in lachende Fluren zu verwandeln. Dass der Jordan, der Hauptstrom Palästinas, bei seiner Wassermenge und seinem starken Gefälle von 210 m auf die kurze Strecke vom Merom- See bis] zum Genezareth-See und"200m von letzterem bis zum Todten Meere für industrielle Anlagen und elektrische Kraftübertragungen in erster Linie in Betracht kommt, braucht hier nicht hervorgehoben zu werden, da dieser Fluss seine Beschreibung in vielen geographischen Berichten gefunden hat. Wir haben uns im Vorhergehenden darauf beschränkt, die wichtigeren Wasseradern des Landes aufzuzählen, orlne die vielen kleinen, für die Bodencultur und die Trinkwasserversorgung der Ortschaften recht wertvollen Quellen und Gebirgsbächlein zu erwähnen. Wir erinnern an die Quellen von Farady, Hetin, Wadi Hamäm, Ain el Medanwere, Wadi er Rubüdle und die Quellen des Districtes Nabulus, Merdj Ajün etc. Der Wadi Rudie und Ain el Medanwere bewässern durch ein weit verzweigtes Grabennetz die grosse Ebene von Mejdel (Magdala), am Westufer des See von Tiberias und begünstigen einen ausgedehnten Anbau von Reis und Mais» Die Gegend von Safed weist einen solchen Reichthum an Quellen auf, dass dort viele Thäler und Abhänge mit *) Abkürzung für Jewish Colonisation Association,