Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1902-01-17 · 3 (17.1.1902) · p. 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
3 (17.1.1902)
Article
Die industrielle Zukunft Palästinas
Date
1902-01-17
Page
5 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
91% known words query
IRI
…/3315709-3315959-3315963-3317855--30007-3317941
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 3 „Die £ Welt" Seite 5 sich Syrien, das einst A n t i o c h i a, eine der Grossstädte des nachmaligen Römerweltreiches, zur Metropole hatte. Hier tritt der E u p h r a t» zu der Meeresküste bis auf die kleine Strecke von 16 deutschen Meilen heran. Hier also war eine Völkerstrasse von der Natur und Geschichte gegeben, und es stapelten sich die Reichthümer des Orients an diesen Stätten auf. Palästina selbst hat die Häfen von St. Acre, die Bai von Cäsarea maritima, den Hafen von Jaffa und noch andere Buchten, welche Stützpunkte für einen sich entwickelnden Handel abgeben könnten und werden. Vergessen wir nicht, dass wir im Zeitalter des Verkehrs stehen und dass hier in dieser rauhen Nussschale Landes, wenn sie der belebende Hauch begeisterter Unternehmungslust sprengt, eine süsse, nährende und Nahrung spendende Zukunft liegt. Strassen werden gegenwärtig schon gebaut. Vor 10 Jahren waren überall nur Karawanenwege und Steige für Saumthiere, heute gibt es bereits ein halbes Dutzend Strassen, worunter jene von Jerusalem nach Nabulus (in Samaria gelegen) die bedeutendste, die breiteste ist. Von Eisenbahnen haben wir jetzt schon: J a f f a— Jerusalem und die französische Linie: Beirut- Damaskus; gebaut soll werden eine Bahn Damaskus — Persischer Meerbusen von den Engländern, und vom Türkischen Reiche selbst: die Bahn von Jerusalem nach Mekka. Die den Norden P e r s i e n s tangierenden russischen Bahnen werden Anschlüsse zu den westküstlichen Gebieten entsenden, und das Innere Palästinas wird durch L o c a 1linien, wie wir zu zeigen versuchen, mit elektrischem Betrieb, der neuzeitlichen Gultur erschlossen werden. Das alles klingt, ja ist schon sehr aussichtsreich! Ich hoffe zu zeigen, dass diese Pläne nicht utopistisch sind. Wer sich über die commerzielle Zukunft Palästinas unterrichten will, der möge nur den in der Makkabäer-Nummer dieser Zeitschrift enthaltenen ausgezeichneten Vortrag Z a n g w i 11 s lesen. Vor dem geisterfüllten Auge dieses Sehers erschliesst sich dem Volke eine reiche Fülle erarbeiteten Glückes in künftigen Tagen. Es ist sogar nicht ausgeschlossen, dass sich die vorhandenen Flüsse und Seen zum Betriebe eines den Landverkehr unterstützenden Schiffsverkehrs benützen lassen. Im Wörterbuche der heutigen Technikkommt das Wort „unmöglich* ebensowenig vor wie in jenem Fouches. Doch liegt die Hauptbedeutung der Wasserläufe in deren Verwendung zur Kraftübertragung mittelst des elektrischen Stromes. Gehen wir an der Hand der Forscher, welche das Land mit seltenem Fleisse und grosser Gewissenhaftigkeit studiert haben, die vorhandenen Wasserläufe durch: 1. Es ist hier der Nahr Roubin, der seine Gewässer südlich von Jaffa ins Meer ergiesst. Mittelst Thalsperren, glaubt der französische Ingenieur Lortet, wäre diese Wasserkraft erfolgreich zu verwerten! Wir kommen später noch auf diesen Punkt zu sprechen. 2. Der Nahr el Audjeh, dessen Bettauch im Sommer nicht austrocknet und dessen Gewässer schon jetzt zum Mühlenbetrieb ausgenützt werden. Dieser Fluss hat nur einen Lauf von 25 Kilometern, aber seine reiche Quelle und seine Zuflüsse sichern ihm eine Ergiebigkeit von 10.000 Litern per Secunde, mit denen sich sowohl eine Kraftübertragung, als auch eine reiche, den Ertrag der Orangengärten verdoppelnde Bewässerung ausführen liesse. Ja, massgebende Fachleute glauben sogar, dass man von hier aus die Wasserleitungen von Jaffa speisen könnte! Die gegenwärtige Wasserversorgung ist eine sogenannte Tiefquelle n-L e i t u n g, wobei das Wasser in der Ebene S a r o n gesammelt und nach Jaffa geführt wird. Dieses Wasser ist bei weitem nicht so rein und nicht so ergiebig wie die Quellen des Nahr u 1 A o u d j a. Auch hier müsste man eventuell zum Hilfsmittel grosser Reservoirs greifen, um die nöthige motorische Energie für Luft- und Kraftbetrieb aufzubringen. Obwohl nun bereits sehr bedeutende Studien und Schriften über diese Angelegenheit vorliegen, exacte Messungen und planmässige Bereicherungen wären hier ganz am Platze. Ehe dieselben fertiggestellt sind, kann höchstens von guten Aussichten in dieser Sache gesprochen werden. 3. Der Nahr elMougatta durchmesst die Ebene Jesreel, diese „lachende, in Aehren und Farben wogende Ebene — ein Brunnen an Fruchtbarkeit — nach dem Süden umgeben von einem Kranz schöner Berge, vor allem mit dem zum Meere sich erstreckenden Karmel im Westen, und im Osten vom stolz aufragenden kleinen Hermon flankiert44. Dieser 60—70 Kilometer lange Fluss, einst „Kischon" genannt, fliesst zwischen Ufern, die sich 4—5 m über seinem mittleren Wasserstand steil erheben und bei Regenwetter vollständig füllen. Wie fast alle unregulierten Flüsse verdirbt er in seinen anschwellenden Launen mehr, als er im normalen Laufe nützt. Der Technik ist auch hier eine dankbare Aufgabe vorbehalten. 4. Der Nahr Naamen — vereinigt mit der ganz nahe südlich von Tyrus emporsprudelnden grossen Quelle „Ras el Ajin" — wird für Gulturzwecke ebenfalls herangezogen werden können. 5. Der Nahr el Kazimiyeh, welcher an seinem Ursprünge und im Oberlaufe den Namen E 1 Litanj führt, wendet sich 30 Kilometer vor seiner Mündung plötzlich westlich, nachdem er im Thal zwischen dem Libanon und Anti-Libanon ungefähr 130 Kilometer langeinensüdlichenund südwestlichen Lauf innegehalten hatte, und ergiesst seine schäumenden Fluten nördlich von T y r u s und südlich von S i d o n in das Mittelländische Meer. Auch ein Nebenfluss dieses Stromes, Nahr el Bardani, treibt, so wie der Litanj, eine grosse Zahl von Mühlen, und das ganze Flussgebiet, von dem wir hier sprechen, wäre eingehender Studien wert. Die Quelle des Litanj liegt 1300 Meter über dem Meer. Welch eine Fülle von treibender — bisher so schlecht ausgenützter — Energie! Wir fassen die Flüsse: Nahr es Zaharani, Nahr el Aouleh, Nahr Damour, Nahr Beyruth, Nahr el Kelb zusammen, welche alle in sehr unvollkommener Weise schon gegenwärtig für Mühlen, Bewässerungen und Wasserleitungen für B e y r u t h und andere Städte benützt werden, um dem Leser eine Vorstellung von dem, was hier alles noch geleistet werden könnte, zu ermöglichen. Fast dieselben Betrachtungen lassen sich an die noch aufzuzählenden Flüsse anschliessen. Es sind dies der N a h r Ibrahim, Nahr e 1 D j o z, Nahr e 1 K e b i r bei Tarabuluz (Tripoli) und andere mehr, die aber zum Theile schon in das nicht-palästinensische Gebiet gehören, und zu denen auch der zukunftsreiche Orontes zu zählen ist. Wenden wir uns zum Jordan. Dieser sagenumwobene Fluss hat von seiner 660 Meter über dem Meer liegenden Quelle an bis zu seiner Mündung eine Länge von 190 Kilometern und ist so recht durch Naturgeschichte und Sage bestimmt, der Heilige Fluss des

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.