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Die Welt · 1902-01-17 · 3 (17.1.1902) · p. 1

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Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
3 (17.1.1902)
Article
Unsere neue Organisation
Date
1902-01-17
Page
1 (sequence 1)
Language
German
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Redaction und Administration: WIEN IX,, Türkenstras9e Nr. 9. Telephon 14199, Erscheint jeden Freitag. Zuschritten sind nicht an einzelne Personen, sondern an die Redaction oder Administration: Wien, IX., Türkenstrasse Nr. 9, zu richten. Unfrankierte Briefe werden nicht angenommen und Manuscripte nicht zurückgesendet. Sprechstunden der Redaction täglich von 73I2—72l Uhr* Preise der Anzeigen: Die viermal gespaltene Petitzeile 30 Heiter. Der Inseratentheil wird Dienstag abends geschlossen. Einzelne Nummern 30 Heller. Oesterreich-Ungarn: ganzjährig Kr. 12.—, halbjährig Kr. 6.—, vierteljährig Kr. 3.—. 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Idee und Organisation bei einer Partei ergänzen sich zumeist, greifen ineinander, sind, um einen philosophisch-sinnlichen Ausdruck zu gebrauchen, zwei concentrische Kreise, deren beider Mittelpunkt das freierlösende Wort, der ausbauende Gedanke ist. Die Organisation stellt das natürliche, menschliche Walten, das vernünftige Ineinandergreifen des menschlichen Kräftespieles dar. Die Idee, die eine starke Partei schaffen soll, muss gross sein, die Organisation, die sie aufrecht erhalten soll, muss einheitlich sein, wie aus einem Guss. „Im Anfange war,* wie Goethe sagt, „das Wort," nein! Zuerst war die Idee, dann war die Partei, und dann kam die Organisation. Das ist der naturliche Verlauf der Entwicklung. Die Organisationsarbeit, welche seit dem 1. Baseler Gongresse geleistet wurde, hat der zionistischen Partei gesteigertes Selbstgefühl und Krafibewusstsein verliehen. Allein im grossen und ganzen war es nur ein Tappen im Dunkeln, ein leidiges Versuchen. Man musste sich gefunden haben, bevor man ans eigentliche Werk gieng. Man niusste Kenntnis vom gegenwärtigen Stande der Bewegung, von der Tieft-, in die sie gieng, von der Breite, mit der sie die Juden des Weltalls umfasste, Kenntnis haben, bevor an ein endgilt ges Organisationsstatut geschritten werden konnte. Nun, dieser erste grosse Schritt ist gethan. Und nach langer, eingehender und lebhafter Discussion, bei der es Funken stob, hat der V. Zionisten-Congress das neue Oiganisationsstatut fast unverändert und einstimmig angenommen. Es war dabei keine Vergewaltigung der Minorilät nothwendig, keine Tyrannisierung der „compacten Majorität" über die zur Seite und in den Schatten gestellte Minderheit. Es war eine eingehende Erörterung, eine lange Berathung, ein gegenseitiges Verstehen und Aufklären und ein wechselseitiges Concedieren und Nachgeben, bis zur Specialdebatte und zur Abstimmung geschritten wurde Es hat keine Verstimmung bei der überstimmten Minorität zurückgelassen, denn es gab eigentlich keine Minderheit, die sich dem Machtspruche der Mehrheit hätte fügen müssen. Betrachten wir nun diese neue Organisation, welche die Lichtseiten der CentraHsation und Decentralisation der Einheitlichkeit und Theilbarkeit in sich vereinigt und welche eine Verquikung beider Systeme, der Centraiisation und Decentraiisation ist, und auch sein musste, weil der Mensch selbst eine Combination beider ist, mithin auch sein Werk eme solche sein muss. Je grösser der Boden, auf dem die Zionisten vorderhand verstreut leben, desto enger und vielmaschiger muss das Band sein, das sie aneinander knüpft. Wenn da die einzelnen Theile nicht auseinanderfallen sollten, wenn keine Parteiun^en und Spaltungen eintreten sollen, musste eine einheitliche Organisation geschaffen werden. Sie musste auch eine einfache, hello, klare und gleichartige für alle Länder — und weiss der Himmel, mit wie vielen Ländern wir vorläufig zu rechnen haben — sein. Wir, die in so vielen Sprachen reden, in so vielen Ländern wohnen, und in unzählige Gemeinden zerfallen, wir mussten ein einheitliches, geistiges und materielles Band schaffen, dass uns aneinanderf e s s e 11, wenigstens anein anderbindet. Die leiseste Gefahr eines Goi iflictes zwischen den einzelnen Körperschaften musste vermieden werden, der geringste Ansatz zu Bildungen von Meinungsverschiedenheiten musste glatt weggeschnitten werden. Bevor die einzelne Körperschaft endgiltig in Wirksamkeit treten konnte, musste schon das Schiedsgericht constituiert sein, das Streiifragen und Differenzen bezüglich der Competenz zwischen den einzelnen zionistischen Körperschaften schlichten und Reibungen ausgleichen sollte. Die Geschichte hat uns gewitzigt, wir verfielen und litten, weil wir keine Einheit unter uns hatten, weil wir über so viele Meinungen verfügten, als wir Köpfe hatten. Das war der Krebsschaden unseres Seins. Unsere gesunden Meinungen sollen uns auch fürderhin bleiben, allein sie werden sich zu einer Einheit emancipieren, sie werden sich zur simplen Höhe des einheitlichen Gesammtausdruckes emporschwingen. Das neue Organisationsstatut hat dem Grundgedanken der Einheitlichkeit Rechnung getragen. Das

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