Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 2 (10.1.1902)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1902-01-10
- Page
- 10 (sequence 9)
- Language
- German
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Seite 10 „Die £ Welt" Nr. 2 Commission und die Wahlen in die Commissionen und das A.-C. Delegierter Buber verias die Anträge der Cuitur-Commission. Delegierter Rabbiner Rabinowitsch (Sopolzkin) und Delegierter Rabbiner Reines (Lida) warnten davor, Cultur-Agitation unter den dagegen misstrauischen Orthodoxen zu treiben, weil sie Religionsreformen dahinter vermuthen. Der Präsident schlägt jetzt vor, als nächsten Punkt der Tagesordnung die Wahlen vorzunehmen, die das wichtigste Erfordernis des politischen Zionismus seien. Dagegen stellen Buber und Lilien den Antrag, zuerst über die Anträge der Cultur- Commission ohne Debatte abzustimmen. Mit überwiegender Majorität beschliesst der Gongress, in die Wahlen zuerst einzugehen, und lehnt den Antrag Buber ab. Daraufhin verlassen ungefähr 40 Delegierte gemeinsam den Saal, ohne dass dazu eine Aufforderung laut wurde. Der Präsident unterdrückt jede Kundgebung im Saale und geht sofort zur Tagesordnung über. Besonders bemerkenswert ans den nun folgenden Wahlen ist: Russland bekommt gegen 12 vorgeschlagene A.-C.-Mitglieder 13, den 13. in Lodz. Für Mähren wird nicht der vorgeschlagene H i c k 1, sondern mit seinem Einverständnisse H. S o n cl e r 1 i n g als A.-C.-Mitglied gewählt. In das engere A.-G. sind gewählt: Dr. Theodor H e r z 1 Herr Dr. Kokesch, Herr Architekt Marmorek, Herr Dr. Leop. Kahn und für Dr. Schnirer Herr Joh. Kremenezky, (Beifall.) In der Gultur-Debatte verwahrt sich Delegierter S o k o 1 o w dagegen, dass man auf Grund religiöser Anschauungen gegen die cuiturelien Forderungen des Zionismus auftivto. Delegierter Dr. Awino witzky protestiert dagegen, dass den Gulturforderungen der Platz vor den politischen eingeräumt werde, und glaubt, dass jeder Unterstützung genug in der Bewegung finde, der auch ohne Congressbeschluss culturelle Arbeit leisten wo!le. Zu den Bemerkungen Sokolows citiert Doctor Herzl die zahlreichen officiellen Erklärungen auf Congressen, wonach der Zionismus jedermanns religiöse Ueberzeugung unangetastet lasse. Dr. K o h a n-B ernstein der mit den Jungzionisten den Saal verliess, hat bald nach dem Abzug seinen Sitz auf der Präsidialtribüne wieder eingenommen. An ihn richtet der Präsident folgende Aufklärung: Nur ein Missverständnis konnte zu der Meinung führen, dass der Gongress eine culturfeindliche Haltung einnehme. Vielmehr nmsste gerade einem Manne wie Dr. Kohan-Bernstein klar sein, dass im Gegentheil der Gongress entschieden hat, dass man über die wichtigen Gulturfragen nicht debattelos abstimmen könne. Dagegen hat er mit starker Majorität politischen Fragen den Vorrang gelassen. Die demonstrierenden Delegierten kehren inzwischen zurück, und hier muss bemerkt werden, dass keine Spur einer Disharmonie mehr zu bemerken war. Man zeigte auf jede Art den AVillen zur Einigkeit und gemeinsamer Arbeit, stimmte über die Anträge der Culturcommission ab und aeeeptierte diejenigen, die sich auf Erziehungs- und statistische Fragen beziehen. Untersuchungen über die Möglichkeit einer jüdischen Hochschule wird das A.-G. pflegen, die Nationalbibliothek in Jerusalem subventionieren. Die Wahlen für eine ständige, an den Congress berichtende Culturcommission werden vorgenommen. Hierauf hält Dr. Herzl die Schlussrede: Bald wird der V. Congress vorüber sein. In tüchtiger Arbeit hat er einen Nationalfonds geschaffen, der Bank, wenn auch mit dem Gebote der Sicherheit, einen neuen Curs gegeben und ein Organisations-Statut bewilligt, das die besten Früchte tragen wird. Was die Schaffung einer juridischen Person zur Sicherstellung des Nationalfonds betrifft, liegt eine freundliche Aeusserung von massgebender Stelle bereits vor, dass man in Basel dagegen nichts einzuwenden habe. Mit den besten Eindrücken eines positiven Glückes scheiden die Delegierten voneinander. Junge Träumer, Männer, die bei uns jung werden, Vertreter des ganzen Erdballs wetteifern in Arbeit für das jüdische Volk, in Liebe zueinander und für ihre Brüder! (Stürmischer Beifall.) Nachdem Rev. Dr. S c h a f f e r an Dr. Herzl für sein Wirken eine Dankrede gehalten hatte, die von Ovationen für den Führer oft minutenlang unterbrochen wurde, schloss Dr. Herzl den V. Congress um 4y2 Uhr früh. Nach seinen Worten spielten sich unbeschreibliche Scenen ab. Saal und Gallerie erdröhnten von „Hoch!*- Rufen auf die Freiheit des jüdischen Volkes und auf Dr. Herzl. Tücher und Fahnen wurden geschwenkt und der Jubel wollte kein Ende nehmen. Zions-Hymnen wurden von Alt und Jung im Massenchor gesungen, unsere Ideale gefeiert, die Führer bejubelt. Lange nach Schluss blieben die Delegierten noch beisammen und überall wurden Verbrüderungs-Seenen gefeiert. Der Morgen war schon da, als man sich in begeisterter Stimmung trennte. Organisations-Statut. L Einleitung. § J. Die zionistische Organisation umfasst diejenigen Juden, welche sich mit dem Programme des Zionisten- Congresses einverstanden erklären und Sctiekelzahler sind. Das Programm des Zionisten-Congresses lautet: Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. § 2. Das Hauptorgan der zionistischen Organisation ist der Congress, der durch die Wahl von Delegierten seitens der Wahlgruppen gebildet wird. § 3. Das Executivorgan des Congresses ist das Actions-Comite. II. Gliederung. § 4. Die zionistische Organisation gliedert sich in Schekelzahler, Vereine, Landes-Comit^s oder Federations, Delegiertentag der Landes-Organisationen, das grosse A.-C, engeres A.-C. und Congress. § 5. So weit die Gesetze des Landes es gestatten, haben' die zionistischen Vereine sich zu einer Landes- Organisation zusammenzuschiiessen. Diese steht unter der Aufsicht des A.-C.-Mitglied es oder der Gesammtheit der A.-C.-Mitglieder des Landes. § 6. Gegen die Entscheidung des Landes-Comites in Organisationsfragen steht dem betreffenden Vereine (District, Gau etc.) die Berufung an das engere A.-C. zu. § 7. Der Verkehr der Vereine mit dem A.-C. geschieht nur im Wege der Landas-Comites und umgekehrt. III. Congress. § 8. Der Zionisten-Congress tagt jedes zweite Jahr an einem vom grossen A.-C. zu bestimmenden Orte. Eine frühere Einberufung des Congresses bestimmt das grosse A.-C. § 9. Aufgaben des Congresses sind: a) Entgegennahme und Prüfung der Bechen schaftsberichte des Actions-Comites (A.-C). b) Ausgestaltung des zionistischen Programmes. c) Feststellung des Programmes der nächsten Verwaltungs-Periode.