Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 2 (10.1.1902)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1902-01-10
- Page
- 3 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 2 *Die Weif* Seite 3 Dr. L i p p e, Jassy, Dr. Pinczower, Zürich, Bettino Levy, Mailand. Co lonisatioDs-Ausschuss: P, iesenhoff, Odessa, W.Temkii), Eiisabethgrad, Chissii), Scheinkir, Davidsohn, Warschau, Ing. Kessler, Johannesburg, J. Zangwill, Wolffe, S. P i n e 1 e s, Dr. E. Simonsohn, Berlin-Schöneberg, Dr. Frank, Sowalsky, Don ati, Dr.Rym anowski, Seligmann, Dr. Brück, Kolbuszowa, Horowitz, Chicago. Diese Namen werden vom Congresse aceeptiert. Auf der Tagesordnung steht die Bank-Frage. Das Referat gibt keine bankmässigen Nachweise, sondern beschränkt sich darauf, dem Gongresse nur die Entscheidung zu lassen, ob, wann und wo die jetzt actionsfähige Bank ihre Geschäfte inaugurieren solle. Der Referent ist Sir FrancisMontefiore. Dieser, die Liebenswürdigkeit und Vornehmheit in Person, ist eine von jenen Naturen, „die siegen im Vorübergehen,0 und er hatte sich auch schon von früher her die Herzen derer erobert, die ihn sahen und hörten. Dem Referate Montefiores und der Debatte wurde mit Spannung entgegengesehen. Die Nacht- Sitzung reichte aber für die Discussion nicht aus und sie musste um iya Uhr unterbrochen werden. Der Referent, von stürmischem, anhaltendem Beifalle begrüsst, führt ungefähr Folgendes aus : Mein heutiges Erscheinen vor Ihnen hat den Zweck, über die Jüdische Colonialbank zu sprechen, wenn ich auch besorgt bin, über diese überaus wichtige Frage nicht erschöpfend referieren zu können. Es ist mir nicht möglich, über mein Thema zu reden, ehe ich der Versammlung die Versicherung geben kann, mit welchem Vergnügen es mich erfüllt, in Ihrer Gesellschaft mich wieder zu befinden, und wie mein Herz voll aufrichtiger Freude darüber schlägt. In pietätvoller Erinnerung an die heissen Gefühle meines verewigten Oheims für das Judenthum stehe ich mit vollem Herzen im Zionismus, um mit all meinen Kräften für die heilige Sache zu wirken. Ich muss von vorneherein die Behauptungen gewisser Leute zurückweisen, die in ihrer verächtlichen Agitation gegen die Bank die Behauptung aufgestellt haben, dass ich Misstrauen gegen dieselbe hege, und darauf hingewiesen haben, dass ich an den vorausgegangenen Congressen das Wort zur Bank-Frage nicht ergriffen habe, und dass mein Name auf dem ersten Prospect der Bank nicht erschienen ist. Ich kann Sie versichern, dass die Bank mein vollstes Vertrauen besitzt, und wenn hli in früheren Congressen darüber nicht gesprochen habe, so glaubte ich, die nöthige Zeit nicht wegnehmen zu sollen, da ich die dazu gehörige fachmännische Bildung nicht besitze. Meinen Namen habe ich allerdings in zwölfter Stunde zurückgezogen- — aus reiner Gewissenhaftigkeit, weil ich glaubte, dass nur die tüchtigsten Fachleute der Bank vorstehen sollten. Was nun die Zwecke der Bank betrifft, so hat sie es sich zwar vorbehalten, auch in allen anderen Ländern Geschäfte zu betreiben; ihr Hauptbestreben ist es aber, in Palästina solche zu inaugurieren und namentlich die Agricultur zur Blüte zu bringen. Unsere Gegner behaupten zwar, class jene Gegenden die nöthige Fruchtbarkeit nicht besitzen und auch im Handel so heruntergekommen sind, dass auch mit Hilfe der grössten Capitalien eine Wendung zum Besseren in keinem der beiden Fälle erreicht werden könne. Wir Zionisten sind der Ueberzeugung, dass die Sachlage in Palästina durchaus nicht so schlecht ist; dass, wenn auch die gegenwärtigen Zustände viel zu wünschen übrig lassen, doch der Boden im allgemeinen als fruchtbar zu bezeichnen ist und bei geeigneter Behandlung reichen Ertrag liefert. Fachleute haben uns berechnet, dass Palästina und Syrien zehnmal mehr Bewohner als jetzt selbst dann ernähren könnten, wenn auch nur die gegenwärtige Art der Bewirtschaftung fortgetrieben würde, und in unserer Ansicht geben uns am meisten die Bestrebungen der Grossmächte recht, von denen jede sich bemüht, Concessionen im Lande zu erwerben. Jede von ihnen hat Untersuchungen angestellt und würde wohl keine Unternehmungen einleiten, wenn sie nicht glauben würde, zu reüssieren. Für die Geschäfte der Bank liegen eine Menge detaillierter Pläne vor, von denen in genaue Erwägung gezogen wird, ob sie auch völlige Sicherheit gewährleisten, da principiell ohne eine solche nichts unternommen wird. Wir können nicht mit Ungestüm an die Thätigkeit der Bank gehen. Unsere Bank dient höheren Zwecken, und wir müssen aus Vorsicht eher eine ängstliche, als eine muthige Geschäftsführung einrichten. Nach Schluss der Rede Mo n t e f i o r e s antwortet der Präses des A.-G. auf die Anfrage eines Delegierten, dass der bankmässige Bericht über die Lage der Bank erst in der Generalversammlung der Actionäre gegeben werden kann. Er erbittet aber Anfragen und Vorschläge an das A.-G. seitens des Gongresses, wo und wann die Bank ihre Geschäfte beginnen soll. Dr. B y c h o w s ki möchte erfahren, wo und wann das Directorium selbst mit der Arbeit anzufangen gedenkt. Del. Rosenthal wünscht dafür praktische Vorschläge des A.-G. Dr. Herzl constatiert, dass das A.-G. als Aufsichtsrath keine Initiative für die Bank entwickle, sondern bloss darauf achte, dass die Bankstatuten befolgt werden, was nach den Erhebu: gen auch geschieht. Dagegen können vom Plenum des Congresses Anträge gestellt und Beschlüsse über die Bankthätigkeit gefasst werden. Dr. J a s s i n o w s k y bezweifelt, dass der Congress die Berechtigung habe, über Operationen der Bank zu sprechen. Das sei eist möglich nach Anhörung des Directoriums-Berichtes für die Actionäre und nur in der Aetionär-Versammlung. Da von mehreren Seiten auf nähere Aufklärung der Operationsmöglichkeiten der Bank gedrängt wird, erg-eift das Wort Dr. 0. Kokesch: Ich glaube, es wird der Debatte vielleicht ein Ziel gegeben, wenn ich Ihnen im Namen des Fünfer-Ausschusses erkläre, wie sich der Aufsichtsrath die Thätigkeit der Bank vorstellt. Was hat die Bank jetzt zu thun, da sie actionsfähig geworden ist? Der Fünfer-Ausschuss glaubt: Bis zu dem Zeitpunkte, wo die Bank für den Zweck der Gründung mit Erfolg arbeiten kann, möge sie andere Geschäfte machen, sei es in Palästina, sei es anderswo, Geschäfte, bei denen nach menschlicher Berechnung Verlust ausgeschlossen ist. Es liegen mehrere Projecte für geschäftliche Thätigkeit der Bank vor, die auf ihre absolute Sicherheit hin genau geprüft werden. Dr. Katzenelsohn (Director der Bank) : Bevor ich Ihnen etwas über die Zukunft der Bank sage, muss ich auf ein Beispiel aus der alten Geschichte zurückkommen. Die Heiligthümer der Alten in Delphi und Ephesus sind zu Banken geworden durch die Wechselgeschäfte der Priester. Wir Zionisten wollen es umgekehrt, wollen aus unserer Bank ein Heiligthum machen. Es soll ein Instrument zur Erlangung einer gesicherten Heimstätte sein. Die Frage ist nun, was wir bis dahin thun sollen; ich muss dabei eintheilen nach Wo, Wie und Was. Wenn wir noch nicht am