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Die Welt · 1902-01-03 · 1 (3.1.1902) · p. 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
1 (3.1.1902)
Article
Rede Dr. Max Nordaus
Date
1902-01-03
Page
7 (sequence 4)
Language
German
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Nr. 1 „Die fr Welt4* Seite 7 mögen besässe. Im jüdischen Tolke allein herrscht der Wahn, dass man studieren könne, ohne Geld zu haben. Bei uns allein beobachtet niaix die unheimliche Erscheinung eines tollen Andranges zur Mittel- und Hochschule bei einer Jugend, die sieh einbildet, sie könne mit dem Kopf arbeiten, ohne den Magen zu füllen und ohne ihre Blosse zu bedecken^ sie könne Wissen erwerben, ohne dafür den regelrechten Preis an Geld und Zeit zu bezahlen. Wir haben den traurigen Vorzug, wie den Typus des Luftmenschen, so den Typus des Bettelstudenten hervorgebracht zu haben. Ganz ausnahmsweise kommt diesep-Typus ja auch bei anderen Völkern vor, vbei den vorgeschrittenen allerdings weit seltener als bei den zurückgebliebenen, aber im ganzen ist der Bettelstudent doch eine specin sch jüdische Erscheinung. Wie das Studium des Bettelstudenten beschaffen sein kann, das ist nicht schwer zu erratheil. Die allgemeinen Staats-, Gemeinde- und Körperschaftsstipendien fallen ihm kaum jemals zu. Die Zahl der jüdischen Gemeinde- und Privatstiftungen zur Unterstützung der Studierenden ist sehr gering und man übertreibt nicht, wenn man annimmt, dass im Durchschnitt auf ein Stipendium fünfzig Bewerber kommen. Der Bettelstudent sucht während der Studienzeit zu erwerben. Er jagt in wilder Gier Unterrichtsstunden nach, die ihm erbärmlich bezahlt werden und ihn im Alter seiner schönsten Charakter- und Geistesbildsamkeit nicht nur seine Zeit und Kraft kosten, sondern ihm auch den Stolz knicken, das Selbstgefühl und die Würde nehmen. Wer nicht unterrichtet, der stümpert im Journalismus und in der Literatur, der übersetzt, copiert, verrichtet vielleicht noch niedrigere Arbeit. Das Studium, das doch die Hauptsache sein sollte, sinkt zur Nebenbeschäftigung hinab. Der Bettelstudent hat dafür nur einige verlorene Augenblicke übrig und bringt dazu statt der erforderlichen Sammlung und Frische einen müden, zerstreuten, von tausend gemeinen Sorgen erfüllten Geist mit. Das Examen wird, unter diesen Umständen für ihn zu einem erschreckenden Wagnis, an das er mit bebendem Herzen herantritt. Er weiss, dass er nicht vorbereitet ist, er weiss, dass er keine Berechtigung hat, aber wie der Luftmensch auf ein tägliches Wunder für seine Ernährung, so hofft der Bettelstudent auf ein Wunder für seine Prüfung, und wenn er sie besteht, so sagt ihm sein Gewissen häufig, dass er unverdientes Glüek gehabt hat. Während der Studienzeit ist er schlecht genährt, sohl echt gekleidet, schlecht mit Arheitsmitteln versehen, ohne Schwung, ohne Geistesfreiheit, ohne jenen Hauch von Vornehmheit, den die Wissenschaft sonst um ihre Jünger verbreifet. Die glücklicheren Commilitonen, die für die Tragik seiner fahlen Wangen und seines fadenscheinigen Keckes keine Empfindung haben, verachten den Bettelstudenten. Die Lehrer empfinden tiefe Abneigung gegen den Schüler, den sie für unfähig und faul halten, obschon er doch einen übermenschlichen Fleiss entfaltet, freilich nach einer anderen als der von ihnen mit Kecht geforderten "Richtung, und sie gelangen zu ein ein verallgemeinernden Antisemitismus, vor dem selbst ein so freier Geist wie Billrot h sich nicht zu hüten vermochte. Während des Studiums ist der Bettelstudent ein Proletarier, im Examen ist er ein Glückspieler, mit dem Diplom in der Tasche wird er erst recht wieder zum Luftmenschen. So entsteht bei uns das grauenhafte Paradoxon, dass das Studium, das bei jedem anderen Volke den Zugang zu höherer gesellschaftlicher Stellung öffnet, bei uns nicht erhöht, sondern womöglich noch erniedrigt. Der arme Jude, der sich zu einein gelehrten Berufe erhebt, hört nicht auf, Proletarier zu sein, sondern proletarisiert jeden gelehrten Beruf, in den er einigerinassen zahlreich eindringt. Er ist selbst minderwertig und seine Armut zwingt ihn, seine Leistung niedrig zu bewerten. Dass es sich auch hier nicht um einen Mangel an Fähigkeit, an Ernst, an Pflichtgefühl, sondern nur um einen. Mangel an Betriebscapital handelt, beweist die winzige Minderheit jener jüdischen Studenten, die aus dem wohlhabenden Mittelstande hervorgehen und während der Studienzeit wirklich studieren, können, statt für sich und oft sogar für ihre Familie erwerben zu müssen. Aus diesen wenigen gut gestellten Studierenden gehen die Geisteslichter erster Grösse unverhältnismässig zahlreich hervor. Man führt es oft als Beweis des starken Bildungsdranges der Juden an, dass sie in der Mittel- und Hochschule procentual ungleich stärker vertreten sind als in der Bevölkerung. Ich glaube, dass man uns da ausnahmsweise einmal schmeichelt. Die Juden studieren so zahlreich nicht aus Bildungsdrang, sondern aus Verzweiflung. Der Gedankengang, auf dem der arme und ärmste Jude zum Entschlüsse des Studierens gelangt, reizt in seiner drollig einleuchtenden Absurdität zugleich zum Lachen und zum Weinen. Er hat zum arierbescheidensten Berufe die Mittel ebensowenig, wie zum anspruchsvollsten. Warum soll er da nicht den anspruchsvollsten wählen? Ks fehlt ihm dazu nicht mehr als zum alleihescheidensten, sondern nur ebensoviel, nämlich alles. Das jüdische Bettelstudium ist ein toll verwegenes Spiel um hohen Gewinn mit lächerlich geringem Einsätze. Das Ausreissen nach vorne ist eine berühmte Eigenthüinlichkeit des preußischen Soldaten. Der Bildungsdrang des Juden ist ein Ausreissen nach oben. Mancher Jude, der es fabelhaft weit gebracht hat, würde, wenn er in die Tiefen seiner äussersten Beweggründe hinableuehten wollte, bekennen müssen: „Da ich nicht Taglölmer werden konnte, so blieb mir nichts übrig, als Minister zu werden." Das ist die wirtschaftliche Verfassung des jüdischen Volkes in seiner Gesammtheit. Vir sind ein Volk von Luft- 111 ensehen und Bildungsproletariern. Wir leben von Zufällen und Wundern. Wir haben keine lleserve für morgen und kein Capital für heute. Unsere Taglölmer können nicht den besten Arheitsniarkt aufsuchen. Unsere Handelsleute hängen zitternd an einem brüchigen Faden von Credit. Unsere Handwerker sind auf Autodidaktik angewiesen und müssen jeder für sich Amerika entdecken und das Pulver wieder erfinden. Unsere studierten Leute sind Leute, die zum Studieren keine Zeit gehabt haben. Und wie wir kein Betriebscapital haben, so haben wir auch keine Kundschaft. Jedes Volk bildet unter normalen Verhältnissen einen selbständigen Wirtschaftsorganisnuis, der sich ursprünglich und zur Noth auch noch später selbst genügt. Es tauscht den Ueberseluiss seinerProduetiou mit anderen Völkern aus, nicht um zu leben, sondern um besser zu leben, nicht um seine elementarsten, sondern um seine höher entwickelten Bedürfnisse zu befriedigen. Nur das jüdische Volk bildet keinen geschlossenen Will Schaftskörper, denn es fehlt ihm dazu die unentbehrliche Unterlage: der Boden. Es hat keine Erzeuger von Nahrungsmitteln, und Rohstoffen in seiner Mitte. Der jüdische Erzeuger wirtschaftlicher Werte kann sich also nicht auf seine-.erste, natürliche Kundschaft, seine Volksgenossen beschränken. Ein bloss innerer Kreislauf der Werte würde unfruchtbar bleiben, ein bloss gegenseitiger Austausch der erzeugten Güter niemand nähren. .Der jüdische Erzeuger ist auf nicht]iiclisehe Kundschaft angewiesen. Er muss an den Nicht]uden verkaufen, denn er kann, nur heim Niehtjuclen sein Brot und seinen Rohstoff einkaufen. Der Nichtjude wird aber nur mit Widerstreben sein Kunde. Er wird es nur, wenn der Jude ihm Vortheile bietet, die er beim nichtjüdischen Werteproduccnten nicht findet. Uni den marktgängigen Preis für seine Leistung jeder Art von nichtjüdischen Kunden zu erlangen, muss der Jude eine Leistung von höherem als dem marktgängigen Werte bieten. Um seine Leistung von marktgängigem Werte beim nichtjüdischen Kunden anzubringen, muss der Jude sie unter dem. marktgängigen Preise anbieten. Bei gleicher Leistung erhält der Jude schlechtere Preise, bei gleichem Preise muss der Jude mehr und besseres leisten. Der Jude hat, auf nicht jüdische Kundschaft ange- V

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