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Die Welt · 1906-12-28 · 52 (28.12.1906) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
52 (28.12.1906)
Date
1906-12-28
Page
– (sequence 10)
Language
German
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ibv:. •/ ' , «== DIE^KE LT; ' No. 52 Seite der Volksdichtung, gleichsam in seinem Werdeprozesse. Diese reste gefehlt hatte, wie ja unterlassen worden war. die Kiefer zu Zeugenaussagen im Prozesse Hilsner verdienten wohl eine eingehende durchschneiden, um zur Feststellung des Alters, nach etwaigem Darstellung. Handelte es sich nicht um eine so ftraurige Sache. Keime der Zähne zu forschen, und wie man mit dem Lokalaugenkönnte sich einer wohl gar versucht fühlen, ein lustiges Buch über .schein vom Herbst bis zum 30. April gewartet hatte — weil es das zu^ schreiben, was Zeugen „gehört" und „gesehen" haben! geschneit hatte! Drastisch faßt Nußbaum in seiner Schrift die Aussagen der Zeugen Auch hier dieselben Nachlässigkeiten, bevor der Verdacht gegen Gnk, Skareda und der Zeugin Huber in folgendem Satze zusammen: Hilsner ausgesprochen worden war, auch hier derselbe Feuereifer, „Hilsner soll mit zwei anderen jüdischen iMordbuben. alle mit nachdem er erweckt war. Auch hier das Phänomen des im Quadrate Zigaretten im Munde, durch die Stadt hinter dein in einiger Lntder Zeiten wachsenden Erinnerungsvermögens der Zeugen, auch femung sichtbaren Opfer her spornstreichs in den Wald gelaufen hier greifbare Widersprüche, auch hier Alibis der angerufenen Gesein, wobei sich die Verbrecher jedoch wenigstens soviel Zeit IieUen. währsmänner - sogar ein nahezu zwingender Alibibeweis für daß'man in der inneren Paletottasche des einen ein längliches, in Hilsner selbst; auch hier ahnungsvolle Leute, die sich, weil sie gelbes Papier eingewickeltes Etwas, offenbar das Schächtermesser, Hilsner mit einem Mädchen gesehen haben wollten, gleich „üedanken" erblicken konnte." Als Typus der ahnungsvollen Zeugen aber sei gemacht hatten; auch hier Satan als hinkender Jude! die Zeugin Huber noch besonders zitiert. Diese sagte bei der zweiten Und auch hier überhaupt jene ganz schwungvolle Roman- Verhandlung (in Piseki bei Schilderung obiger Szene: ... . . da öffnete phantasie, die so charakteristisch ist für die Unglaubwürdigkeit der ihm (dem Begleiter Hilsners) der Wind den Rock und ich sah. daß Aussagen! Ich nenne nur den Zeugen Anton Lang, diesen klassiaus der Tasche etwas wie ein eingewickeltes Futteral hervorsah. sehen Zeugen, der über zwei Jahre sein Geheimnis im Busen ver- Es sah aus, wie wenn ein Schlächter zum Schlachten geht. Ich wahrt hat und dann erst die „Gedanken", die er sich vor zwei Jahren sagte mir noch, hier ist doch keine Schlachtbank.- Lud als ihr der gemacht hatte, in das Herz des Gemeindevorstehers, eines Ver¬ Präsident einwarf, daß sie bei der ersten Verhandlung in Kuttenberg bündeten des privaten Aktionskomitees, ausschüttet. Fr hat an dem von ihren Gedanken nichts erwähnt habe, da antwortete sie: „Man kritischen Tage Hilsner mit einem Mädchen, das die Klima sein kann nicht gleich auf alles kommen. Ich dachte mir auch, da hier mußte, in einem Zuge des Arbeitervereines gesehen und hat gesehen, keine Schlachtbank sei. sie gingen jemand totschlagen." wie Hilsner. die spätere Opferung der Klima im voraus andeutend, Lustig sprang Hilsner mit seinen Mordgesellen im Orte Polna die linke Hand auf der Schulter des Mädchens hielt. Ich nenne nur herum, und die sehen wollten, die hätten das Schächtermesser schon den Zeugen Pesak. der auch in diesem Falle eine wichtige Rolle sehen können. Hiner der Mordbuben aber, der zog schleppend den gespielt hat und nach dem Verschwinden der Klima den Hilsner in der einen Fuß nach: Meister Beelzebub war von dem „Volke" mit dem Nähe der Stätte, an der dann die Leiche gefunden wurde, gesehen Morde verknüpft und in einem der Gesellen geahnt worden, er war hat. .wie er unter einem Lärchenbaume dasaß, den Kopf in die Hand es, der das „Schächtermesser" in der Tasche trug. Als nun a5er gestützt, in Gedanken versunken! die Mörder in Verfolgung ihres Weges an der Stelle des zu be- Da kann man wirklich nur mehr sagen, das ist ja zu dumm! gehenden Mordes oben beim Brzezinawalde angelangt waren, da Aber freilich, dem Staatsanwalt war es nicht zu dumm ujjd dem stellte sich Hilsner breit in die Mitte des Weges hin und fuchtelte Vorsitzenden nicht und den Geschworenen auch nicht. „Wenn auch das Opfer erwartend, mit seinem Stock. Und dann zieht er sich die Aussage dieses Zeugen*, hat der Staatsanwalt von der Aussage in den \Vald zurück und konferiert dort mit zwei in einer Vertiefung Längs gesagt, „nicht vollkommen zuverlässig erscheint, so muß doch lauernden dunkelgekleideten Männern. Das alles und noch mancherlei auf dieselbe hingewiesen werden". Ist aber ein solcher „Hinweis" hat der Zeuge Pesak auf eine Entfernung von - siebenhundert des Staatsanwaltes auch noch loyal? Metern gesehen! Und mit dieser „Räubergeschichte" ist er -- viei Das Schwurgericht in Pisek hat Hilsner auch wegen Mitwirkung Monate.nach seinen angeblichen Wahrnehmungen dahergekommen! an der Ermordung der Klima verurteilt. Das hatte er von seiner Und in was für Widersprüche haben .sich die Zeugen alle Nichtigkeitsbeschwerde! Mit einem erstaunlichen Fleiß, gewissenverwickelt! Hilsner muß sich am Tage des Mordes forthaftester Beachtung jedes Details hat Dr. Nußbaum alles zusammenwährend ^umgezogen haben, da er bald hier, bald .dort gestellt und erörtert, was für.und wider die Schuld Hilsners spricht, ... abwechselnd in grauem, blauem, grünlichem Anzug gesehen worden und wenn man sein Buch durchstudiert hat, muß man sagen, in dem -- isf. und nach den Beschreibungen der Zeugen muß er ein ganzes Falle Klima steht die Schuldlosigkeit Hilsners fast außer Zweifel, in Arsenal von --- Hüten gehabt haben'. Und wenn die Zeugen auf dem Falle Hruza fehlt jeder Schatten eines wirklichen Beandere Zeugen sich beriefen, wie oft gelang da ein unbezweifelbarer weises gegen ihn. In beiden Fällen ist unerwiesen, wann das Beweis des Alibi! * Mädchen, deren Leiche man gefunden hat, ermordet worden ist. Aber was focht das alles die Geschworenen an! Ja, was focht ungewiß wo es ermordet worden ist, ungewiß wie es ermordet das den Staatsanwalt, den Vorsitzenden an! Wenn einem Zeugen worden ist, rätselhaft warum es ermordet worden ist. — Was tut noch so viel Unwahrheiten oder%Unmöglichkeiten nachgewiesen das alles! Die Geschworenen brauchen ja nicht ihr Verdikt zu wurden — für das, was übrig blieb, blieb er doch verläßlicher begründen, und so sagen sie ruhig: „Wir wissen zwar nicht wie, Zeuge, und über die Frage der Wirkung der Suggestion auf die wann, wo, warum sie ermordet worden ist, wir wissen aber doch, Zeugen-schwieg sich der Vorsitzende gründlich aus. So in Kuttenwer sie ermordet hat. Der Jude wird gehenkt!44 berg und ebenso bei der zweiten Verhandlung in Pisek. Da hört aber die Rechtsprechung auf, Rechtsprechung zu sein. ..In -Kuttenberg hatte die Staatsanwaltschaft die Anklage auf die Und schuldig der „Mitwirkung" an einem solchen Verdikt sind nicht Annahme des Ritualmordes gebaut. In Pisek hatte sie sich auf das nur die, die mitgeholfen, die gehetzt und geschürt haben, sondern * Gebiet, des Sexualmordes zurückgezogen. Aber der Geist des Ritualauch alle, die ein derartiges Urteil" auf sich beruhen lassen, wenn mördes hat auch über dieser Verhandlung geschwebt. Wie schüchtern auch nur ein Atom von Macht in Thren Händen ist darauf hinzuist auch dort der Vorsitzeride den steten Ausfälle« der Vertreter arbeiten, daß es umgestoßen wird. der Privatbeteiligten entgegengetreten — genau so schüchtern wie Ich würde sagen, man solle Hilsner hängen, falls er wirklich jener Zeugiii die dem Angeklagten bei der Verhandlung eine Ohrschuldig ist, wenn ich nicht der Meinung wäre, daß man keinen feige antrug und der "der Vorsitzende erwiderte: „Sie müssen sich Menschen hängen dürfe, auch den Mörder nicht, und daß die Todeszurückhalten. Frau Zeugin!" strafe um kein Haar besser sei als der Mord. Aber man soll Hilsner In Kattenberg war Hilsner nur wegen der Ermordung der nochmal verurteilen, wenn ein ordentliches Verfahren seine Schuld Hruza angeklagt worden. In Pisek war die Anklage auch auf die irgend glaubhaft macht! Man darf fedoch einen Menschen nur ver¬ Ermordung der -Marie Klima ausgedehnt worden, einer Magd, die urteilen nach einem ehrlichen Verfahren. Aber das Verfahren in am 17. Juli 1898 verschwunden war und deren Leiche wohl mit Pisek" war so wenig ein richtiges Verfahren wie das in Kuttenberg, dem am 27. Oktober 1898 in einem Walde bei Polna gefundenen Der ganze Prozeß war, soweit es sich um die öffentlichen Organe Skelet identisch sein dürfte. ^Freilich steht diese' Identität nicht außer handelt, eine „Verwirrung", wie Dr. Nußbaum sich schonend ausjedem Zweifel, um so mehr als es auch in diesem Falle an sorgdrückt. Soweit es sich um unser öffentliches Leben handelt, wollen fälligen Feststellungen bei Auffindung un( Untersuchung der Leichenv.-jr getrost sagen, er war eint „Schande-. Die Palästina-Kommission teilt hierdurch den geehrten ' Gesinnungsgenossen, ergebenst mit, daß die Zeitschrift zur wirtschaftlichen Erschließung Palastinas und der Nachbarlinder, die bisher unter dem Namen „Altneuland11 herausgegeben wurde, mit dem neuen Jahre beginnend den Namen »Palästina" führen und zu einem Organ der im Orient tätigen' Jüdischen Kolonisationsvereine und Information** Jbjireaus erweitert werden wird. 5; / .Die Zeitschrift „Palästina" wird in zwanglosen Heften in Gesamtstärke von ungefähr ao Druckbogen Jährlich erscheinen. " Oer Bezugspreis wird a^f Mark 4.— jährlich (pränumerando) herabgesetzt. Die Abonnenten der „Weif* erhalten „Palästina** zum Vorzugspreise von Mk. 3.50 in Deutschland und Österreich und Mk. 3.— im Ausland. - Bestellungen sind an die Expedition der „Welt**, Cöin, Ubierring 33, zu richten.

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