Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 43 (9.4.1839)
- Date
- 1839-04-09
- Page
- Seite 174 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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174 Der zweite Zeuge ttat heran. legte seine Hand auf das Krucisix, und knieete nieder, um denselben Eid zu leisten. In diesem Augenblicke'ließ ein Geräusch sich hören außerhalb des Saales; man könnte eine Stimme unterscheiden, welche schrie: Haltet ein! Haltet ein! Hatte da Jemand einen Blick auf Ben-Joseph' geworfen, so hätte er eine Vorstellung gehabt, wie ein Leichnam sich wieder belebt: denn ein solcher schien Ben-Joseph zu sein. Nur noch daran denkend, das Zeichen zu einem verzweifelten Kampfe zu geben, wo seine Glaubensgenossen nur noch die Aussicht hatten, als Märtyrer zu 'sterben, erkannte er plötzlich die Stimme Gregoire's, feine Hoffnung lebte wieder auf, oder vielmehr er hatte nun die Gewißheit, daß dieser die Rettung Ben-Himmels und Esterka's bringe. — Haltet ein, haltet ein,' Richter! schrie Gregoire, indem er hereinstürzte, die Menge zurückdrängte, und - sich eine Bahn brach, die Angeklagten sind, unschuldig, die Zeugen Erkauft, ich bringe Beweise, unwiderlegbare Beweise' Alle Blicke wandten sich auf die Zeugen, welche zitterten, auf den Pater Martin, welcher erbleichte. Dieser Letztere, um sich den forschenden Blicken der Menge zu entziehen, schneutzte sich mit großem Geräusch, ohne es zu bedürfen. Die Zuhörer wie die Richter waren ermüdet, die Aufmerksamkeit, die sie den Debatten geschenkt, hatte sie mehr erschöpft als eine harte Arbeit. So verschaffte denn die Ankunft Gregoire's, welcher,' keuchend vom Laufe, den Schweiß von der Stirn sich trocknete, und die Sprache wieder zu gewinnen suchte, einen Augenblick Zwischenraum, wo jeder leichter athmete, hustete, sich zurecht rückte; es war das Geräusch eines Zwischenaktes in einem ergreifenden. Drama. — Wer ist dieser Philister, kennet ihr ihn? fragte der Pater Matin den Pan von Wola. ' — Ich kenne ihn, es ist mein Jäger. — Derselbe, welcher plötzlich reich geworden? — Derselbe. — Gut, gut, erwiederte der Pater, und sein Gesichts strahlte von boshafter Freude. Bald war' die Ruhb wieder hergeftellt. Der Kastellan bewilligte Gregoire das Wort. Dieser, da er den Zeugen auf den Knieen bemerkte, die Hand auf dem Krucisix,' redete ihn. an. — Du bist Organist, Du, dein Name ist Valentin! Der erstaunte, erschrockene Zeuge antwortet zitternd: Ja, ich bin Organist, ich heiße Valentin. — Du hast gegen die Angeklagten gezeugt, du hast gesagt, daß dp den'Mord des Kindes gesehen?. . - Ja. ... - ■ ■ — Und du hast diese falsche Aussage mit einem Schwure bekräftigt? — Nein, nein, meine Frau .... ich, ich habe nicht geschworen. — Aber ich sehe dich auf den Knieen, die Hand auf dem Kreuze; wenn hu das Verbrechen begangen, so bist du bereit es zu begehen. Der Zeuge antwortete nicht; da wandte sich Gregoire zum Kastellan, und fuhr fort: — Nehmet seinen Schwur nicht an, meine Herren, Ihr sehet, ohne 'hier gewesen zu sein, weiß ich, was vorging; ich will sagen, wie. Seine Majestät hatten mich zum Richter bestimmt; aber da viele Thatsachen, die mit. der traurigen Begebenheit, .welche die Angeklagten hierher geführt, in Verbindung stehen, mir bekannt'Md, so habe ich der Ehre Richter zu sein, die Pflicht als Zeuge vorgezogen. Zuerst, meine Herren,, das vorgegebner Maßen gemordete Kind ist todt geboren, seine Mutter wird es bestätigen, ich, sein Vater beschwöre es. — Ihr seid ja nicht verheirathet, sagte der Pater Martin ironisch. — Nein, mein Herr Pater, ich bin noch nicht verheirathet, und die Mutter dieses Kindes ist noch nicht meine Frau. Aber weder ich, kroch sie, werden, um unsere Fehler zu verbergen, durch ein verbrecherisches Stillschweigen, Unschuldige veruicheilen lassen. Ich sage noch mehr: wenn wir verheirathet gewesen, -so hätten die Elenden, welche sich zum Untergange der Juden verschworen, nicht den Leichnam eines .Kindes gefunden, um ihrer verleumderischen Anklage einen Grund zu schaffen. — Fahret fort, fahret fort! sagte der Kastellan, und ., wollte damit sagen: unterbrechet nicht, Pater Martin. — Ihr. wisset es demnächst, die Mutter dieses KindeS ist nicht verheirathet. Es ist ünnöthig. Euch zu erzählen, wieso, trotz ineinem innigsten Wunsche > ich bis zum heutigen Tage meine Hand und meinen Namen diesem Weibe nicht geben konnte; wollte Gott, daß diese Hindernisse bald' verschwänden. - (Fortsetzung folgt.) Redacteur: vr. L. Philippson. — Derlag von Baumgartner» Buchhandlung. — Druck von Z. B. Hirfchfeld.