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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-04-06 · Heft 42 (6.4.1839) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 42 (6.4.1839)
Date
1839-04-06
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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HI. Jahrgang. IllLgemeine ::(SR" No. 42. ©in impartheiisches Organ für alles jüdische Interesse (Mit, König,. Sachfifckier av-chnadigsttr Lsnceffion.) ....... Leipzig, den 6. April 1839. ♦ ZeitunsSnachrkchte«. München, 15. März. (Prkvatmitth.). Der Parteienkampf wird immer heftiger und erbitterter; denn viele Umstände vereinigen sich, um alle Interessen, die dabei betheiligt sind, zu wecken und zum Kampfe zu-fordern, so daß der Kämpen und Streiter immer mehr und mehr werden. Vorerst sind es-die verschiedenen Ansichten, deren Anhänger und Vertreter vortreten, und geLenseitig die blanken Waffen zeigen; jeder Schritt, der von einer oder der andern Partei offensiver oder defensiver Welse geschieht, wird belauert, bespionirt, bemessen, und bis in seine äußersten Folgen berechnet; mit ängstlicher Genauigkeit, die alle gegebenen Blößen und Schwächen erspähet, wird jedes geschriebene und gesprochene Wort gedeutelt, und weil die Ideen,/als unkörperliche Begriffe und Fiktionen sich nicht anfeinden) nicht angreifen und nicht bekämpfen lassen, so muß sich die gegenseitige Abneigung, das schnu,rstrakse Zuwiderhandeln gegen die Personen wenden, und, wie es sich gar bald zeigen wird) zu gehässigen Persönlichkeiten führen.' Um diese.gar bald zu Tage zu fördern, -wird leider! dieser unselige Zwist und.Streit zu lichten Flammen aufgeblasen in einer. Zeit, wo es sich eben um die Besetzung, der erledigten und neuzuorganisirenden Rabbinate' handelt. Jetzt; will die Hyperorthodoxe Partei durchdringen mit ihren Ansichten und mit ihren Absichten;- jetzt will sie Männer, die nur..ihrer Farbe angehören und ganz auf. ihre Grundsätze schwören, protegirt, gewählt und angestellt wissen,, und dabei wird von der. offen und frei ausgesprochenen Ansicht ausgegangen: Jeder und Jeglicher,- der studirt habe, müsse ihr Gegner und ihr Feind sein, und da man doch seinen'Feind nicht ohne Abwehr - und Gegenwehr neben sich gewahren lassen kann, so läßt sich's mit. gar wenig Logik erschließen, was alle jungen .Theologen, - die, der Aufforderung. des Staates zufolge, den Studien oblagen, zu hoffen haben/ welche Früchte sie ' von ihrer mühevolldahingebrachten Studierzeit erwarten dürfen. - ' - . Dadurch.wird der Streit, der ein heiliger, gottgeweihter,' ein' r-iSivD. trat» üth sein sollte , ein irdischer, kleinlicher, em Streit um das tägliche Brot, um das 'dürftige Einkommen, die verschiedensten, heiligsten und erhabensten, kleinlichsten und unwichtigsten Interessen sich' begegnen und durchkreuzen. Ist das des Menschen Fluch im Allgemeinen, der Saame und Ke'im zu den unseligsten Erscheinungen in der großen Weltgeschichte,- daß. der Mensch sich überall das Geistige in das Irdische, den Kern! in die Schale, den Inhaltin die Form sich verkehrt, so zeigt sich uns hier dasselbe Ereigniß, daß dem Streite der verschiedenen - Religionsansichten das kleinliche Lebensinteresse unterschoben, und ihm dadurch ein großer Theil seiner heiligen Erscheinung entzogen wird. Dazu, kommt noch die nothwendkge Folge, daß Männer von Ehre, junge Theologen, die begeistert für ihren Glauben und ihre Religion, entflammt .für die Lehren, die sie einst predigen und vertheidr'gen sollen, ausgerüstet mit allem edlen'Eifer und angethan mit aller Liebe zu den h. Schriften und Werken, die ihre Nationalliteratur von den frühesten bis auf die spätesten Zeiten herab ihnen als heiliges Erbe, und Vermächtniß frommer Väter überreicht , ohne Grund und Ursache, bloß auf unbegründetes Mißtrauen hin, den Stab über sich gebrochen sehen, und sich als irreligiös, heuchlerisch, neologischen Gesinnungen huldigend verschrien und verdammt wissen sollen, und daß, weil sie im Bewußtsein ihres frommen gottgefälligen Eifers diese üble Nachrede nicht auf sich liegen lassen können, zu einer Opposition getrieben werden, die sie nicht wünschen und nicht wollen, und die sie doch ergreifen müssen, weil den Mem schen nichts tiefer kränkt, nichts mehr' schmerzt, nichts mehr 'wehe thut, nichts inniger grämt, - als im heiligsten, iy der 'göttlichen Religion sich verdammt zu wissen. Ich weiß es wohl, wie diese.lieblose 'Harte -entschuldigt wird, wie als Deck- und Schützmantel für diese keineswegs ehrenvolle Gesinnung 'das frühere, barsche Auftreten mancher Rabbinenbesonders in unserm bairischen Vaterlande gebraucht wird; indessen wer weiß es nicht, daß die Zeit des Ultraliberalismus um ist, daß die Zeit um ist,-wo ein Rabbine bloß nach eitler Laune und selbstgefälligem Dünkeh abschaffte, einrichtete und anordnete, wie es ihm beliebte, und daß man-für jeden Schrittden man wagt und 'den man thut, zur Freude aller Frommen und Gläubigen vor . das Forum der Oeffentlichkeit zur.Rechenschaft gezogen wird? Mer sieht es.nicht ein, daß die Schritte, die man in der ersten * Hitze des Aufräumens und Aufsauberns wagte, zu einem Extreme führen''mußten) das allem Glauben und aller Religion ein Ende macht? Das fühlt jeder, der die Zeit, beachtet,; in der er lebt; das beherzigt jeder, der den Puls der Gegenwart fühlt und erkennt, daß sein fieberhaftes Zucken und Zittern zu Ende geht, und ein regelmäßiger, 'gesünder Schlag wieder zurückkehrt; das'glaubt jeder, der bedenket und den Grund zu erkennen sich bemühet, warum das 'Judenthum "diese gewaltige Gährung hi sich selbst erfahren, und es sich zu gestehen waget, Etwas müsse doch die

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