Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-03-30 · Heft 39 (30.3.1839) · p. Seite 40

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 39 (30.3.1839)
Date
1839-03-30
Page
Seite 40 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3225013-3225053--01753-3315661
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

40 welche das Judenthum bis heute gegangen, nackweist und zum Versiändmß bringt, laßt sie das Wesentliche und Unwandelbare an ihm schauen. Wenn aber schon in der Geschichtsschreibung anderer Völker es ein großer Fehler des vorigen Jahrhunderts war, die Geschichte des äußern Völker- und StaarenlebenS von der des innern zu sehr zu trennen , und jenes. fast allein berücksichtigt zu haben; wenn es in der Geschichtsschreibung jeder organischen Gestalt der Geschichte es darauf ankommt, den Jncidenzpunkt, wo alle Raoien seines Lebens Zusammenkommen, zu treffen: wie nun .erst in der Geschichte eines Volkes, bei welchem das politische Dasein nur eine sehr unwesentliche Unterlage für das geistige, religipse war, so daß, als das erstere fast ganz zur Null geschwunden, das letztere erst recht zu einem großen, vollpulsigen Wesen ward! Da kann eine selbst pragmatische Aufzahlung der äußern Data und Fakta alles andere fein, nur nicht eine Geschichte, da kann die Kenntnißnahme der wechselnden, außerenvVerhaltniffe alles andere sein, nur nicht die Geschichte. Da müssen die inneren Evolutionen jenes geistigen, religiösen Lebens den eigentlichen Kern bilden, wie sie es in. der Wirklichkeit waren, um eine Geschichte zu geben. Wer da nicht im. Stande ist, mit befruchtender Geisteskraft den allgemeinen Beruf dieses Lebens, den Charakter seiner verschiedenen Momente, seine Stellung zur Weltgeschichte, die aus diesem hervorgehenden Verhältnisse seiner Zeiten, nicht blos in einigen Phrasen, sondern in der scharfen Durchdringung seines ganzen Verlaufes, zu erfassen: der bleibe entfernt davon, der versuche nicht, seine schwache Hand an das mächtige Werk des Geschichtsregenten zu legen. — Wir wollen gerecht sein. Wie Alles seine Entwickelun'gsphasen hat, so auch die Geschichtschreibung. Und diese Phasen bleiben sich überall gleich. Haben wir im Zeiuach David, im Sed. Hador. ff. magere aber kindlich-ergreifende Chroniken, so mußte auch die zweite Phase der Geschichtschreibung, j)ie der Fakten- und Datensammlung und Sichtung durchschritten werden, und wir wollen auch dies ^Verdienst herzlich anerkennen'und würdigen. Aber nun ist es Zeit, weiter zu gehen, und an der Hand einer schöpferischen Geschichtsphilosophie bfe Geschichte Israels zu der Höhe eines lebensvollen Gestaltens zu heben, die es ihrer Wesenheit nach einnimmt. Einfach: die Geschichte Israels, wie sie, bis jetzt bearbeitet worden, hat gerade den entgegengesetzten Erfolg, den wahrscheinlich die Bearbeiter im Auge hatten. Wenn wir sie durchschritten, können wir beim^ besten Willen, höchstens zu der Anschauung kommen: wie doch bei den schärfsten Zersetzungsprocessen, wie doch bei dem mächtigsten Drucke ein geistiges Dasein sich erhalten und bewahren könne! — Höchstens schließt sich dann die Hoffnung daran, daß die neueren, äußeren wie inneren Bestrebungen eine Rehabilitation bewirken möchten!-Ist aber das Alles?- Kann daraus irgend ein bedeutender Impuls hervorgehen? Beantwortet dies eine der Lebensfragen, welche wir an die Geschichte überhaupt und an die Geschichte Israels insbesondere zu machen haben? Ist damit auf erschöpfende Weise gezeigt, warum und wodurch sich dieses Dasein gerettet und wpzu?. Warum und wozu es diese Verhältnisse durchn^gchrw mußte? .Wo per Punkt des Zusammentreffens.dieser .äußeren Erscheinungen mit seinen inneren liegt? Welcher Charakter es dahinein bringen, und welcher es wieder herausziehen mußte? Was aus diesen Kämpfen als bleibendes! Resultat erzielt ist , und was. davon als. Wegfall? Und so weiter. Die Geschichte Israels ist, nach der bisherigen Behandlungsweise, nur ein traurig ödes Feld menschlicher Erniedrigung -— und sie könnte« doch und -sollte eine üppig wuchernd^ Flur Menschlicher Geisteskraft und Gewalt sein: ' daß nirgends so, wie hier daS Ringen des'Geistes mit dem. Gesellschafts-Stoff, das Durchzucken, und.Durchglühen .des Glaubens ^uno oer Ueberzeugung. durch die.materielle Masse des. Lebens — in gewaltiger Darstellung sich, offtzpharenr -. Ein, Werk über die Geschichte Israels. .kann entweder, , die kritische^Bearbeitung,' vom, Standpunkte. - der Wissen-- schüft, oder .die belehrende Lektüre.für gebildete Glauoens-, genossen, oder endlich den Unterricht in den, .Schulen, zürn Zwecke haben. In allen dreien aber, muß jener,oben bezeichnete Standpunkt, eingenommen tyechejr,. weil abfeiten von ihm. das Leben und die Wahrheit-fehlt,., wenn, auch deo eigenlhümliche Zweck die Bearheftuhg rWdjsi'ziren muß. .Hat- Her Geschichtsvor.lrag in den Schuten n.icht blos. den Zwecks die Schüler mitden Umrissewsder .äußern:Geftl)ehnisse unsrer Glaudensgenossenschaft. bekannt zu machen, sondern m; ihnen zugleich Belobung, für, die religiös-.sittlichen Zwecke Israels, eine tieft Ueberzeugupg für die Wahrheiten unsres Glaubens und. die Wallung der Vorsehung über denselben in die jugendlichen Gemüther zu schaffen: so muß dem auch, durch den Lehrer, wie durch daß in die. Hände der Schüler zu gebende Schriftwerk Genüge geschehen.. , , : Die erste der beiden hier, anzuzeigenden Schriften hat allerdings das Verdienst, auch zuerst , für das. längst, gefühlte Bedürfniß eines Schulbuches für die Geschichte Israels gesorgt, zu haben; das., zweite befleißigt sich der nothwendigen Kürze und Gedrängtheit zu diesem Zwecke, und giebt außerdem eine Beschreibung Palastina's, die um so mehr Bedürfniß ist, je mehr die christlichen Schulbücher dieser,. Art vom christlichen Standpunkte ausgehen, .und nur die Beschaffenheit Palastina's zur Zeit des Stifters der christlichen Religion behandeln. - Bei.de aber ermangeln eines hohern Gesichtspunktes, von welchem die. Geschichte Israels allein zweckgemaß bearbeitet werden kann; beide, beschränken sich auf ganz äußerliche Eczahlhng der politischen. Begebenheiten Israels, wozu die zweite hie und da noch , einige literarhistorische Notizen fügt. Beide sind daher, in dieser Beziehung noch mangelhaft zu nennen. Man mache uns nicht den Einwand, daß derartige. Leitfaden nicht -Raum für Entwickelpnö. etwaiger philosophischer. Betrachtungen haben, diese sind eß: quch nicht, welche-w>r fordern.. Arbeiten, wie W achter's Lehrbücher haben bewiesen, daß nicht die Breite die Tieft und den Geist ausmacht. Die pekuniären Mittel, die der jüdischen. Literatur ^» Gebote stehen, sino gar^ gering und man muß. daher-.sparsam mit ihnen umgehen. Wer« ein Buch, gekauft hat, pflegt das zweite nicht anzuschaffen. (Fortsetzung folgt.), Redgeteur: vr. L. Philippsou. — Versag von Baumgartners .Buchhandlung^ — Druck von Z. 1B. Hirschfeld.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.