Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 38 (28.3.1839)
- Date
- 1839-03-28
- Page
- Seite 154 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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154 brannte sie , und streute ihre Äsche in den Wind. Ihr wisset dieses Alles, meine jHerren, besser als ich, denn es ist die Geschichte der Väter Eurer Kirche. Man hat sie auf die Tortur gespannt, geopfert, gemordet, ünd doch, ist es wahr, daß Euer Gott Euch befiehlt, unschuldige Kinder zu. morden? O nein! das war eine Lüge der heidnischen Priester, eifersüchtig und neidisch auf eine Religion, welche weder ihr Änsehn, noch ihre Heiligkeit anerkannte. Was damals vorging, erneuert sich jetzt aus derselben Ursache. Von der .einen Seite ist es dieselbe Unschuld; von der andern Seite derselbe Ehrgeiz,' derselbe Haß, dieselbe.Eifersucht, dieselben Anschuldigungen, dieselben Zeugen. — Von wem maßt Ihr euch an zu sprechen? fragte der Pater Martin. , ,, , * Von Euch, mein Herr Pater. In dem Augenblicke, wo unser Schicksal sich entschied, in dem Augenblicke, wo die Richter zu entdecken suchten, ob wir schuldig oder unschuldig seien, habe ich Euch beobachtet, habe ich.Euch nicht aus den Apgen gelassen. Ich habe in Euren Blicken, in euren Geberden, in euren Unterbrechungen den ganzen Haß gelesen, der Euch belebt, und Euren glühenden Wunsch, uns verurtheilt zu sehen. Wer seid. Ihr, und wozu kämet Ihr in diesen Kreis? Ihr seid kein Richter, Ihr seid kein Zeuge. Wenn Ihr hier seid, um Eure Reugierde zu sättigenwarum seid Ihr nicht still wie Männer, die höher stehen als Ihr, und die dasselbe. Interesse an dem Triumphe-Eurer Religion haben? Indem sie dieses sagte, warf sie einen Blick auf den Bischof von Krakau. (Fortsetzung folgt.) Auszüge. Aus des Herrn Salvador's neuestem Werke. Mit B(tu er k ungen. (Fortsetzung.) , Au -dieser Beit drang vermittelst der Zerstreuung der Juden durch Babylonien der hebräische.Jdeenstoff mit seiner unbesiegbaren Macht bis zu den äußersten Gränzen des Morgenlandes, und erlangte einen enormen Einfluß; gegensätzlich aber reagirten die orientalischen Dogmen mir aller ihrer Macht auf das Werk Mofiö, der sie verworfen, und. .vermählten sich mit de.m geheiligten Text der Juden durch eine JnterpretationSmethode, auf die wir zurückkvmmen müsien. Salvador weist nun den Einfluß Daniel'S aufZoroaster nach. Die Juden überzogen aus dieserJdeenmittheilung: Die Geschichte■ der guten und bösen Engel, ihre Namen, ihren Sturz, ihre Känzpfe, die Theilung ihres Reiches auf der Erde, in der Luft über dre sichtbaren und. unsichtbaren Dinge; die Theorienüber die Bildung der Welten, unter diesem Symbolen verborgen (Kabbalisten), die Glaubensmeinungen über die Persönlichkeit, die Wanderungen und die Wechsel der Seelen nach diesem Leben, und, in erster Linie, die körperliche Auferstehung der Todten, ihr Gericht, ihre Ewigkeit. — , . Dieser Umstand muß bei der Beurtheilung der später, nach der Rückkehr entstandenen Schulen in Palästina wohl erwogen werden. ■ Nachdem die Herrschaft der Römer auf die heftigen Angriffe des griechischen und syrischen Heidenthums durch Anlivchus folgte,' Herodes den Sitten der Fremden auf Kosten der jüdischen Nationalität immer mehr Eingang verschaffte: mußten die Lehrer zu Jerusalem, zur Vertheidigung der Nation und des Gesetzes dien Eifer der äußern Praktik immer mehr erhöhen, und eine Anhänglichkeit an den Buchstaben des Gesetzes befördern; sie wollten die einheimischen und zerstreuten Juden durch ein-immer fühlbares Band an die Lehre gefesselt halten, bis der verheißene Befreier, indem er dieser die ewige Herrschaft sichert, jenes unnöthig machen und ausiösen würde. Dieö war die pharisäische Schule, welche so viele Ungerechtigkeiten von Seiten der christlichen Kirche erlitten, obschon diese ihr die tüchtigsten Kämpfer im Anfänge, und jene religiöse Bewegung, welche sie in vielen Gegenden der Erde angeregt hatte, verdankte. Diese Schule war der Mehrzahl des Volkes in ihrem'Bedürfnisse angemessen ihr gebührt die Ehre, das jüdische Volk erhalten zu haben. Sie gab dem Judenthume eine neue und unbegränzte Ausdehnung; sie bekannte, ^obschvn im Einzelnen unter verschiedenen Abweichungen, die persönliche Fortdauer der Seelen und die'Auferstehung der Todten. Diese Schule führte zugleich ihre Traditionen und alle Forderungen, welche ihre Mehrheit mit legaler Kraft bekleidete, auf MoseS zurück. — Die Saducäer fetzten im Gegenteil die positive Gerechtigkeit des Gesetzes, seine reine und einfache Ausübung über alle äußere Praktik. Sie verwarfen alle Traditionen der Pharisäer als eine beständige Quelle des Mißbrauches und als fremde Zusage. Sie verwarfen das Dasein der Geister und Engel, und erklärtendie betreffenden Stellen in der heiligen Schrift als Eingebungen Gottes; sie verwarfen dies als Vielgötterei. Sie verwarfen die persönliche Fortdauer der menschlichen Seelen und Körper. Sie nahmen nur eine fortschreitende Vervollkommnung der Menschheit bis zu dem Zeitpunkte an, wo das Böse seinen letzten Einfluß auf der Erde verloren haben wird. Sie verwarfen jeden Fatalismus, und ließen im ausgedehntesten Sinne die wesentlichen Ursachen unsres Glückes öder Unglückes von uns selbst abhängen. — Salvador führt nun das Entstehen des Instituts der Essäer auf die syrischen Einfälle zurück, und macht auf ihre Blüthe gerade zur Zeit des Herodes aufmerksam. Ihr Element war die moralische Vervollkommnung, wie sie vom Gesetze därgeboten wird. Gleichheit der Güter, Arbeitsamkeit, Keuschheit, Erziehung von Kindern, Mäßigkeit, Treue im Worte ohne Schnrur, Verschwiegenheit, dies waren die Gegenstände ihrer Bestrebungen. — Außer diesen palästinensischen Schulen wirft Salvador noch einen 'Blick auf zwei außerpalästinensische: die Therapeuten und Hellenisten. . ' . j Die Therapeüten, deren Name von der Heilkunde der Seele und dem ascetischen Kultus (ß-e^anevoj) herrührt, bildeten in Aegypten einen religiösen Orden, in den herrlichsten Gegenden um Alexandrien, der Beschaulichkeit, der Einsamkeit und der Ehelosigkeit (Cölibat) gewidmet, unter Abschaffung jeder Art von Sklaverei (wie auch die Essäer.) Ihnen gehörten auch die Kabbalisten an, welche sich den mysteriösesten Spekulationen über die Natur und den Mechanismus des Weltall'S uberließen, wohl zu unterscheiden von den Adepten der praktischen Kabbala. — Die hellenistischen oder alexandrinischen Juden aber hatten zum Gegenstände, die unterrichteten Männer fremder Völker in die Weisheit der heiligen Schrift einzuweihen. Zu diesem Zwecke suchten sie die hebräischen Grundsätze von der Mehrzahl der nationalen und lokalen Bedingungen loszulösen, Beziehungen zu den Lehren anderer Völker'nachzuweisen,- und die riefe Moralität ihrer Gesetze den wahrhaft unmoralischen Tendenzen der damaligen Zeit gcgenüberzustellen. Hierher gehört die Septuaginta, hierher Sirach, der den Evangelisten den großen Dienst einer fast vollendeten Redaktion der moralischen Grundsätze, '.deren sie sich in ihren Schriften bedienten,- leistete, hierher Aristobul und vor Allen — Philo.; \ (Fortsetzung folgt.) Redacteur: vr. L. Philippfon. — Verlag von Baumgartners Buchhandlung. — Druck von I. B. Hirfchfeld.