Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 38 (28.3.1839)
- Date
- 1839-03-28
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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hi. Jahrgang. AllAemeine No. 88. Zeitung des Zudenthums. Ein impartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. (Mit Königl. Sächsischer allergnädigster Conceffion.) Leipzig, den 28. März 1839. Zeitungsnachrichten. . Petersburg, 20.Febr. In dem hiesigen Wochenblatt ist von. dem regierenden Senat eine Verordnung erschienen, welche eine für die israelitischen Glaubensgenossen allgemeine, bei gerichtlichen Verhören abzulegende Eidesformel enthält. Sie ist folgenden Inhalts: „In Gegenwart des Allerhöchsten, und nach dem Willen des Beth Din (Gerichtes) und der Obrigkeitspersonen, die mich zum Eide auffordern, schwöre ich im Namen des lebendigen Gottes, dem Gotte Israels, daß^ich verpflichtet bin, Alles zu offenbaren, warum ich nur irgend von der Obrigkeit gefragt werde, auch die reine Wahrheit zu sagen, ohne etwas zu verhehlen, und unter keinem Schein eine Unwahrheit' gegen mein Gewissen zu sprechen; sollte ich hingegen durch eigenen Antrieb oder Au« reden Anderer den jetzt leistenden Eid brechen, so bin ich ein Abtrünniger meines Glaubens, bin nicht werth,-ferner ein Jude zu heißen, und dann möge der Fluch auf meine " Seele fallen, zugleich aber auch die Strafe Gottes meine gaüze Familie treffen. Amen." Ztg.) Metz,-10. März. (Privatmitth.). Da die AUg. Atg. des Iudenthums die Refocmbewegung unter den Israeliten Frankreichs, die sich an den Namen Tsarfati einmal geknüpft, ' auch in Deutschland zur' Sprache gebracht hat, so werden Sie wohl folgendem, weiterem Berichte einen Raum gestatten. In No. 93 v. I.' wurde bereits eiw Circulair einer hier delegieren Synagogenadministration mitgetheilt, gegen welches sich im 6ourrier de 1a Moselle No. 81 ein Israeiite messin de la rue Yieille-Trappe bitter, erhob, indem er den aufgelegten Beitrag verweigerte, die herrschenden Unangemessenheiten in der Synagoge geißelte, und. zugleich viele alte Institutionen, als mit dem Geiste der Neuzeit nicht mehr übereinstimmend mit Heftigkeit angriff. Die Erwiderung von Seiten der Mitglieder des Consistoriums war nicht minder heftig, worauf jener in- No. 83 des gedachten Blattes antwortete. Abseiten eines ärgerlichen Streites über den Iahrgehalt des Groß-Rabbinen, den wir hier nicht ausführen mögen, kömmt er-besonders noch einmal auf das Col-l pidre-Gebet zurück, welches er, zugebend daß es dem Grunde nach ziemlich unschuldig ist, dennoch im Mißbrauchet als eine tiefe Quelle der Immoralitat anschwarzt. " Alsdann bespricht er die Befchneidung, und behauptet, einen Sohn durch dieselbe verloren zu haben. Auf seine deshalb erhobenen Klagen, habe Man einen Peritomisten von Metz einige Unterrichtsstunden bei einem Chirurgen nehmen lassen, allein wenn nun dieser abwesend, wenn er krank ist? — Noch einmal kommt er zurück auf den Sabbat hagadol, auf die Mizwotversteigerung, und schließt, daß, die nöthigen Verbesserungen von der Synagoge zurückhalten/ nichts anders hieße, als früher oder später die Thoce der Kirche offnem Diesmal unterschrieb er sich . mit feinem Namen: Aug. Terquem. — In der No.90 tritt nun der Herr Tsarphati in Paris, selbst auf den Schauplatz., In einem Schreiben an den Redakteur vom 18. Juli erklärt er den Grund, daß die Synagogenreform so geringen Anklang bei. den Israeliten in Frankreich fände, dahin, daß der überall vorherrschende Indifferentismus die Nothwendigkeit derselben nicht fühlbar mache. „Der Mensch ohne Religion, sagt er, begreift nicht die Nothweüdigkeit, ein Gut zu verbessern, welches er verloren hat,, welches ihn nicht mehr interesskrt." „Die Gleichgültigkeit des unterrichteten Israeliten ist, ein viel schwierigeres Hinderniß als der blinde Eifer des unwissenden Juden." Er beruft sich hierauf auf die Baierschen Gemeinden, welche Col nidre abgeschafft; erberührt den Streit der fünf Geonim, welche sich seiner Einführung widersetzten, gegen den einender es.eingeführt haben wollte. Er citict die Erklärung der'Rabbinen, daß es sich durchaus nicht auf Verbindlichkeiten gegen Andere beziehe, fragt aber, ob dies die Masse wisse?*) und erklärt sich so für Terquem. — In No. 121 des 6. de la M. (vom 9. Okt.) finden wir nun abermals ein langes Schreiben des Herrn Tsarphati, welches einen andern Gegenstand berührt. In Metz bestand eine alte Gesellschaft für die Todtenreinkgung (Tahara), die es sich zum Gesetz gemacht, Niemanden anders als den Leichnam derer, welche orthodox gelebt haben, abzuwascheü. Gegen diese hatte das Consi'storium unter dem 24. Aug. einen Erlaß gegeben, wodurch es sie der Intoleranz zeiht, und eine Umgestaltung der Gesellschaft fordert. Tsarphati erhebt sich nun gegen dieses Circülair, und sucht es mit bittevm Witze lächerlich zu machen. Er erklärt dem Abwaschen der Tobten-und den Gebrauchen beim Sterben, die er heidnisch findet, den Krieg. Er behauptet, daß weder in der heiligen Schrift, noch jm Talmud, in den Arba Turim, im Schulchan Aruch, des Abwaschens der Tobten Erwähnung geschieht, daß es nur ein ekngeschlichener Gebrauch sei. Er erklärt, daß er in. seinem.Testamente alles, dies verboten habe, und fordert andere .denkende Israeliten °) Im Hamburger Tempel ist Col-nidre bekanntlich abgcschafft, und ein andres paffendes, hebräisches Gebet'dafür'eingeschaltet. Red a kt.