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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-03-26 · Heft 37 (26.3.1839) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 37 (26.3.1839)
Date
1839-03-26
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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iii. ZahrtMg. Mlgemeine No. SV Z eitimg -cs Zu-enthums. Ein 'unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. (Mit Kömgl. Eächyscher avergnädkgster Lonccssion.) Leipzig, dm 26. März. 1839. Zeitungsnachrichten. Hamburg, 10. Marz. Im Franks. Jourm vom 4. Marz und nach ihm in der Hamburger Neuen Zeitung vom 9. März liest man von hier aus unter obigem Datum folgenden Artikel: „Der Kampf zwischen dem Repräsentanten des mittelalterlichen, asiatisch-rabbinischen Judenthums, Hrn. Rabbine Hirsch in Oldenburg, und denen, welche ein mit der Wissenschaft und europäischen Civilisation vereinbares, gereinigtes Judenthum herbeiführen wollen, der. seit einiger Zeit in Broschüren und einigen Blättern geführt wird, ist für den, der es aufrichtig mit der Wahrheit meint, schon' aus dem Gründerin unerquickliches'Schauspiel, weil Herr Rabbr'ne Hirsch es mit Gegnern zu thun hat, die entweder, wie mehrere der achtungswerthesten wissenschaftlich gebildeten Rabbinen, vermöge ihrer Stellung und der Beschaffenheit ihrer . Gemeinden,-ie Wahrheit nicht sagen dürfen; oder, wie die Herausgeber einiger' Älätter, aus schriftstellerischen Interessen nicht sagen wollen. Während demnach Herr Hirsch mit allen Waffen, die ihm blinder Glaube, Herkommen und Fanatismus an die Hand geben, seine Gegner bekämpft, dürfen diese von den Waffen der Wissenschaft und Vernunft Leinen Gebrauch machen. Herr Hirsch geht nämlich in seiner Darstellung bcö Judenthums überall von der Voraussetzung aus: es giebt. neben der heiligen Schrift eine von Gott art Moses mündlich mitgetheilte Lehre und Erklärung der Schrift, und diese ist im Talmud enthalten. Die Wahrheit aber, von der alle Männer, denen ein Urtheil zusteht, mit.sehr wenigen Ausnahmen, überzeugt sind, ist die: daß diese angeblich mündliche Lehre Satzung asiatischer Rabdinen, und mehr als dreizehn Jahrhunderte nach Moses entstandet und dem Volke nach und nach aufgedrungen worden ist, und, daß eine Erklärung der Schrift, die ohne , alle Rücksicht' auf Grammatik'und Wortbedeutung- 'auf Logik und'Geschichte, dieselbe eine Sprache reden laßt„Dls wollte sie die Menschen vorsätzlich irre.führen, dg sie ganz andere Dinge sagt, als sie, nach dieser Erklärung, sagen will; die dem zuverlässigsten historischen Thatsachen widerstreitet, und> die Gottheit als ein körperliches, menschliche Handlungen verrichtendes Wesen darstellt, eine unwahre sein muß und keine Autorität haben darf. Es ist Zeit, das Volk in' einer allgemein faßlichen Darstellung über diesen so hochwichtigen Gegenstand aufzuklären und ihm die Wahrheit nicht langer zu verschweigen, und wir haben Grund zu hoffen, daß Männer, die kein rabbim'sches Amt bekleiden, zum Wohl ihrer . Glaubensgenossen dieses Werk übernehmen werden." ' Die Redaction dieser Zeitung sah sich hierauf zu folgender Erklärung veranlaßt: „Es ist .seit einiger Zeit Sitte geworden, allen denen, welche einem radikalen Umstürze des Bestehenden im Jüdenthume nicht ein bejahendes Kopfnicken zuschütteln, ohne daß sie den ultramonkanen Reactionen huldigen, allen denen, welche mit Wissenschaft und Bildung dem historischen Judenthum nicht den Vernichtungskrieg erklärt haben,. sondern es in Wissenschaft und Bildung historisch fortführen wollen, egoistische Motive unterzulegen, und sie bald in den Zwangsjacken fanatisch se-kn sollender Gemeinden,' bald in den Fesseln egoistischer Interessen darzustellen. Wir wollen diesen Artikeln nicht die Larve abceißen, aber-jedenfalls erklären wir sie für ehrenrührig und injuriös, und fordern die obskuren Abfasser zu Beweisen auf. Sind diese Letzteren, wie wir nicht glauben, christlichen Glaubens, so fragen wir sie, ob sie die Ansichten jener wissenschaftlich gebildeten Rabbinen so genau kennen, daß sie mit Bestimmtheit sie als Heuchler ihres Brodes wegen bezeichnen dürfen? Sind sie. Juden,' nun, so fällt die Schande auf sie selbst zurück, daß sie mir nichts, dir nichts, ohne irgend eine, begründete Fassung des Gegenstandes die Hervorragendsten ihrer Glaubensgenossen als Feiglinge, Schwächlinge und Egoisten brandmarken. Wir mögen hier nicht weitläufig ausführen, wie schief und schielend die aufs Extreme gestellte Darstellung der' Streitlage im gedachten Artikel ist, wie vielartige Zwischenfalle zwischen dem Radikalismus und dem von lhm um- . rissenen rabbinistischen Systeme nicht allein, möglich sind, sondern wirklich bestehen: wir wollen Nur daran erinnern, daß augenblicklich die Streitsache des Herrn Hirsch eine ganz andere ist, daß er seine' Gegner als Parthel anerkennt, aber nicht will, daß sie sich öfters unbegründete Interpretationen des'Talmuds selbst erlauben: und diesen Diskussionen muß doch wohl der. Radikalste das Wort gestatten, oder es ist mit Wissenschaft und Kritik zu Ende! Man bemerke wohl, daß in dem vorliegenden Artikel auch die Allg/Ztg. des Judenthüms incriminirt wird.' Die hämischen Hasser scheuen sich nicht, den wahrhaften und überall hervorleuchtenden Zweck derselben: einer jeden bedeutsamen Ansicht rm Judenthume die Aussprache zu gestatten, um so allgemeine Kenntnißnahme der Sachlagen und die möglichste Vermittelung zu erwirken — zu mißhandeln und ihn als „schriftstellerische Interessen" zu bezeichnen. ' Wir halten' es für unwürdig, hierauf ein

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