Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 33 (16.3.1839)
- Date
- 1839-03-16
- Page
- Seite 31 (sequence 7)
- Language
- German
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31 Einwilligung aber hätte für mich eine Folge, woran ich damals nicht dachte. Indem ich den. philologischen Kenntnissen, die Sie bei Ihrer Arbeit leiteten, sowie Ihrem gewissenhaften Benehmen, die Bibel nach ihrem wahren Geiste auszülegen, das wohlverdiente Lob widerfahren' ließ, erlaubte ich mir auch in jenem' Briefe zu bemerken, daß die neue von Hcn. Cahen unternommene Uebersetzung der Bibel eine der Ihrigen entgegengesetzte Tendenz zu entfalten' scheine, indem seine Arbeit, wie ich sagte, uns verleiten kann, die Grundsätze unsers Glaubens abzulaugnen, und alles umzustürzen, was bei uns als recht und wahr angenommen wird. Ueber diese kritische Aeußerung, die in der That auffallend und hart erscheinen muß, so länge sie nicht gehörig erläutert und mit Gründen unterstützt wird, beschwert sich nun Herr Cahen in dem Vorworte zum neunten Bande seiner Bibel, und spricht sich hierüber folgendermaßen aus: „Diese höchst schwere Kritik beruht zum Glück „blos auf einem Jrrthum. In der rationellen Exegesis, „die wir angenommen haben, erblickt der Verfasser - eine „Umstürzung des Glaubens. Ein solcher Irrthum von „Seite eines Israeliten, der sich zum italienischen, also me- „ridionellen Ritus bekennt, < hat in uns Erstaunen erregt. „Er weiß ohnhin, daß die rationelle Methode zuerst in der „spanischen Schule entstanden ist, wo sie wissenschaftlich behandelt wurde. Es ist eigentlich dort, wo man angefan- „gen hat, die biblischen Anthropomorphismen auf eine phi- . „losophische Art und im Einklänge mit dm wahren Begriffen von Gott und feiner Vorsehung zu erklären. Wir „wissen, daß es damals einige Männer'von Verdienste gab, „welche behaupteten, dergleichen Erklärungen würden die „Grundpfeiler unserer Religion erschüttern, weswegen sie „unter andern den More Rebuchkm des Maimuni als „häretisch und gotteslästerlich brandmarkten. Stimmt viel- „leicht Herr Reggio dieser Beschuldigung bei? Oder würde „er sich die Behauptung anmaßen wdllen, daß man einzig „und allein den Rationalismus seiner Schute, nämlich je- „nen des 11. Jahrhunderts annehmen, jeden andern aber, „sogar jenen des 19. Jahrhunderts , als gottlos verwerfen „müsse? Man kann sich zwar so etwas ankiaßen; wir werden, es aber nie zugeben. Unsere Lehrer haben die Meinungen ihrer Vorfahren geprüft und sich manchmal dage- „gen erklärt; wir besitzen auch unsererseits das unverjährte „Recht, -das, was unsere Lehrer gesagt haben, zu prüfen „und allenfalls, auch entgegengesetzter. Meinung zu sein. „Man werfe niemals, sagt Mdimuni (Brief an die Gemeinde von Marseille), das Bewußtsein seiner eigenen „Vernunft hinter sich, denn die Augen liegen voran, und „nicht hintenan. Den besten Beweis der Ehrerbietung, den „man einer hohem Person geben kann, besteht darin, daß „man ihren Ansichten nur dann beipflichtet, wenn man- „selbe mit der Wahrheit übereinstimmend findet. Dke-Ves- „nunft kennt keinen Anhaltpunkt, weder bei uns Rabba- „nitfn, die wir von * Nacur aus $ur: Untersuchung geneigt?, „sind, noch bei unsern Glaubensbrüdern, den KaraitenV' „Einer ihrer Schriftsteller, Namens Mardochäus, drückt „sich über diesen Gegenstand so aus: ,a^bam' üw ^bybab'^rm ■»iVa ('n ps “Wi» *n) VL2 '-jy 'im tpyhriKfi b"m ■o, bin •’wsl a „Wir erwärten also von der Redlichkeit unsers Kritikers, „der uns eine so schwere Beschuldigung zur Last, legt, daß „er uns auch die Beweise dazu, an die Hand gebe; Beweise, „die wir vergebens von Jenen erwarten, die uns nicht öf- „fentlich kritisiren, wohl aber, was freilich noch bequemer „ist, uns im Dunkeln verlaumden." Sie sehen nun, bester Freund, daß diese letzten Worte eine öffentliche Aufforderung enthalten, welche abzulehnen -nicht bei mir stehtt Schon vor 11 Jahren hatte ich es gewagt, meine Muihmaßungen in Betreff der großen theologischen Aufgabe unserer Zeit, nämlich über den wahren, Geist des Judenthums, der Oessentlichkeit zu übergeben. Da aber damals weine Ansichten von Seiten der sogenannten Männer der Bewegung manchen Widerspruch erfahren haben, wie unter andern auch aus Geigers Theöl. Zeitschrift Band II. x. 331 zu ersehen ist, so hatte, ich mir von der Zeit an vorgenommen, im Stillen beobachten zu wollen, bis wie weit der neuere Rationalismus seine Eroberungen im Gebiete der Conservativen zu erweitern suchte, und welcher Waffen sich'diese letztem bedienen würden, um den Fortschritten des Erstem Einhalt zu thun. ' Was ich dabei in Hinsicht des Ausganges dieses Kampfes, zu hoffen oder zu befürchten gehabt hatte, das ging mich allein an, und ich brauchte Niemanden darüber Rechenschaft zu geben. . Allein sobald jene zwei mißbilligende Zeilen, die ich an Sie gerichtet, zu einer so förmlichen Aufforderung Anlaß gegeben haben, so würde ich der Sache, die ich für die gute halte, keinen guten Dienst leisten, wenn ich noch ferner über diesen Gegenstand, ein Stillschweigen beobachten wollte, welches, als eine Schwäche gedeutet werden.könnte. Ich werde mich also bestreben. Ihnen in wenigen. Worten die Gründe auseinanderzusetzen., worauf ich meine kritische Beurtheilung der Cahenschen. Noten stützen ,zu können glaube. Ich stimme zuvörderst mit Hrn. C. völlig, darin überein, - haß hie. an ihn ergangene Beschuldigung einen zu. ernsten Charakter trage , als daß es noch die kleinen sprachlichen Unrichtigkeiten zu rügen nöthig wäre,' die ich kn jenem