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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-03-14 · Heft 32 (14.3.1839) · p. Seite 127

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 32 (14.3.1839)
Date
1839-03-14
Page
Seite 127 (sequence 3)
Language
German
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127 H ü r wi tz und Andre dem astrekchen/ aber von. Dornen umrankten Baume des jüdischen Ritual, durch . Einpfropfung mancher auf den mirakulösen Gefilden der Kabbala gereister seltsam anzüschauender Früchte, neues Leben und eine gewisse zeitweilige Frische zu leihen versuchtenso wird dieses Mittel in unserer Zeit grade die. entgegengesetzte Wirkung hecvorbringen. — Die jüngeren Mitglieder unserer Glaubensgenossettfchafr sollen ja von dem verderblichen Jndifferentismus zur innigen Verehrung der Religion zurückgebracht werden; sie sollen wieder Geschmack gewinnen an den alten und ehrwürdigen Gebräuchen, die gleich den heiligen Gerüchen, das Heiligthum umgaben; es. soll ihnen gezeigt werden, daß ewig wahr bleiben die Worte des größten der Propheten (5. Mos. 30, V. 11 14.) „Das Gebot, das ich chic gebe ist dir nicht verborgen und nicht ferne; — — eS ist dir ganz nahe. Du hast es im Munde und den Begriff davon im Herzen.'? — Es ist darum die Aufgabe unsrer Zeit, die Ausübung der Religionsgesetze als jenem hohen Rufe ganz entsprechend darzustellen, aber nicht sie mit einer; schwer verdaulichen Brühe zu übergießen, und 'hierin Zuthaten zu mischen, die das Gericht nur versalzen' und fast ungenießbar machen. — . Nun meint zwar Verfasser (Vorerinnerung), daß er im Kreise der Aggodoh stehe, „derdie Freiheit zur selbstständigen Geistesthacigkeit bietend, Ansichten, hervormft, die, an „sich Niemanden mit Autoritätskraft sich aufnöthigen können und dürfen, sondern ihre Anerkennung nur von ihrer „innern Folgerichtigkeit und. ihrer Uebereinstimmung. mit „dem Inhalt des Gegenstandes erwarten 'können, den sie „betreffen und von dem-sie abgezogen worden." — Allein dieses ganze Raisonnement beruht erstlich auf der — selbst vom Standpunkte der Anhänger der Tradition nicht allseitig anzüerkennenden — Prämisse,, daß der Kreisder Halacha (8nn:>nö) als „der Inhalt des Gegenstandes" förmlich abgeschlossen sei;*) zweitens, dieß auch zugegeben, iss es ja hauptsächlich darum zu thun, den Beweis für Diejenigen zu führen, denen „der Inhalt des Gegenstandes" noch nicht als bindend erscheint, -- für Diejenigen, welche durch eine gemüthvolle und rationale -Erklärung erst zur Beobachtung des Gesetzes herangebildet werden sollen. Können und werden diesen solche Erklärungen und Deutungen, wie der Derfasser giebt, genügen! Hier mangelt ja der Prüfstein, daß die Ansicht über irgend ein Gebot den einzelnen aus' „Sch'math'ßo" darliegenden Bestandtheilen „desselben entspreche," da ja der Leser oder Hörer diese Bestandtheile — den angeblichen Prüfstein — gar nicht kennt oder nicht an¬ *) Auf dieses Thema werden wir später zurückkommen. erkennen will, und vielmehr durch die Begründung erst hierzu veranlaßt, werden soll. Es ist dieß also eine Bewegung im Zirkel! Und wie sotten wir die Wichtigkeit begreifen, die der Verfasser auf Dinge legt, die entweder gar nicht oder nicht.unzweifelhaft zu dem Kreise nder Sch'mach'ßo" gehörtem z. B. das Recitiren der Verse nach Äinp, das Barbieren. an dxn Zwischenfeiertagen, welches der orthodoxeR. Ezechiel Landau schon unter, gewissen. Bedingungen gestattete uyb dessen Erkaubniß ja Nothwendigkeit für unsere 'Tage Reggio im nnrÄNN ‘WW3 mit rabbinischer Erudition bis zur Evidenz nachweist. — Durch die Gleichstellung solcher und ähnlicher Gebräuche mit. den wichtigsten Geboten der heiligen.Schrift und der Altrabbinen bereitet Verfasser dem Iudenthume den 'empfindlichsten Schaden und er arbeitet den Radical-Reformers nur. im die Hände! — „Wie sollen und können wir im Stande fein das^Judenthum — wie es uns hier dargestellt wird — jetzt-zu beobachten?' Und thun wir es nicht,, so sind. wir jq gar keine Juden , nach Herrn H.! Darum das Judenthum über Bord, geworfen!" So tönen die Worte der Ultra- Neuerer vor unfern Ohren! Und siehe da, die unnatürliche. Allianz der Republikaner,mit den Legitimisten zum Umsturz des gemäßigten und. dabei, die Bedürfnisse der Zeit weise berücksichtigenden Conseroatismus im. Iudenthume ist ins Leben getreten! —:— - Das Merkwürdigste hierbei ist, daß Verfasser selbst an der Ausführbarkeit seiner Darstellung des Judenthums im praktischen Leben zu zweifeln scheint. Wir glauben fast ec stellt seine Ansichten nur gleichsam, so hm, wie es möglich sei, daß ein. mit Anderen wenig oder gar nicht in Berührung kommender, .seine Zeit in einer Clause mit religiösen Uebungen zubringender, von. Leidenschaften geläuterter Jfrae- .lit zu möglichster Vollkommenheit gelangen könne. Den Beleg hierzu giebt uns die GtMe K. 547. bek Gelegenheit der Levirathsehe. Da heißt es im Talmud irnaba 'hüb' 'pTDh» vi-f-iö welches sd viel sagen will, daß in alten Zeiten, wo der Zweck der Levirathsehe Allen vor -Augen lag,/ wol allgemein präsumirt werden mochte, daß es dem Betreffenden wirklich blos um Erfüllung jenes Zweckes ohne Nebenabsicht zu thun war, während jetzt, wo bei veränderten socialen Verhältnissen, der Zweck der Levirathsehe minder ins Leben tritt, sinnliche'Beweggründe eher zu befürchten sind. Verfasser wandelt nun diese sachgemäße Erklärung in folgende, doctrinäre Paraphrase um: „daff. schonlange in Jjsroe'l nicht mehr der reine, „hohe^nur von Gott erfüllte Lebenssinn allgemein voraus- „zusetzen fei, der allein hier Scheidewand zwischen höher

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