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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-03-12 · Heft 31 (12.3.1839) · p. Seite 124

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 31 (12.3.1839)
Date
1839-03-12
Page
Seite 124 (sequence 4)
Language
German
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.stand der würdige Rabbi nnt.todtblaffem Gesichte. „Wirmüffen zum Aeltesten der Feinde gehen/' redete er mich an,.und^ihn fragen,-was er von uns begehrt; und Sie lieber Fteund muffen der erste sein, da Sie ihrer Sprache kündig sind und unter dem Schutze der fremden Consuln stehen! Kaum, hatte ich eingewilligt als. wir. schon einen Drusen auf unS zukvmmen sahen. Ich ging ihm entgegen und sagte: „Ist es wirklich wahr, daß du mit der Wahrheit, Religion und Gerechtigkeit gekommen bist ( — ihr erstes Wort war nämlich immer: mir Wahrheit, Treue und Reli- -gion kommen wir, fürchtet nichts, .fürchtet nichts ~ ) so bitte ich dich sage mir, waö du wünschest; eS soll alles gegeben.werden, rvas in unserer Macht stehr, rrur rödte Niemanden." Er gab mir trotzig zur Antwort: WaS ich thun will weiß ich selbst schon; aber vor Allem-gieb mir dein Geld. Ohne meine Antwort abzuwarten, riß er mir mir diesen Worten die Kleider ab> .und hatte all' mein Geld in seiner räuberischen Hand. Während dieser Wicht sich mir'mir beschäftigte,, strömten die übrigen in Maste herbei: der Gouverneur war, ungeachtet seiner Versicherungen, entflohen, und eS blieb rffchts anders übrig, als die Häuser gänzlich zu verlassen und zwischewchie Gräber zu flüchten. Die Feinde tiefen uns zu.:!a lealial', la tecliaf fürchtet nicht, fürchtet nicht) und suchten unö dadurch zurückzulocken, da sie noch Schätze bei uns zu finden glaubten. Als. wir aber anstatt näher zu kommen uns immer mehr, entfernten, da strömten sie von allen Seiten auf uns zu, und als nun auch alle Eingeborne sich ihnen zugesellten, Meb uns Unglücklichen keine Hoffnung. Ich blickte mich ruhig um, denn ich hatte ja-nichts mehr als mein Leben zu verlieren, und dies hatte keinen Werth.für mich, wenn mehrere Lausende lueiner unschuldigen Brüder vor meinen Augen cchgeschlachrcr' werden sollten. k Ich hatte nicht die Absicht zu entfliehen, da ich doch'auch keinen Zufluchtsort hatte, aber ich richtete meine .Schnlse nach einem naheliegenden Dorfe, En Setoun genannt, um so wenigstens nicht die schrecklichen Qualen, zu sehen, welche vielleicht so vielen Israeliten vor mir bereitet werden solltezu Unrer einem Hagel von Steinen Und Fliatenkugeln gelangte ich, umgeben von Greisen, Weibern und Kindern Ln das Dorf. Ds'e Einwohner (Drusen) trieben uns zusammen, und wir mußten uns alle in eine kleine Synagoge begeben. ' Um das Maaß ihrer Schändlichkeit voll zu machen, singen ' sie nun ein grausames Spiel mir uns an. Fünf Drusen .nämlich kamen mit Flinten, Hacken, Knitteln und Messern bewaffnet? Sie schlugen unS auf die zartesten Lheile des Körpers, und versetzten unS unzählige leichte Wunden, biö daö Blut zu strömen anfing, dann jagten sie uns in'S Freie, setzten jedem tausendmal. VaS Schwert auf die Brust, daß wir ihnen den Ort zeigen sollten, wo wir unsere Sck)ätze vergraben hatten. Der größte Lheil von uns war ohnmächtig hingesunken, sie raubten uns nun noch unsere Kleider, und ließen unS dann nackt auf dem Felde liegen. Aber kaum harren diese unö, verlassen als schon .andere Drusen kamen, und die Peinigungen von Neuem begannen. .Kalt sah' ich dem Lode ins Auge und streckte ihnen meinen Kopf' mit der Büre entgegen, ihn doch mit einem Hiebe herunterzühauen; aber rdie Barbaren ließen sich dadurch nicht i,m machen , und fuhren .im fürchterlichsten Phlegma mit ihren Martern fort.. Este Nacht machte endlich, diesem Elend ein Ende, und am andern, Mörlen durften' wir uns unter unsäglichen Schmerzen nach Zafed zuruckfchleppen. (Die Drusen halten schon um sieben Uhr Morgens die Stadt verlassen.) Mein erster Gang war auf mein Zimmer. Bon allen meinen Sachen fand ich nichts; am traurigsten aber machte mich der Verlust von elf mühsam zusammengerragenen Manuscripten, die schon für die Presse geordnet waren; sie waren theilS verbrannt", theilS in so kleine Stückchen zerrissen, dass-ich sie nicht wieder zusammenheften konnte. Mein Winh war entflohen, und ich fand im ganzen Hause nichts als ausgeschüttete Federbetten, zerbrochene Töpfe, zerschnittene Kleidungsstücke und zerrissene Bücher. Von hier ging ich zum Rabbi,, und fand ihn, umgeben/ von einigen seiner Leute und seiner Frau, im Gebei begriffen. Wir weinren alle: ich aber nahm schnell eine frohe Miene an, und dankte Gott dafür, daß wir noch am Men ßrbkieben seien. Herr Dob erzählte mir nun, daß, nachdem ich sie verlassen hatte, die Drusen sie gänzlich umringt und ihnen gleichfalls die schrecklichsten Qualen zugefügt hatten/ Die edelsten der'Frauen entehrten sie auf offener Straße, raubten alles was-sie fanden, und nachdem man ihnen schon löst Beutel, (der Beutel hat 5 L.St.) daö Letzte was man hatte, gegeben, verlangten sie noch 1000 Beutel. Da man aber durchaus nicht.im Stande,war noch irgend etwas herheizuschaffen banden sie den ehrwürdigen Abr. Dob und bereiteten ihn unter den schrecklichster: Martern zum Tode. Ganz ruhig forderte er Wasser, seine Hände zu waschen, .und dann prieö er la.ut Gottes Gerechtigkeit in den Worten: „Kinder Israels/' lauer mich den Namen Gottes auörufen und ihm danken für das, was er über uns beschlossen." Die Drusen begannen nun, da einige zu entfliehen suchten ein fürchterliches Gemetzel, das so lange dauerte bis sie es selbst müde wurden. Dann setzten sie sich, zur Mahlzeit, und ließen nun .endlich nach vielen , Martern den Rabbinen loS; und diesen sah ich nun vor mix, alS wäre nichts mir ihm vorgegangen..— Nachdem die Drusen die Stadt verlassen hatten, kehrten die Muselmänner dahin zurück und erzwangen von den Israelitin ein Zeugniß, daß sie während deS'AngnueS der Drusen ihre treuesten Beschützer gewesen wären. Im Weigerungsfälle drohten sie sich nächstens mir den in der Umgegend wohnenden Arabern gegen sie zck verbinden- und neue. Mordscenen zu beginnen. ES war dies keige leere Drohung, denn schon waren einige feindliche Angriffe dieser Art geschehen, und so mußten die Israeliten ihnen willfahren. — Die Frage war nun, waS jetzt anzufangen fei. Von allen Seilen bestürmte man mich mit Bitte, den Herrn Dob zu , bereden, mit mir nach Acre zu-gehen, und, von dorr nach Chaifa zu begeben, welches neben Palästina liegt. Hier befanden sich mehrere europäische Consule, auch liege es am Meere, und man werde sich Hier im Falle einer neuen Gefahr leichter retten können. Herr Dob antwortete, daß er einwilligen müsse, wenn der größte Theil dafür sei,; doch seiner persönlichen Ansicht nach, sei es dringende Pflicht zu bleiben, um die uralte Gemeinde zu erhalten, und ihre Heiligthümer nicht der Zerstörung Preis zu geben. Auf diese Werse gelang es ihm fast alle zum Dableiben zu überredtn und ihren entgegengesetzten, auf den Talmudischen -Spruch ä-nrp gestützten Entschluß zu entkräften. Ich meinerseits konnte nichts anders thun, als Zafed augenblicklich verlassen. Der gute Rabbine wollte, daß ich noch bei ihm bleis den sollte, bis von Ferne her eine kleine. Hülse. kommen werde, um mich dann mit den nölhigsten Kleidungsstücken zu versorgen. Ich nahm dies Anerbieten nicht an, und war für'S Erste froh auf 2 Lage Brod zu haben, welches man mir unter vielen- Thronen reichte. Während wi.r noch sprachen, kam ein Araber, NamenS Muftüpha Machmaud, ein Einwohner von Zafed, und brachte feine ganze Barschaft dem Rabbinen und der Gemeinde zum Opfer. Er hat sich .schon seit langer Zeit alS einer der wohlthätigsten Freunde gegen die Jsxaeliren gezeigt, und auch jetzt hatte er den Drusen wie wühl früchtlos mehrere tausend Piaster geboten, wenn sie den Rabbinen unangefochten lassen wollten; und batte sogar selbst wegen seiner Freundschaft zu den Israeliten in Lebensgefahr geschwebt. Sobald dieser Mann mich nur in eine elende Jacke gehüllt sah, gab er mir die nökhigen Kleidungsstücke und obendrein 12 Piaster. In diesem Augenblicke biy ich mir Wunden bedeckt, aber, Gort sei Dank, ich lebe, und meine Originalnoten der verlornen Manuskripte sind in Alexandrien, bei dem preußischen Generalkonsul, aufbewahtt. Zwar wird eS mir einige Jahre Arbeit kosten» das.Verlorne' zu ■ ersetzen; aber ich werde die Mühe nicht 'scheuen. Im Ganzen hat meine Gesundhiit wenig gelitten, und ich hoffe meine Reise nach Jerusalem fortzusetzen. Redacreur: vr. L. Philippson. — Verlag von BaumgärtnerS Buchhandlung. — Drück von J. B. Hirfchfev.

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