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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-03-07 · Heft 29 (7.3.1839) · p. Seite 116

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 29 (7.3.1839)
Date
1839-03-07
Page
Seite 116 (sequence 4)
Language
German
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116 in No. 131 verflossenen Jahrgangs flicht gleich^ im Eingänge sich dadurch allen darauf etwa erfolgenden Zurechtweisungen zu entziehen, daß der Abfasser sich in den Mantel der Unparteilichkeit, hüllt, und uns „seine Worte, al s seine .Ansichten hinstellt." Deß ungeachtet nimmt er sich gleich darauf die Freiheit zu bemerken, daß: „Die ungarischen Correspondenten der allgemeinen Zeitung des Judenthums nicht die aufrichtigsten Berichterstatter sind." Wie ist es denn, Herr-Referent, nicht möglich, daß sie auch ihre Worte, alS ihre Ansichten und die vielleicht gegründeter als die Ihrige seien, hingestellt haben?. Warum sie also so voreilig der Unaufrichtigkeit zeihen? - , ' Indem bis lang nur ich mich in ^meinem oben erwähnten Berichte über Ungarn, in einem, denf aus;Köriiiend eingesandren, ganz entgegengesetzten Sinne aussprach, so fühle ich mich nun verpflichtet, um die Beschuldigung der: „Unaufrichtigkeit" von mir zurückzuweisen, und den Herrn Ref. aus Könnend zu überzeugen, daß ich nicht meine: „von VarerlandSvorlrcbe •) gespitzte Feder.in die Farben der in Deutschland blühenden,' kirchlichen Verhältnisse der Juden getaucht, und ein Ungarn gemalt habe, in welchem sich schwerlich eine Gemeine erkennen kann" das, was ich berichtete durch Gründe und Lhatsachcn zu bewahrheiten. Man erlaube mir aber zuvor, Einiges aus dem körmender Artikel zu citircn, damit die geehrten Leser hierdurch in den Stand gesetzt werden zu beurtheilen, wer von uns beiden wahr, und wer u n w a h r gesprochen habe. ' . „Liest man z. B., sagt er, von den großen Leistungen der Schulen in Eisenstadt, Kreutz, Waraödin ff. ff. sollte man da nicht glauben, als erheben sich wirklich in diesen Orten die lichtesten Punkte der dämmernden Aufklärung? Allein himmelweit sind, die nur mit Zwang eingeführten und gegen ewige Widerürebungen kämpfenden, jüdischen Normalschulen Ungarns 'noch zurück, um wahrhafte Bildungsanstalten genannt zu werden. Mit Unwillen schicken die Eltern ihre Kinder dahin, 'Mit noch größerem Unwillen, gehen die Kinder. Die Lehrer, die ebenfalls nicht durchgeheuds schulgcrechttz Padagogiker sind, vermögen durch ihre^ hie und da cmfgegrissne Pedanterie, die gute Sache mehr zu unterdrücken, als zu erheben. Wie kann es auch anddrs sein? Nicht in einer der genannten Gemeinen, 'ist auch nur der klein'fte Theil für daS Bestehen ordentlicher Schulen. Nur die wenigen Bessern, welche durch Lektüre oder Geschäftsreisen von guten Vorbildern angeregt werden, dringen darauf; aber weder der. gute Wille, noch .die ungenügenden Beiträge Einzelner sind im Stande durchzudringcn.". Ich ersuche nun alle geehrten Leser dieser Zeitung, die sich darum inrcrestiren, .meinen Bericht in No. 10 v. I. zur Hand zu nehmen, und.sich'zu überzeuge.n, ob auch wirklich so pomphaft betreff der Bildung und Aufklärung von genannten Gemeinen und-Ungarn überhaupt, berichtet wurde. Sie werden vielmehr finden, daß ich die Eisenstahter Schule — nach dem mir von einem Ehren- und sachverständigen Manne zugekommcncn Berichte, — tadelnd gerügt habe **). Von allen übrigen Schulen, außer der Aradcr und Warasdiner, ist nur gesag/worden, daß sie bestehen. — Von'der Araber Schule aber habe ich nur bemerkt, daß sie unter der Aufsicht des dortigen, allgemein rühmlich bekannten Rabbiner,, Herr A. Chorin, und unter der Leitung des trefflichen Lehrers Herrn' L. Skreinke, nicht anders als trefflich sein kann"'"); und von d.er Warasdiner israelitisch-deutschen Lehranstalt, daß sie bereits 12 Jahre besieht und nunmehr ordentlich systematesirc ist, indem sie im Lande unter der Oberaufsicht Sr. Hvchwohlgeborcn des Herrn Anton von - e) Dieser Vorwurf kann .Unterzeichneten um so ' weniger treffen, da Ungarn sein Vaterland nicht ist. D. Corresp. *°)2luch ist in der aus Eisenstadt eingegangenen Berichtigung dieses Tadels (No.' 36 v. Ji) nicht das, Geringste von : ,,Großen Leistungen'/ enthalten. ' C o rresp. *oo) hierüber (in No. 133 v. I.) in dieser Zeitung enthaltene Bericht anS Arad, zeigt, daß ich mich nicht geirrt habe. . D. C-o'rrefp. Kukukyevich de Sacci & Bassany, S. k. k. M. Rath, Banql- Tafelasseffor und sämmtlicher Schulen im Königreiche Croatien, Slavonien und dem ungarischen Küstengebiete Oberdirektor, und in Loco unterder Direktion des einsichrövollen Herrn Ladislaus Ebner, der königl. Freistadt Warasdin MagistratSratbs, des löbl. Warasdiner und Agramer Comitaleö 'GerichrStafel-Beisitzers^ und königl. Lokal-Schulendirektors steht. Dies habe ich mit einem aus der Preßburger Zeitung entlehnten Auszuges, aus dem Belobungsdekrete, das Se. k. k. Majestät dem erwähntest Herrn königl. Lokal-Schulendirektor, in Berücksichtigung seiner vielfachen Verdienste um das gefammte Schulwesen der königl. Freistadt Warasdin,'wobei auch die. israelitische Schuleinsbesondere erwähnt wurde, zu ertbeilen geruheten, bewahrheitet. Diese rühmliche Erwähnung und Würdigung der Verdienste würde in Beziehung auf die warasdiner israelitische Schule, wahrlich Allerhöchsten Orts nicht erwähnt und erwogen worden sein, .wenn dies nicht von der Obersten Landesstudien- und Schulendirektion, früher dahin gestellt und berichtet worden, wäre"). Außer dieser Tharsache, ist von allem sonstigem Lobe, oder von „Großen Leistungen" kein Wort zu lesen, und ich habe mich absichtlich davon enthalten weil „Eigen Lob —" Ich glaube nun durch das, was ich bisher gesagt und thatsächlich angeführt habe, mich, hinlänglich gerechtferriger zu haben; Ich stelle es übrigens jedem vernünftigen und unbefangenen Le-' fer frei zu beurtheilen, wer von uns beiden „feine Feder in falsche Farben geraucht hat, und ob mein Bericht auch wirklich so hochgestellt ist, wie ries ihn, der in Rede stehende Herr Röferenr herabzuziehen sich die Mühe nahm. — ' Aber nicht nur daS, womit er gegen die genannten Gemeinen und vorzüglich gegen die Warasdiner — denn um diese Entdeckung zu machen, gehört wahrlich nicht viel Scharfsinn dazu — loszog, istfalsch und ungegründcr,' sondern auch alle Anklagen,, die er gegen die sammrlichen israelirischeg Bewohner Ungarns führt sind es, so wahr sie auch dem ersten Anblicke nach scheinen, nicht minder. — Er sagt daß: „Die Eltern nur mit Widerwillen ihre Kind-er in die Schule schicken." Diese Bemerkung ist allerdings wahr. Warum aber haben Sie, Herr Referenr, ehe-Sie: „Ihre Worte als Ihre Ansichten hinstellten" über die Ursache dieses NichrschickenwollenS, reiflicher nachgedacht? Bei der geringsten Reflexion hierüber, würden - Sie gefunden haben/ daß die Eltern'nicht der Schule, sondern dem ihnen nicht zusagenden und^ nicht entsprechenden Unterrichte abhold, sind. Und -daß die meisten unserer Schulen, '(aber auch die außer Ungarn lind selbst in Deutschland, Frankreich :c. wie dies aus den allseitigen Berichten in dieser Zeitung zu ersehen ist— einigewenige machen wol eine Ausnahme —) wie sie dermalen beschaffen seien, jüdische Eltern nicht Zusagen können, ist kem Wunder. Wir haben noch bisher, für unsere Schulen - keind allgemeine, der jüdischen Volksbildung entsprechende Norm. — Ueberall (?) wird noch anders, ich möchte sagen entweder nach der Laune irgend eines Gemeinde- oder Schulenvorstehers, oder nach dem Eigendünkel eines Lehrers, oder gar wie es sich die Eltern beim Lehrer fordern — und er muß, soll er nicht brodlos werden, gehorchen — unterrichtet; selten, aber wird das gelehrt, was dem Juden'auch akü Juden, so sehr norh ist. — (Fortsetzung folgt.) *) Sollte aber der Herr Ref. trotz dieser angeführten Thatsache dennoch daran zweifeln, daß die hiesige israrlitisch-deutsche Lehranstalt bereits mehr ais 12 Jahre besteht; so beliebe er in der v. H. L. Ebner gegenwärtigen Local-Schulendirector, 1827 yerauSgegebenen: „klistoi-. Statist. topograph. Beschreibung der königl. Freistadt Warasdin" S. 171 nachzulesen, nnd er wird finden, daß sie schon damals mit einem in der Pädagogik geprüften Lehrer (Herr L. Horowitz) bestand, und schon damals der Leitung des Herrn Local-NormalschulendirectorS untergeordnet war. Corresp. Redacteur vr. 8. Philippson. — Verlag von Baumgärtners Buchhandlung. — Druck von I. B. Hirschfeld.

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