Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 28 (5.3.1839)
- Date
- 1839-03-05
- Page
- Seite 112 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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112 ihm dieß gelingen? Ist er sicher, daß die von ihm gewählte Deduktion nicht vielleicht morgen durchden Scharfsinn eines andern Ben-Usiel wieder zu Nichte gemacht und . mithin sein ganzes Judenthum unterwühlt wird? — Zu welchen Mißverständnissen führt nicht, um nur einige Beispiele anzuführen, des Verfassers gekünstelte Erklärung der Sabbats-Verbote! — Die Mische Dogmatik lehrt ganz einfach, daß wir, um jene ewige Wahrheit — die Basis der ganzen Religion — „daß Gott, nach freiem Willen, das Weltall aus Nichts hervorgebracht und vollendet hat," dem Gemürhe fest einzupragen, am siebenten.Tage einer jeden Woche ruhen und feiern sollen, damit wir durch solche Feier die Anerkennung jener Wahrheit innerlich und äußerlich bezeugen; da nun die Sklaverei unserer Väter in Egypten ihnen zu keiner Zeit Ruhe gönnte, so ist die Sabdatsruhe zugleich Ausdruck des Dankes gegen den Allmächtigen, daß er sie von jenen Sklavenketten befreiete, und es uns möglich macht, einen Tag jeder Woche unserm Gotte weihen zu können. —- (s. Chinüch ad Exod. praecept. 32.) (Fortsetzung folgt.) . Briefe des Herrn Dr. Loewe aus dem Oriente. Zweiter Brief. Zafed, 6. Juli 1838: (Fortsetzung.) Vor mir lag der IM, auf dem in dem Dorfe Mirum (bei einigen Moron) das Grabmal des .berühmten ''am'* p S hervorragt, und der tzpoße Begrabnißplatz mit dem Grabe des p —v^-SSier Lage lang erhielt ich Besuche, und am Sabbat wurde rch von dem Rabbinen Abraham Dob zur Lafel geladen. Dieser Mann ist einer der Würdigsten und Gelehrtesten, die ich je gesehen habe. Er erhält keinen Sold, und theilt auch sein Vermögen mir den Armen. Gewöhnlich speisen zehn bis fünfzehn Personen an seinem Tische, und die Sennrol werden mit einem Enthusiasmus abgesungen, wie ihn nur das Gefühl der Ueherzcugung und der Wahrheit hcrvorbringcn kann. Der Israelit in diesem Lande duldet schwer, weil er von der Wahrheit nicht lassen kann, aber stolz auf dieses, Bewußtsein sucht er Trost einer gottergebenen Gesinnung und einem gottgefälligen Wandel. > t . Am Sonntage besuchte/ich allein den Iegräbnißplatz, um hier ungestört Betrachtungen anstellen zu'können. Nach'allen Richtungen streifte ich umher, kroch von einer Höhle in die andere, und.nachdem ich mehrere Grabschriften gelesen, wandte ich mich zur Rückkehr. Als ich den Berg erstieg, kamen mir zwei große Schlangen entgegen. Hier zuerst treffe ich eine lebende Schlange auf dem' Felde. Id Todesangst lief ich, da ich mir die Gefahr so groß vorstellte, nach Hause, und erzählte meinem Wirthe, was mir begegnet war. Dieser lächelte über meine Angst, und satzte mir, daß die Schlangen in den eingefallenen Gebäuden nisten, und hier durchaus etwas Gewöhnliches feien. Es giebt. nur wenige Beispiele, fügte er hinzu, daß Menschen von ihnen getobter worden sind, doch gehen wir aus Vorsicht nie ohne Knittel in der Hand. Sehr oft riechen wir es, wenn eine Schlange sich in unserer Behausung befindet, und es giebt hier Menschen, chie sehr geschickt sind Schlangen lebend zu fangen. Bist diesen Worren zeigte er auf einen jungen Mann,' der anwesend war, und mich auch sogleich versicherte', daß er keine Schlange fürchte. — Montagritt ich in .Begleitung dieses Schlangenhelden nach Mirum. Keinen Menschen sahen wir auf dem ganzen Wege. Dieser Umstand machte.meinen Begleiter besorg^ denn er, sagte: Es muß Gefahr in der Nähe sein, da Niemand sich ins Freie trauet; ich beruhigte ihn jedoch.durch die Vorstellung, daß wir Beide gut bewaffnet feien, und daß daher schon mehrere kommen müßten, wenn wir Gefahr befürchten sollten. — Mirum bietet dem Reisenden vielJriterepanreS dar. Zuerst besuchte ich das Grab des ii'h'Wi. Es ist mit einer hohen Mauer umzogen. Im Innern ist ein schöner geräumiger Hof, auf beiden Seiten mit Säulen verziert, in'der Milte steht ein großer Baum, der den größten Theil denelben beschattet. Dem Eingänge gegenüber ist daS Sancluarium. Ehe man hinein ttitt sieht man zur Rechten einen großen Wagerbehälter, der gewöhnlich am' .Sterbetage des angefüllt wird. Im Innern hat man zur Linken dieHöhle des welche aber ganz zugemauert ist; man sieht noch Verzierungen einer Art von Blumensträuchsn, auf der Wand. Hier bleiben die Reisenden stehen'und beten; zu diesem Behufe ist ein kleines Zimmcrchen in dem auch eine h. Lade ist. Ich öffnete ihn, und sah' mich von einem ungeheuren Bienenschwärme, der sich hier ganz eingcniftet hatte, umgeben. Mein Begleiter sagte mir, daß das viele Baumöl, das hier zusammengebracht wird, sie hcrbeilocke. In der Mittee des ersten Zimmers steht ein großer Leuchter, mit mehr als fünfhundert Lampen, welche alle am Sterbetage i'h) 'angejiinbit werden. Das Gebäude ist mit einer großen Kuppel versehen, zu der Stufen von außen führen. Hier steht eine hohe Säule deren' Spitze eine Schale bildet, welche an demselben Tage mit Oel angefüllt wird und die ganze Gegend erleuchtet. Eine eben solche Säule befindet sich weiter links, so daß zwei Feuersaulen (da er zuglerch ein Festtag'ist) die Freude verkünden. In diese beiden Schalen legen die türkischen Damen/ die um diese Zeit hierher zu kommen pflegen, die kostbarsten' ShawlS,,die schönsten, goldgestickten Naccharams (Taschentücher) und acht persische Turban-Schleier, und alles dies wird hier zu Ehren des verbrannt. Mein Begleiter erzählte mir, daß dieser Tag der gefeierteste in ganz Palästina sei, denn nicht nur Israeliten sondern auch alle Muselmänner verehren diesen Heiligen. Wenn ein Muselmann in dieser Gegend etwas bekräftigen will, so schwört er bei der Zadik, und Niemand wagt eö dann an der Wahrheit zu zweifeln. — Die äußere Mauer hat bedeutend durch das Erdbeben gelitten, und die Israeliten hatten bedeutende Kosten sie wieder hcrzustellen.' — Dann begab ich mich höher auf derftVerg, eund fand eine Mauer von ungeheuer großen Ovalsteinen, so daß fünf Steine schon eine bedeutende Höhe ausmachen. . Die Architektur t|l; eine ganz besondere, und sch weiß sie mit keiner der alten Gebäude, die ich von Alexandria bis nach Aethiopien gesehen hatte, zu vergleichen. Die Steine sind nicht durch Bindungsmittel mit einander verbunden,, sondern nur zusammengesetzt und dennoch so dicht, daß man keine dicke Nadel in die Zwischenräume bringen kann. Ich bewunderte dies Gebäude, welches chie Synagoge des genannt wird, und besuchte dann das Grab des R. Jochanaa Hassandlär, auf dem ein schönes Denkmal errichtet ist. Ich ging abwärts, und eine schone Höhle,, die Hillel und seiner Schule zugcschrieben wird, hatte ich vor-mir; sie enthalt achtzehn Gräber, jedes derselben ist seitwärts in den Felsen gehauen, und mit einem schönen Alabasterdeckel ^versehen. Auf der gegenüber liegenden Spitze des Berges fand' ich einen jüdischen Sarcophag. Dieser unterscheidet sich von dem Egyptischen dadurch, daß er kleiner und mit Blumen, Weintrauben und Oelbäumen geschmackvoll verziert ist.. In Egypten werden sie oft als Trankrinnen gebraucht, die Israeliten und die übrigen Bewohner Palastina'S aber scheinen-aus Pietät sie nicht zu diesem Gebrauche zu verwenden. (Fortsetzung folgt.) Redactcur: vr. L. Philippson. — Verlag von Baumgartners Buchhandlung. — Druck von I. B. HirfÄfeld.