Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 26 (28.2.1839)
- Date
- 1839-02-28
- Page
- Seite 104 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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104 — Vergesset ihr, daß .ja auch der Stifter des Christenthums ursprünglich nicht eine neue Religion, sondern jenes Ideal des sogenannten reinen prophetischen Judenthums herzustellen bemüht war? Weil aber' eben besten Ausführung für die Wirklichkeit nicht gelang, müßte das Christenthum einem erweiterten Plan annehmen und die Ausbreitung religiösmoralischer Ideen unter den andern Völkern ward sein Ziel. (Fortsetzung folgt.) - Briese des Herrn vr. Loewe ans dem Oriente. Zweiter Brief. / Zafed, 6. Juli 1838.' (Fortsetzung.) Lautlos trabten wir fort,, bald zur Rechten, bald zur Linken blickend. Eine halbe Stunde vor Sonnenuntergang machten wir halt, und das Gespräch in der Herberge diente wahrlich nicht zu unserer Beruhigung. — Die ausgehende Sonne fand uns schon wieder reisefertig, und gegen Mittag kamen wir in die Gegend de» gepriesenen aber unglücklichen Zased. Auf der höchsten Spitze deö Berges ist es als eine, wiewol jetzt zerstörte, Festung erbaut, welche mit geringen Kräften der ganzen. Umgegend die beste Verteidigung gewähren könnte. Zwei Stunden vor Zafed befanden wir uns in einer öden Gegend; es schien als habe eine unterirdische Macht im schrecklichen Ballspielen die ungeheuren Felsen umhergeschleudert und'sie zertrümmert. Nichts als halb verbrannte Kalksteine erblickte ich vor mir, in allen Krümmungen am Boden liegend. Von Schmerz durchdrungen, rief ich aus: Ist dies düs Land meiner Vorfahren?! dies das Land, in welchem »Milch und Honig floß?'.. Welch ein Gefühl fleh meiner begeisterte, wird jeder wahre Israelit begreifen!— In diesen und ähnlichen Gedanken hatte ick meinem Pferde seinen Willen' gelassen, ich blickte auf, und fand mich allein in einer schrecklichen Mldniß. Ich spornte mein Pferd, und nach einer Stunde erblickte ich die Stadt dicht vor mir. Zu meiner Rechten sah ich den großen Begräb.nißplatz, von demsagte, daß eine sechsmal größere Anzahl Menschen hier ruhe, als die, welche, aus Egypten gegangen, und vor mir lag ein hoher Berg mit den Trümmern einer Stadt bedeckt, welche so viele Hunderte unserer Brüder lebend begraben. — Hier bin ich nun in Palästina, dem von tausend frommen Seelen so oft sehnlichft erwünschten Palästina.. Eine deutsch gekleidete Frau wünschte mir,einen gurcn Morgen, und als ich diesen Gruß deutsch erwiderte, eilte sie voller Freude fort, ihrem Mange die frohe Nachricht zu. bringen, daß ein Deutscher, gekommen'sei. Dieser und die übrigen Hausgenossen kamen eilig herbei, hoben mich vom Pferde, und waren bemüht auf alle mögliche Weise mir ihre Freundschaft an den Lag zu legen. t; s Diese Unglücklichen haben zum Lhcil Verwandte und Freunde, Hab' und Gut.verkästen, um hier ihren Schöpfer und der heiligen Lehre allein sich zu weihen. Aber wie schrecklich fanden sie sich getäuscht: ausgeplündert, krank und elend kamen sie an das Ziel ihrer Reise, wo täglich ihrer neuer Kummer" und neue Leiden warten und sie anstatt sich gänzlich den religiösen Hebungen weihen zu können^ oft an der Verrichtung der gewöhnlichen -Gebete verhindert werden. — Mit welchem Gefühle daher diese Armen jeden Fremden auö dem Vakerlande begrüßen, ist leicht denkbar. Sie warfen neugierige Blicke auf meine Bücher, Waffen und eleganten türkischen Kleidungsstücke, welche die eben angekommenen Maulefeltreiber mir brachten , während ich in Gedanken über den heiligen Boden, auf dem ich stand, vertieft war, und die Wonne mir ausmalre, meinen Brüdern in Europa, wenn .ich dahin zurückgekehrt sein werde, alles genau mittheilen zu 'können. Zum Mincha-Gebet besuchte ich die Synagoge des-^l^^ welche erst in neuerer Zeit wieder brauchbar gemacht worden ist, nachdem ein Erdbeben,il?r bedeutend geschadet harre. Aller Augen waren auf mich gerichtet, und am Schlüße des Gebets trug -man mir schon ein Mädchen zur Ehe an, während Niemand daran zweifelte, daß ich in Palästina bleiben werde. Meine Begleiter führten mich über unzählige Haufen von Steinen-, während ich beständig zu fallen, oder einen Lheil des abschüssigen Berges hinabzurollen fürchtete. Sie erzählten mir das traurige Schicksal dieser unglücklichen Stadt. Auf dem Abhange des Berges war sie erbaut; die Straßen bildeten schöne.Reihen, und am Abende soll sie einem leuchtenden Berge ähnlich gewesen sein. Dq plötzlich stürzte sie in einem Erdbeben zusammen, und begrub den größten Lheil der Bewohner unter ihren Trümmern. Im Jahre 1834 erfuhren die unglücklichen Israeliten ein noch härteres Schicksal. Die Muselmänner warfen sich über sie her, plünderten und mordeten, und hielten sie, da sie sich in den festen Pallast des Joseph ben Guriongeflüchtet hatten, hier vier Wochen lang gefangen. Wüthend riefen sie ihnen zu Aat felous Jahoud (Gieb Geld Jude!), entehrten auf den ausgebreitercn Gesetzrosien ihre.Frauen, und begingen alle mögliche Schandtaten.—*) (Fortsetzung folgt.) ') Wir haben hierüber Berichte in Nr. 147 v. I. und Nr. 5. 15. d. I. gegeben. ' Redakt. / Bemerkungen. Die Einsendung des Herrn 1. P.in P. könnte wohl ausgenommen werden, müßte aber noch' eine Zeit lang anstehen, wegen Hausung des Materials. Die Correspondenz des Herrn A. \Y. A. E. in 8. ist uns sehr angenehm. Die.Mittheilungen des . Herrn vr. L. A. F. in W. jTnö uns sehr angenehm, und würden.wir auch einige poetische Produkte, sofern sie für unser Gebiet angemessen sind.,, .gern, empfangen. Die Correspondenz des Herrn B. A. E. in AV....r würde uns sehr angenehm sein, obschon wir von-dem eingesandten Artikel keinen Gebrauch machen können. . ' - . ' Wir machen wiederholt aufmerksam, daß wir anonyme Artikel durchaus nicht berücksichtigen, weshalb, wir die mit G... in H. in M. Unterzeichnete, so gern wir sie auch aufnähmen', liegen lassen müssen. Redakteur: vr. L. Philipps,»». — Verlag von Baumgärtners Buchhandlung. — Druck von I. B. Hirfchfttt.