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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-02-26 · Heft 25 (26.2.1839) · p. Seite 100

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 25 (26.2.1839)
Date
1839-02-26
Page
Seite 100 (sequence 4)
Language
German
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100 des Lhariags versuchte?! Ermüdet bin-ich nicht. Denn daß die Widerlegung fast aller dieser Behauptungen offenbar so federleicht ist, das ist eben der Jammer. Müde aber bin ich, müde des harten Wortes, des schonungslosen Ausdrucks, bie einzig und allein solchem Maßwerk gebühren. Also sollte es nicht sein unter uns. Bei der Wahrheit, die unserer Lehre schönster Edelstein ist, bei der Wahrhaftigkeit, die Jahrtausende herab unsere Literatur zierte, der wahrlich, die bekämpfte Unwahrhaftigkeit zum Schandfleck gereicht, bei der Wahrheit, die unseres Gottes Namem ist, beschwöre ich darum, fortan im Gebiete unserer heiligsten Angelegenheit nur die'ernsteste Wissenschaftlichkeit und die redlichste Wahrhaftigkeit auf unseres Volkes Altar als Spende zu weihen, daß man dann wirklich, ohne mit solcher Achtung selbst sich an der Wahrhaftigkeit zu versündigen, einander mit der Achtung begegnen könne, „die ein Freundder Wahrheit dem andern schuldig fei/' Menschen sind wir Alle. Dem Jrrthum Alle unterworfen. Aber das Streben nach Wahrheit sollte wenigstens allen unfern Worten ausgeprägt sein. Milde der'Ansicht, Schonung dem Jrrthum, aber keine Schonung der dreisten Unwissenheit oder Unwahchaftigkeit! Wer nicht Kenntniß genug hat, auch nur die ersten Schrittes zur Erkenntniß der Wahrheit in irgend einem Gebiete zu machen, , oder wer in irgend einem Gebiete menschlichen Denkens nicht Muth' genug hat, die .Wahrheit, so weit er sie erkannt, redlich auszusprechen, der schweige in dem Gebiete. Aber man zürne dem rauhen Worte nicht, das, wenn dann nicht geschwiegen wird, einem so.(chen Gerede zur Rettung der Wahrhaftigkeit -entgegenzutreten sich gemüßigt sieht. ——- Nachschrift. Nach mir nunmehr gewordener.Mittheilung aus Ham? bürg steht in No. 34 der Rechtsgutachten des R. M. Alaschkar kein Wort von der Thaciagbehauptung/ die nach Angabe des Vertheidigers wörtlich darin stehen soll, daß .nämlich jetzt jede einzelne Gemeinde berechtigt, sei, religiöse Einrichtungen.jeder Art (nicht nur lokale, und nicht nur auf mein und dein bezügliche, die außer Frage stehen)' aHzüschaffe.». Eben so wenig, wenn es etwa ein Versehen sein soll, in No.- 3ö. Dies muß natürlich meine in der Würdigung IX. ausgesprochene Vermuthung der gänzlichen Unwahrheit auch dieses Citats nur verstärken, und wird dies so lange als zugestanden angesehen werden müssen, bis der Vertheidiger das Errat gehörig nachweist, wozu ich ihn hiemit ausdrücklich auffo'rdere. ' Oldenburgs den 3. Febr. 1839. . Hirsch. Briefe des Herrn Dr. Loewe aus dem Oriente Zweiter Brief. Zafed, 6. Juli. 1833. Von hier ging ich nach Zeida (Zidin).. Hier wohnen vierzig bis fünfzig jüdische-Familien, die sich als Kaufleute, Handwerker und Lagelöhner recht anständig ernähren, außerdem angesehene Israeliten aus Derr el Ramar (der Sitz vieles Drusen uno Christen.) Auch der hiesige > Chacham ist wohl unterrichtet und ein angesehener Kaufmann. — Die Israeliten besitzen eine schöne. Synagoge 'und Lehrer, die^ der Jugend den nöchigen Unterricht, sogar in der arabischen Schrift, crtheilen. Unweit der Stadt zeigt man den Ort, wo der ehemalige Götze der Zidonier gestanden haben soll, und in einem großen Garten das Grab Sebulun's. °) Man.widerriet!) mir, zu Lande nach Acre zu reisen, da die Berichte über Unsicherheit der Wege immer ungünstiger wurden. Ich bestieg also ein Schiff und befand mich, nach Verlauf von kaum zwei Lagen, an der Granze Palasiina's, da Acre schon theilweise zu demselben gerechnet wird. — Pie Brittische Flagge über dem Hause des würdigen^ englischen Vicckonsulen Sianor Finzi lud mich ein, in. sein Hau» zu kretech. Er war abwesend, und sein Lurgoman, ein wohlunterrichteter Mann, sagte mir, daß ich ihn in Labaria-finden würde. Hier ist, wiewol die Gemeinde nur aus zwölf bis fünfzehnisraelitischen Familien besteht, -eine schöne Synagoge und ein angemessenes Schulgebäude. Ich besuchte dies letztere, und examinirte mit Erlaubniß des Lehrers mehrere der Schüler im Arabischen, worin sie sehr gut bestanden.- Der Lehrer erhalt für jeden Zögling wöchentlich zwei Piaster oder 60 parrah (160 Piaster — 1 St. 1 Piaster hat 40 parrah.) Nach-dem Morgcngebete beginnt der Unterricht und datiert diü Abend. Mittags ist eine Ruhestunde, i-n welcher die Schüler mit Melonen und Vrod gespeist werden. Eine Stunde vor Sonnenuntergang versammeln sich die Gelehrten im Vorhofe, um im Sohar^ Lalmud und in der Lora zu lesen. - Ich traf hier auch mehrere jüdische A'crzte. — ~ Per Gouverneur des Ortes bot mir sehr freundlich, sein Hausen; ich'zog es jedock vvr, bei einem Israeliten zu wohnen, da ich hier mehr Gelegenheit hatte, etwas über unsere in der Umgegend wohnenden Glaubensgenossen zu erfahren. Meine Diener, die ich in Damascus angenommen hatte, verließen mich hier wegen der täglich zunehmenden Gefahr. Was sollte ich nun anfangen? Der Weg zurück nach Bairout war eben so unsicher als dernach Zafed; ich mußte also gerne oder ungerne einige Lage in Acre bleibcn, bis die Nachrichten etwas befriedigender wurden. Hundert Piasterbor.ich für einen Begleiter /bis nach Zafed (1-r Lagereisen), doch Niemand wollte sich darauf einlaffen. Gut bewaffnet begab ich mich nun, deü langen Wartens müde, in Gesellschaft zweier Maulescltreiber auf den Weg, denen ich durch die Worte: Chissli allah (Meine Zuversicht ist Gott) neuen Much einflößte. Sie erwiderten: kn sclia alla mafisch chof (Wenn es Gott gefällt, .so ist kerne Gefahr.) Doch> die Wahrheit zu gestehen, bedurfte ich selbst am meisten der Ermuthigung, besonders als mein Moukeri (ein Pferde- und Mauleselvemncther) dem Knechte die gespannte Flinte mit den Worten: „Oess'ne deine Augen," in die Hände gab und dann , um kehrte. — _ (F ortsetzung folgt.) °) ES fei hier ei« für allemal bemerkt, daß Herr Dr. Löwe die Angaben der jüdischen Einwohner ohne weitere Untersuchung so wieder» giebt wie er sie empfangen hat, ohne sich für deren Richtigkeit zu ver. b'üraen. Jedenfalls verdient eine Tradition, .die sich Jahrhunderte Hindurch erhalten hat, einige Aufmerksamkeit. Redactrur Dr. L. Philippfon. — Verlag von Baumgartners Buchhandlung. — Druck von I. B. Hirschfrld.

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