Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 23 (21.2.1839)
- Date
- 1839-02-21
- Page
- Seite 92 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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- Aleppo 1× ep/1047811
- Beirut 1× ep/1047833
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92 sen in Bezug auf das Amsverbot kennt, selbst aus Kaufend Verkaufs-Verhältnissen auch jeden Schein von Zins zu entfernen, kann über eine solche Behauptung nur lächeln. (Fortsetzung folgt.) Cor r. e s p o n d e n z e n. Aus Amsterdam. Angelegenheiten Paläftina's (Schluß.) In einem andern Briefe aus der Umgegend Zephats vom Syndicus der Israelitischen Gemeinde, der nach Zephath geschickt wurde, vom 21. Schebat (27/Jan.) d. I. an denselben ist eingangs fast dasselbe in anderen Worten erzählt. Hier heben wir nur einiges heraus, das wir aus dem vorigen Briefe noch nicht wissen. „In einem Nu kamen die Theuercn alle um und ihr Geist stieg gen Himmel von den Frommen und Edelen allen.( Seit 5)ct Zerstörung des Lenrpclö war wol.keine ähnliche als in den Städten, .den heiligen Zephath und Liberias. Vierzehn Synagogen sind in ersterer Stadt allein bis zum Grunde zerstört worden und sammr ihr»m heiligen Inbegriff vernichten Die angesehensten Männer fanden in" ihren Häusern ihr Grab. Wehe , uns! daß solches in unseren Lagen sich ereignete. . Als die Nachricht von der Frau des Rabbi Israels, die sich glücklicherweise während der Abwesenheit ihres Mannes in'Jerusalem, mit ihren Löchtern in den warmen Badern Li b erias befand, uns zu Ohren kam, zerrissen wir nach heiliger Sitte unsere Gewänder, und unser Schmerz war gränzenloS. Wir wählten aus unserer Gemeinde Leute, und unter ihnen geübte Lodtengräber um in gewohnter Ehrenbezeugung die Lodte zu Grabe bestatten zu können. ' Um die Geretteten zu stützen, borgten wir eine Summe auf, die wir mit uns nahmen, und also machten wir uns auf den Weg. Als wir nach Liberias kamen, fanden-wir keinenWohnort, wo wir übernachten konnten, denn Stadt und Mauer war ein Schutthaufe. Die geflüchteten waren theils beschädigt,'theils verkrüppelt'durch das eingestürzte Gemäuer, und wohnten .in Zelten, außerhalb der Stadt. Keine Familie war da, die nicht mehrere Lodte beweinte. Da ein jeder für die beschleunigte Ausgrabung seiner Angehörigen besorgt war, stieg der Arbeitslohn zu einer unerhörten Höhe; man zahlte den Lagelohn mit s64 Tags, darauf kamen wir hierher, und wir sahen BeweinenSwertheS. Wir mielheten Arbeiter, die Steine hinweg zu schaffen, um den Erschlagenen die letzte Pflicht erweisen zu können, und fanden unter. ihnen den berühmten Gelehrten Rabbi Eiieser Marcus aus Slanimo, den durch-seine Frömmigkeit ausgezeichneten Rabbi Äoseph aus Lcherkow, in seinem Lhephilin, mit einem Büche vor sich (er haste grade im. Bethhause gelehrt, als das Schreckliche geschah) und außer ihnen noch viele andere, die ich nicht alle aufzuzähsen vermag. -Unsere Brüder, die sich gerettet, wohnen in Zelten, und, der Regen stürzt auf sie herab. Weder Kleider■ noc^ Decken erwärmen die erstarrten Glieder, denn sie haben nichts, nicht eininal Schuhe an den Füßen; auf die schleunige Rettung bedacht, haben sie nichts retten können. Jedes Ge- - sicht ist von Gram und Harm gefaltet. Ein Lheil von ihnen ist I überdies noch geplagt von schweren schrecklichen Leiden. Dem ist die Hand, dem anderen der Fuß zerschmettert. Hier seufzt der eine, dort jammert der andre über seinen Verlust; von allen Seiten dringt' Klageichrei zu Ohr'. Ein jeder giebt alles'hin für die Ausgrabung seiner Lodten, und verlechzer dann aus Nolh an der Straße Ecken. Ach! wir haben gar sehr zu klagen über das unschuldige Blut dieser edlen frommen Erschlagenen! 'Möge der Allgütige sie wohlgefällig in höheren Räumen, unter seinen himmlischen Schutz aufnehmen! . Wir können noch nicht die Zahl genau angeben von denen die /umkamen, doch wurden gegen zwei' Drittheile der Gemeinde, die in der Stadt wohnte , verschüttet; von denen die am äußersten Ende wobntcn, blieb etwa die Halste' am Leben. Da in der Stadt kein Wohnhaus übrig ist und die wenigen Lrümmer ohne Lebensgefahr nicht bewohnbar sind, so haben wir Wittwen und Waisen nach Jerusalem hingesandr, und schicken auch unS an, mit den geredeten Brüdern dorr hin zu ziehen. Möge es dem Herrn, gefallen nicht fürder solches Leid unS züzufchicken! Der Arbeitslohn für die Ausgrabung der Lodten und des errettbaren Vermögens stieg auch hier zu einem unmäßi-. gen Preise, so daß wir um die Leiche der goktesfürchtigen Frau' Sara von Meferitz auszugraben f 65 gehen mußten. Wir mußten vom . neuen borgen, zur Bestreitung der Kosten und Verabreichung nothwendiger Unterstützung und unsere Schuld wuchs zu der ungeheuren Höhe von 5000V Grosch Cf6500) heran. Das Elend aber bleibt, trotz unserer Anstrengung bei den geringen Mitteln, die uns zu Gebote stehen, unmäßig groß. Der Jammer ist nicht zu beschreiben , herzzerreißend ist anzuhören, das Geächz und Jammergetön der Kränken und Gebrechlichen, die-keine Mittel für ihren Schmerz finden, kein'Arzt, Hein Verband mildert ihre Leiden. Wir harren auf Gott, daß er durch seine Allgewalt, die Plagen lindert, die Geplagten von Verderben errettete. Wir selbst sind.ob der Mühe, Kummer und Angst, alle wie berauscht. Möge der Herr unseren'Geist und unser Herz stärken, ferner unserem Berufe vorzustehen." ü. s. w. In einem 3ten Briefe aus Beirut vom 25. Adar (2. Marz) d. I. vom Vorsteher Herr Raphael Isaak Alp han d ari, sind uns genaue detaillirte Berichte zugekommen. Dieser nennt uns die Städte und Dörfer, deren Anzahl, wie bereits erwähnt, sich auf 30 belauft; die durch dieses Erdbeben mehr oder minder zerstört worden sind, und giebt uns die ungefähre. Anzahl 4000 für fämmrliche dabei ümgekommenen Israeliten an. Cr zahlt uns die allgemein bekannten Gelehrte auf, die an diesem Lage umkamen, und wieder die, die theils beschädigt, theils unbeschädigt gerettet wurden. Auch er berichtet uns in den ergreifendsten. Ausdrücken die Schreckens- und'Jammer--Scenen dieser Gegend,' (denn er war Augenzeuge der großen Noth) und bittet, in den rührendsten Worten um schleunige Unterstützung bei seinen entfernten Glaubensgenogen." u. j-. w. Ganz mit diesen Briefen übereinstimmend, doch nur summarisch, hat uns das Unglück.auch,dor General-Consut unseres allergnädigsten Königs der Niederlanden, in den Seehäfen Syriens, Herr Cavalier Moses de Picciotto zu Aleppo und der Herr Bice-Consul. P.'Laurella zu Beirut berichtet; letzterer hat noch hinzugefügt,^ daß die edlen Europäer daselbst alsbald eine Collecte veranstalteten, zur Unterstützung deüVerunglückten und daß diese dem erwähnten Herrn A lp han darr überreicht wurden, um sie in Person dort zu vertheilcn. Auch die Europäer zu Cairo haben eine Collecte zu/diesem Zwecke veranstaltet." DaS dritte Sendschreiben von nlt. Ellul desselben Jahres hat nur den Zweck,, das Publikum vor den Boten eines Theils der deutschen Gemeinde der Perusim in Jerusalem zu warnen, die eine neue Synagoge bauen wollten , während sie schon eine besäßen. Die Einnahmen für die durch das Erdbeben Betroffenen, beliefen sich auf/12317, wovon f2928 auf Niederlande, /8243 auf Deutschland nur s1145 auf Frankreich kamen. Am meisten sticht die kleine Gemeinde Hürben in Baiern hervor, mit f271. wogegen Berlin nur f 192, aber Hamburg f!182 geleistet/ Redacteur r vr. L. Philrppson. — Verlag von Baumgartners Buchhandlung. — Druck von I. B. Hirfchfeld.