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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-02-21 · Heft 23 (21.2.1839) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 23 (21.2.1839)
Date
1839-02-21
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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I». Jahrgang. Allgemeine No. 23. Zeitung -es Zudenthums. Ein unpartheiisches Organ für alles jüdische Juteresse (Mit Königs Sächsischer aüergnävigstrr Eoucesiioa ) Leipzig, den 21. Februar 1839. ' , ■ Zeitungsnachrichten. Karlsruhe den 10. Febr. (Privatmitth.). Am 23.' v. M. beschloß dahier der Großh. Bad. Hofbanquier Salomon von Haber (aus Breslau gebürtig), Ritter des Zahringer Löwenordens und Mitglied des Grosh, Obrrraths der Israeliten, sein noch bis vor einem Jahre sehr thatiges Leben, und verdient dessen am 27. d. M. ftattgehabtes Leichenbegangniß um so mehr, veröffentlicht zu werden, weil dasselbe einen erfreulichen Beweis liefert, daß auä) in ünserm Vaterlande Menschenliebe und Duldung in einer gedeihlichen Entwickelung. begriffen sind. Der Verstorbene hatte sich nämlich während einer Reihe von Jahren des Vertrauens unserer hohen Landesfürstfn/ so wie der Ächtung seiner Mitbürger zu erfreuen, und wurde auch bei der Bestattung seiner Leiche der Ausdruck jener Gesinnungen auf eine sehr lebhafte und menschenfreundliche Weise an den Tag gelegt. Es wurde demselben die überaus ehrende Auszeichnung zu Theil, daß zur Verbringung seiner Leiche an die Grabstätte von Seiten des Großherzoglichen Hofes Trauerpferde aus dem Großherzogl. Marstalle sowie mehrere Hofbedienten angeboren wurden. Dem menschenfreundlichen Beispiele' unseres allergnädigsten Landesfürsten folgten dann die hiesigen städtischen Behörden, und boten dazu auch, da die hiesigen Israeliten keinen eigenen Leichenwagen besitzend), den zur Bestattung christlicher Leichen bestimmten städtischen Wagen. Beiderseitiges Anerbieten fand wie natürlich bei den Hinterbliebenen sowie bei den Israeliten überhaupt eine sehr freudige Aufnahme, und wurde auch mit dankender •) Es hat sich im November 1836 durch die Veranlassung und unter der Leitung des Rabbrnats-VerrveserS Herrn Millstätter dahier ein Verein (nllnn „zur Handhabung der gesetzlichen Ordnung bei Leichenbegängnissen" gebildet. Die Ordnung besteht nach den in dessen Statuten enthaltenen Bestimmungen, im Wesentlichen darin: Bei jedem Sterbefalle werden vor Abgang der Leiche die zum Tragen und. Abwechseln nöthige.Anzahl Personen bestimmt, außer welchen innerhalb der Stadt Niemand zum Tragen zugelassen wird.. Alle die die. Leiche begleiten wollen, müssen in anständiger und dunkler Kleidung erscheinen, und folgen dem Sarge in schicklicher Ordnung paarweise hintereinander. Indem wir die Zweckmäßigkeit' des .Vereins!an- -erkennen, haben wir nur den bescheidenen Wunschbeizufügen, daß der löbliche Vorstand desselben über den Vollzug der festgesetzten Bestimmungen, mit mehr Ernst und Energie Mche;" allerdings ein pium desideriam, in Rücksicht der Wirksamkeit der israelitisch-religiösen Vollzugs-Behörden, unseres Landes überhaupt.— Anerkennung angenommen. So sah man die Leiche eines Israeliten an die Ruhestätte verbringen, untec^ Ehrenbezeugungen, die .noch keinem Israeliten in > hiesiger Stadt je zu Theil geworden sind. Den Leichenzug eröffneteein Hofbedienter in Hof-Livree und mit dem Marschallstabe in der Hand, als Trauer-Marschall; es folgte der mit dem Ehrenzeichen des Verstorbenen geschmückte, mit vier Trauerpferden bespannte, und von Hofbedienten geführte Leichenwagen. Hinter demselben folgten die Söhne des Verstorbenen und die übrigen Leidtragenden, eine große Anzahl hiesiger Israeliten, sowie mehrere unserer christlichen Mitbürger, paarweise zu Fuße; sodann sowol im Namen der beiden hohen Glie- . der unserer Großherzoglichen Familie , unserer erlauchten Markgrafen, als der am hiesigen Hofe beglaubigten hohen Gesandschasten, und des übrigen hiesigen hohen Adels eine zahlreiche Menge von Ehrenwagen, sowie der Israelitische Geistliche, die Kommissare im Namen des Großherzogl. Oberraths und hiesigen Synagogenraths, und noch mehrere achtbare Personen christlichen und jüdischen Glaubens, zu Wagen, so daß sich die Anzahl der die Leiche begleitenden Wagen auf 40 belief. Auf dem Friedhöfe hielt der Konfecenzrabbkner und Rabbinats-Verweser Herr Elias Millstätter,' vor einer sehr zahlreichen Versammlung christlicher und jüdischer, Glaubensgenossen, über den Text: Chronik!. Kap. 29, v. 15. eine sehr passende und mit vielem' Beifalls aüfgenommene Leichenrede, in welcher derselbe zuerst in der Wandelbarkeit und Hinfälligkeit alles Irdischen die Schattenseite des Lebens, und dann in der Hoffnung auf das Jenseits, und der schonin diesem Leben stattsi'ndenden hohem Verbindung mit Gott und einer übersinnlichen Welt die Lichtseite desselben zeigte, und die Wirklichkeit dieser Doppelgestalt des Lebens, in dem Leben des Verstorbenen selbst nachwics. Auf dem. Friedhofe während der Begräbnißfeier, sowie im Laufe der Woche nach derselben wurden von den Hinterbliebenen unter die Armen aller Konfessionen, der hiesigen Stadt und der Umgegend reichliche Geldspenden verthe.ttt. So bildet dies' Leichmbegängniß ein schönes Denkmal der, Menschenliebe Und Duldung, und ist für den wahren Menschenfreund eine um so erfreulichere Erscheinung, weil man selten Gelegenheit-hat, jene erhabenen Tugenden in so schönem Einklänge vereint zu sehen. Wir schließen unfern Bericht mit dem innigsten Wunsche, daß dies vom Herrscherthrone uns gegebene Muster allgemeiner Menschenliebe, auch bei den untern Ständen des Volkes Anklang und Nachahmung finden möge, damit jene friedlichen Him-

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