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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-02-16 · Heft 21 (16.2.1839) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 21 (16.2.1839)
Date
1839-02-16
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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iii. Jahrgang. Allgemeine No. 21. Zeitung -es ZudentHums. Ein unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. ^Mkt König». Sächsischer allergnädigster -Con^esswn.) Leipzig, den 16. Februar. 1839. ZeitungsnachrLchten. Itzehoe, 16. Jan. Wir lassen hiet noch einen weitläusigern Bericht über die Sitzung vom 22. Nov. aus der Leipz. Allg. Zeit, folgen: In der 4l. Sitzung am 22. Nov. stand auf der Tagesordnung die Motivirung einer Unterstützung der von dem Vorstande der deutschen israelitischen Gemeinde zu Altona eingereichten Petition um Verwendung bei dem Könige für die Gleichstellung der Bekenner des mosaischen Glaubens mit den christlichen Unterthanen hinsichtlich bürgerlicher Gerechtsame. In Abwesenheit des Abgeordneten für-Altona übernahm der Etatsrath Donner die Unterstützung derselben, jedoch nicht.ihrem ganzen Umfange nach. Er trug darauf an, daß die Ständeversammlung eine Petition beschließen wolle, dahin'gerichtet, daß eS dem Könige gefallen möge, der nächsten Versammlung einen Gesetzentwurf vorlegen zu lassen, zur Verbesserung der Lage der zum mosaischen Glauben gehörigen Bewohner des HerzogthumeS, mit Berücksichtigung der Rechte und des Interesse der übrigen Bewohner desselben. Er hoffte, daß sich die Versammlung um so gewisser für^ein Comite zu diesem Zwecke vereinigen werde, da nicht nur Diejenigen 'dafür stimmen würden, welche in d-erGlaubenSverschicdenheit keine durchaus erforderliche Nothwendigkeit einer staatsbürgerlichen Trennung, erblicken, sondern auch Die, welche in gewissenhafter Religiosität solche Trennung für nothwendig erachteten, in dem so beschränkten Anträge nichts ihrer Ueberzeugung EntgegenstehendeS finden würden. Unterstützt ward der Antrag von mehren Mitgliedern, und namentlich wollte der Abgeordnete Gählcr die Unterstützung gewissermaßen als eine Handlung der Billigkeit und Gerechtigkeit von Seiten der Ständeversammlung betrachtet wissen. Die mosaischen Glaubensgenossen trügen vcrhältnißmäßig zu den Staatslasten bei, entrichteten außerdem ein Schutzgeld und würden künftig.durch die beantragte Hausirerordnung einer neuen Beschränkung unterworfen werden. Noch wies der Abgeordnete d'Aubert auch, auf den Artikel 18 der deutschen Bundesakte hin, wodurch die bürgerliche Verbesserung der Juden in allen .deutschen Staaten zum Gegenstände der Berathung der Bundesversammlung gemacht worden, wonach denn in fast allen Bundesstaaten während der letzten 23 Jahre Vieles zur Verbesserung ihrer Lage geschehen sei; nur in Holstein sei bisher noch nichts' dafür gethay worden. Pastor Man belehrte noch die Versammlung, daß die Juden gefangen geführt worden seien unter alle Völker nach der Weissagung des von ihndn verworfenen Messias; daß sie seit der Zerstörung Jerusalems aufgehört hätten, ein eignes Volk zu sein, und auch jetzt noch zerstreut unter den Völkern der Erde leben; daß sich hierin von dem christlich-theologischen Standpunkte auS der Finger Gottes offenbare, weil ihr Volk einst den Heiligen deS Herrn verworfen habe. Von einem Drucke der Juden, namentlich in den Hcrzogtbümern, könne eigentlich gar nicht die Rede > sein. Jndeß könne wol einem christlichen Staate daran gelegen sein, den Juden größere Rechte einzuräumen, um nicht durch zu große Beschränkungen eine moralische Verschlimmerung derselben insonderheit durch den Schacherhandel herbeizuführen. Wichtiger noch sei eö für den christlichen Staat, daß die Juden durch die ihnen einzuräumenden Rechte geneigt gemacht würden, Christen zu werden. Graf Holstein fand bie- Erthcilung des Bürgerrechtes an die Juden bedenklich, unbedenklich dagegen die Zulassung zu Handwerken und die Erwerbung von Landbesitz. Im weitern Verlaufe der Verhandlung bemerkte der Propst Callisen, daß die Juden auch städtische Verpflichtungen hätten, wie z. B. in Rendsburg hinsichtlich der Vertheidigung der Festung, und nachdem noch mehre Abgeordnete für und wider den Antrag gesprochen, bemerkte der Abgeordnete Lorenzen: „Wie fyr Antrag vorlicgt, scheint mir damit den Israeliten nur ein Compliment gemacht, werden zu sollen. Wir aber sind hier nicht versammelt, um Cvurtoisie zu üben, sondern um freie offene Rede zu fuhren. Wenn den Israeliten nur solche Rechte eingeraumt werden sollen, durch welche unsere christlichen Mitbürger nicht beeinträchtigt werden, dann wird ihnen wenig geholfen sein." Der Abgeordnete Wiese erwiderte hierauf, man könne doch die bisherigen Ungerechtigkeiten beseitigen, die zum Beispiel darin bestehen, daß sie zur Unterhaltung der christlichen. Armen mit beitragen müssen, ohne Reciprocität. ES ward hiergegen erinnert, daß dieser Punkt sich nicht überall so verhalte, und Burchardi fand es eines Staates unwürdig, die Juden als eine Pariakaste'anzusehen. Mit Ausnahme von drei Stimmen ward die Verweisung an ein Comitö beschlossen. Venedig, 20. Jan. (Privatmitth.). , Eine seit meinem letzten Berichte (Nr. 122. 123. v. I.) mit der hiesigen Religions-Schule getroffene Veränderung verdient in Betracht ihres vortrefflichen Zweckes,-und des.. Guten, das sie.für^re,,Lu.k.unst-hoffen-läßt>-emig«---Drwährmng. Es ist nicht zu läugnen,,daß es mit dem sittlichen Zustande des niedern Volkes noch immer nicht: ganz nach Wunsch aussieht, Und eine immer steigende Verbesserung desselben, muß das immerwährende Augenmerk des wahren- Menschenfreundes sein^ dem es jetzt schon so erfreulich entgegentrktt, daß der so oft vorgeworfene Trödel- und Hausichaudel unter demselben täglich abnimmd, und andre Gewerbe an dessen Stelle treten. Der bloße Religionsunterricht in den Schulen kann dem Uebel nicht abhelfen, so lang die Verwahrlosung der Kinder in den freien Stunden fortdauert. Es wa-

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