Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 18 (9.2.1839)
- Date
- 1839-02-09
- Page
- Seite 72 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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72 \5ftn 10. Mai verließ ich Alexandrien, und ging auf einem englischen Dampfbovle. nach Beirour; hier mußte ich eine einundzwanziglagige Quarantäne aushalten. Nach Verlauf dieser Zeit wollte ich eben meinen Fuß nach Bei-rout setzen, als ich erfuhr, daß daselbst die Pest auSgcbrvchcn sei. Um nun nicht eine neue Quarantäne ausdalten zu muffen, ließ ich Bcirout, ohne. cS gesehen zu haben, liegen, und machte mich rasch nach Auroura auf. Von da gmg ich nach Tripolis und . .. durch das herrliche Thal Canabin nach Baalbei, wo ich mich drei Tage aufhielt, und von dort nach Damaskus. -Unzählige Gerüchte von Mordthaten und Räubernen, die auf diesem Wege verübt sein sollten, hatten mich beunruhigen können, wenn mein Führer ihnen nicht immer mit der größten Gewißheit widersprochen, und außerdem für eine möglichst sichere OCctfe Sorge getragen hätte. In Sibdina (ein Dorf, eine Tagereise von Damaskus entfernt) erfuhr ich, daß der Enkel des Emir Besch-ir-, des Goüvcrneurs der Syrischen Gebirge deren Bewohner die Moronilen sind°), mit Truppen ausgerückr sei, die Straßen von Räubern zu reinigen; und nun reiste ich'allein (meinen Diener batte'ich in Baalbei zurückgelaffen) in der Gesellschaft von Mauleseltrerbern nach Damast. Von der Ferne gewährt Damaskus einen herrlichen Anblick. Mit Recht vergleicht es ein Engländer mit einer in Diamanten gefaßten Perle. ES ist mit unzähligen Gärten umgeben. Die Straßen sind eng, und mit schlechtgebauten Häusern besetzt, wie es im Orient gewöhnlich ist. Dennoch sind die Srryßen.reiner als in Cahiro, und einige Häuser sind so elegant gebaut, daß man sie den Reisenden als merkwürdig zeigt. Unter diesen zeichnen sich besonders die Häuser der Familie Farchi aus. Die Verzierungen -van denselben werden auf nicht weniger als 4000 Sr. angegeben?-. Mitglieder dieser Familie waren die vornehmsten Bankiers ^der Paschas und verwalteten die Ausgaben und Einnahmen dieser Provinz. Erst seitdem Regierungsantritte Ibrahim Paschas hat ihr Einfluß aufgehört, und jetzt leben sie von allen Geschalten zurückgezogen. Ihr Großvater Chajim Farchi hatte das Unglück beim Pascha in Ungnade zu fallen; es wurde ihm die Nase abgeschnitren, seine Güter eingezogen und er selbst inö Gcsängniß geworfen. Seine Tochter, ein Mädchen von außerordentlicher Schönheit, wagte einen kühnen Schritt zur Rettung ihres Vaters. Heimlich schiffte sie sich nach Konstantinopel ein, und laut jammernd stürzte sie vor dem Pferde des Sultans nieder, welcher eben in die Moschee reiten wollte. Gnädig hörte der Fürst sie an, und — der befreite Vater kehrte mit der glücklichen Tochter nach Hause. — In der Zwischenzeit war auch sein Nachfolger in Ungnade gefallen, und war gehängt worden. Farchi würde nun wieder eingesetzt, aber sein Glück sollte nicht lange dauern. Verläumdungen trafen ihn aufs Neue, und nun war sein Untergang beschloffen. Der Pascha ließ ihn vor sich kommen, und vor seinen Augen von einer hohen Treppe hinabstürzen. Halb zeiffchmettert verrichtete er noch ein kurzes Geber, und dann machte der Strick seinem Leben ein Ende. Auch seinen tobten Körper schien der Pascha zu hasten, denn er ließ ihn ins Meer werfen. — Das HauS dieses Farchi steht noch jetzt und wird wegen seiner P^acbr den Reisenden gezeigt. Ich wurde dieser Familie durch den Chacham.Maimoun empfohlen, einem Manne, der unentgeldlich im Dienste der Gemeinde steht. Er ist Kaufmann, und sobald seine Geschäfte nur irgend besorgt sind, lebt -er den Studien. Ein zweiter, Chacham Jacoub, wird von der Gemeinde besoldet, unterrichtet aber alle nach Lora strebenden Jünglinge. Ich« traf diesen letzteren in dem Hause Refael Farchi'S, als er eben für die Seele des Verstorbenen Stücke aus dem Sohar ablas. — Ich gebrauche den Ausdruck ablesen, weil cs nur auf das Lesen, nicht auf daS ^Verstehen ankömmt. — (Fortsetzung folgt.) *) Christ«,, die ihren Messias nennen. Anzeigen. ' Zn demselben werden Annoncen aller Art gegen I Gr. .Gebühren für die gespallene Zeile aus Peut-Lchrift oder deren Raum anfgenommrn. , Die Verla gshandlung. „ ■ ' G c f st ch. Ein geprüfter, praktisch geübler Lehrer, welcher auch im Hebräischen und Rabbinischen gründlich unterrichten ,und auf Verlangen zugleich das Schachteramt versehen kann, sucht eine Gemeindeftelle. Das Nähere ist durch frankirte Briefe unter Adresse J-I. S; bei der Redaktion dieser Zeitung zu erfragen. Ein geprüfter Lehrer, der so wol im Talmud, und in der hebkäischen Sprache, als auch in der lateinischen, französischen und. englischen Sprache/ gründlichen Unterricht ertheilen kann, der im.Klavierspielen bewandert ist, und auch als Schächter, Cantor, und Prediger fungiren kann, wünscht in einer der obigen Qualitäten eine Stelle im Großherzogthume Posen zu erhalten. Darauf ceflektirende Gemeindest, können ihre Briefe zur weitern Beförderung unter ö. D.F. an die Verlagshandlung dieser Zeitung richten. Ein Mädchen israel. Religion, dessen Vater den Rang eines höheren Sraatsbcaniten bekleidete, sucht eine Stelle als Gesellschafterin , oder Gouvernante, in einer gebildeten Familie. Nähere Auskunft eriheilt die Verlagshandlung dieses Blattes. Der Unterzeichnete beehrt sich, einem geschätzten Publikum ergebenst, anzuzeigen, daß er gesonnen ist, eine Pensionsansialt für Söhne israel. Aeltern zu eröffnen. Diejenigen jungen Leute, welche sich zu den akademischen Studien vorbereiten wollen, finden dazu in dem hiesigen, mit Recht im bessern Rufe stehenden Gymnasium, vortreffliche Gelegenheit, wahrend die hiesige, sehr wohl eingerichtete Gewerbe- und Realschule vollkommen geeignet ist, junge Leute, die sich der Handlung oder anderen höheren Gewerben widmen wollen, mit den erforderlichen Schulkenn kniffen zu versehen. Den Unterricht in der Religion und im Hebräischen, Nachhülse in den aufgegebenen Schularbeiten, so wie gewissenhafte Beaufsichtigung und Pflege der Zöglinge übernimmt der Unterzeichnele selbst, über dessen Person der Herr Kaufmann M. Greiling, und das Banquiechaus H. C. Plaut hieselbst Auskunft zu geben gern bereit sind. Aeltern und Vormünder, die ihre Söhne oder Pflegebefohlenen dem Unterzeichneten, welcher selbst Familienvater ist, anvertrauen wollen, belieben, sich wegen der möglichst billigen Be-! dingungen in frankirlen Briefen zu wenden an: A. I. Cohn, Prediger und ReligionSlehrer der Israel. Gemeinde zu Nord Hausen. Redacteur: vr. L. Philipps»«. — Verlag von Baumgartners Buchhandlung. — Druck von Z. B. Hirschfeld.