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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-02-02 · Heft 15 (2.2.1839) · p. Seite 16

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 15 (2.2.1839)
Date
1839-02-02
Page
Seite 16 (sequence 8)
Language
German
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16 behaupten, daß es Zeit sei zu -einer volkstümlichen Begründung derselben, denn dann'erst wäre es möglich, die Eingebungen des Einzelnen vor das Forum der Gesamnktheit zu bringen, und was von dieser als probehaltig erkannt ist, den wahrhaften Thatsachen unserer Sendung anzuceihen. Diese Ansicht von neuhebräischer Sprache und von dem, wozu sie da ist, nehme ich zum Maßstab der in ihr erscheinenden Produkte und für dieses Mal, zum Maßstab des Eingangs'genannten Schriftchens des Herrn S. Brick. Es ent-' hält die Beschreibung eines Schiffbruches, die Uebersetzung einer von ihm in England gehaltenen Predigt, eine Abhandlung über die Wahrheit und noch einige'Kleinigkeiten. Wissenschaftlich zu fördern mit der letzteren Abhandlung hat der Verf. wohl im Ernst gar nicht beabsichtigt; homiletisches Talent ist ihm nicht abzusprechen, wenn er. im Stande ist, die Sprache des Volkes,.vor welchem er predigt, so gut zu .handhaben, wie die hebräische; weniger läßt sich von der Exegese sagen, die hier und da eingestreuet ist. * Aber das Vortreffliche dieses Büchleins besteht in seinem ästhetischen und sprachlichen Gehalt. Die Beschreibung des Schiffbruches ist lebhaft und anziehend, in der Abhandlung über die Wahrheit ist S. 59—67 die immer mehr sich ansdehnende Gewalt der Lüge meisterhaft schön geschildert, und besonders erhebt er sich S. 66 zu einer wahrhaft lyrischen Höhe. Der hebräischen Sprache ist er in einem/ solchen Grade mächtig, wie nur sehr wenige der Zeitgenossen, und wenn wir in'der Uebersetzung von Hamlets Monolog, den er S. 88 eingeflochten hat, die epigrammatische. Kürze des Originals in der Thal vermissen, so müssen wir doch Herrn Brick einräumen, gemacht zu haben, was ein hebräischer Scribent aus Shakspeare's Text hat machen können. Gegen die Grammatik hat er zuweilen gesündigt, 'nicht aber wollen wir es ihm anrechnen, daß sein Hebräisch nicht immer aus der Bibel belegt werden kann. Warum sollten Wörter, wenn sie nur richtig gebildet , werden, nicht eben so gut von uns gemacht werden dürfen, als von unfern Altvordern? oder warum sollten, die von Alters her da sind, keine Modifikazion ihres Sinnes zulassen, da die Sprache der Bibel und jede andere dafür, tausend Analogien darbietet? Ich wünsche dem Schriftchen viele Leser. Literarische Correspoudeuz. Paris. (Schluß.) Den.Aufsatz über dfe persische Uebersetzung sängt Munk «it folgenden Worten an : „Die Uebersetzungen der Bibel in ihre Landessprache sind die einzigen literarischen Ärbeiten, welche wir von den Persischen Juden kennen, seit dem Verfall der berühmten Rabbinenschulen deS Orients (gegen das Ende des 10ten Jahrhunderts). Jsolirt immer mehr und mehr von ihren übrigen Glaubensgenoffen, verschwinden die persischen Juden nach und nach in der Geschichte. Sie bleiben außerhalb deö/literarischen Lebens, daö so thätig und glänzend bei den Arabern sich gestaltete, und die Geschichtsschreiber thun dessen keine Erwähnung. Die persischen Uebersetzungen sind daher für uns geschichtliche Dokumente von hohem Interesse; sie zeigendaß die religiösen Studien wenigstens nicht ganz in Persien vernachlässigt wurden, und die exegetische Methode, die in diesen Uebersetzungen angenommen ist, beweist, daß die persischen Juden den rabbinischen Traditionen ■ treu waren, welche in diesem Lande so große Entwickelungen erlitten hatten. Die königl. Bibliothek zu Paris ist die einzige in Europa, welche eine ziemlich vollständige Sammlung der persischen Uebersetzung der Bibel-besitzt. Sie befinden sich unter den hebräischen Manuscripten, denn sie sind mit hebräischen Charakteren geschrieben, -und theilweise begleitet vom Texte. (S. gedr. Katal. Manuscpt. heb. No. 84. 35. 38 —47. St. Germam-des-Pies No. 224. 236. 513. und No.' 14. 15. 514 ebenda.)" So ist eS denn auch Munk, der uns hier einiges Genauere über diese persische Uebersetzung zuerst mittheilt. Zuerst erweist er, daß die persische Uebersetzung deS Pentateuchs in der Polyglotte von Konstantinopel 1546 von einem Rabbi Jacob TawoS erst für diese Polyglotte gemacht sei. D'.eser scheint eine andere Version (cod. 34 und 35) benutzt haben, hat sich aber knechtisch treu an dem Text gehalten. In allen diesen Versionen weht ein Geist, dieselben persischen Wörter für die hebräischen auch in den. verschiedenen Büchern, dieselben geographischen Benennungen, so daß sie wenn nicht von demselben Vers., doch auS derselben Zeit und Schule sind. Jesaja und Jeremia sind nach dem Coirnnentar des Kimchc gearbeitet. Munk versetzt sie daher in die zweite Halste deS 13ten Jahrhunderts, Die Versionen sind sehr buchstäblich, schwere Stellen umschrieben, der persische. Styl sehr vernachlässigt, die Hebraismen höchst zahlreich, eine große Menge hebräischer und chaldäischer Worte, die ohne Zweifel in der Sprache der persischen Juden gewöhnlich waren. - ' Das Manuskript No. 236 vot» Germain-deS-PreS enthalt auch dne persische Uebersetzung mehrerer Apokryphen. 1) Die Geschichte des Tobias auS dem Hebr.-, .dessen Text 1542 von Seb. Münster herausgegeben ist. 2) Geschichte der Judith, gleichfalls nach einem hebr. Texte, der zum zweiten Male in Fürth 1784 . gedruckt. 3) Die Geschichte vom Bel und dem Drachen, nach einem hebräischen Texte, .der von einem europ. Robb, nach der griech. oder latein. Bibel gemacht worden. 4) Die apvkryphische Geschichte der Makkabäer, eine Uebersetzung der öpvbsa nbäa. Aber im Manuscript No. 45 findet man ein viel wichtigeres apokryphischeS Buch, eine Geschichte Daniels HEp, die auS einem unbekannten Targum/Daniels gezogen zu sein scheint. Man findet hier eine lange Prophezeihung Daniels, welche beweist, daß das Buch nach dem ersten Kreuzzuge geschrieben. ES ist darin nicht allein von Mahommed, und seinen Nachfolgern die Rede, sondernman spricht auch von einem Könige aus Europa, der bis DawaS geht, die Jsmaeliten tödter, die. MinaretS zertrümmert, die Moscheen zerstört ff. Von diesem Könige geht er unmittelbar zum MeffiaS über. D.ieseS höchst.interessante Schriftchen wird Munk mit einer Uebersetzung herausgeben. Die Arbeit des Herrn Cahen selbst hat upleugbar an Gediegenheit sehr gewonnen. Sein Werk tjt reifer, seine Anmerkungen durchdachter. Wir unterschreiben, mit Vergnügen die Worte deS Herrn Munk S. 73: „Man begegnet nicht mehr in den Noten des Herrn Cahen jenem etwas leichten Tone, der bisweilen anstoßen konnte, nach den Reminifcenzen der Philosophie des vorigen .Jahrhunderts, welche niemals Anklang gefunden unter den deutschen Rationalisten, von welcher aber ein französischer Rationalist konnte einen Augenblick befangen sein , ohne dafür die bitteren Vorwürfe zu verdienen, welche ihm gemacht worden." Redactcur: Dt. L. Philipps»«. — Verlag von Baumgärtners Buchhandlung. — Druck von I. B. Hirschfeld.

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