Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 15 (2.2.1839)
- Date
- 1839-02-02
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3224737-3225013-3225029--01600-3315484- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
hi. 3-hM.,g. Allgemeine No. IS. Zeitung -es ZirdenHuMs. Ein ünparcheiisches Organ für alles jüdische Interesse, in Betreff von Politik, Relktzkon, Literatur, Geschichte, Sprachsünde und Belletristik. . Redacteur: . >. Verlag von ©r. Lu-wig Philippfon, Baumgärtners Buchhandlung israelitischer Prediger i» Magdeburg. ztt Leipzig. (Mit Königl. Sächsischer aller-gnädigster Concesfion.) Leipzig, den 2. Februar 1839. Diese Zeitung erscheint wöchentlich 3 Mal. Dienstags, Donnerstags und SonnabeNdS, und wird jährlich 96 Bogen in Quart inet. deS Titels, Registers u. f.w. umfasse». 2« Gemäßheit deü Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig : mit 3 Shlr. für den Jahrgang —.1 Tvlr. 12 Gr. für sechs löion.ue — 18 Gr. für das Vierteljahr angrsetzd. worden. Alle Buch« dandumgen, Postämter und ZeirungSe-pedirionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die König«. Sachs, wohllöbl. ZeitungS«Expedition allhicr tmrcr;ogcn. , Zeitungsnachrichte«. München, 13. Jan. . (Privatmitth.). Hiermit übermache ich Ihn^n höflichst das in meinem Jüngsten erwähnte allerhöchste Dekret, rücksichrlich der Steuerbefreiung der Synagoge und des Leichenhauses. Dasselbe wurde in der Sitzung des königl. Staatsraths, unter dem Präsidium Seiner Majestät des Königs erlaffen, und lautet wie folgt. Ludwig rc. rc. rc. „Aus Anlaß des Rekurses der jüdischen Gemeinde in München, wegen Besteuerung ihres Leichenackers, erklärten Wir, nach Vernehmung Unseres Staatsraths, daß „der jüdischen. Gemeinde hiefelbst bezüglich ihrer Syna- „goge und ihres Leichenackers die Steuerbefreiung in Hin- . „blick auf § 36 des Gesetzes vom 15. Äugust 1828 „über die ^allgemeine Grundsteuer, und § 2 >jn dem „gleichzeitigen Gesetze über die allgemeine HäusersteUcr „nicht zu versagen sei, wornach nunmehr das Weitere zu „verfügen ist. München, den 24. Novbr. 1838.. An ' von Wirschinger. die königliche Regierung von , Auf Overbaiern, Kammer der Finanzen. k. Allerhöchstem Befehl der General - Sekretair ' Gierl. Sie haben über das jüngste königl. baiersche Neologen- Ehikt, wie cs bei unsi genannt wird, schon mehrere öffentliche Meinungen und Aeußerungen mitgetheilt, die nicht tief genug in die Sache eindrangen, * um' die wahre Veranlassung der Erlassung jenes Edikts zu erkennen,- und den Sinn und die, höchstgewillte Meinung derselben nicht zu mißdeuten. Bei dem Mangel einer allseitigen Kenntnkß führen uns vorgefaßte Meinungen nur zu Irrthümern, die auf falsche Eonscquenzen leiten, und die nothwendig, öffentlich mitgetheilt, Leidenschaften erregen und böses Blut machen, weil der andren Seite Folgerungen und Absichten angedichtet werden, die ganz außer ihrem Plane liegen. So ging es auch mit diesem >Edikte; das' Wort Ncologie ist ein zu vager, vieldeutiger und weitläufiger Begriff, als daß nicht bei der Unkenntniß der höchsten Willensmemung die verschiedensten Verständnisse desselben hätten laut werden sollen; .ich wollte sowol die erstere kennen lernen, als auch letztere erfahren, ehe ich etwas Officiellcs Ihnen berichtete. Ich bin nun'im Besitze beider, und theile Ihnen deshalb Folgendes mit. Wie überall, so stehen sich auch kn unferm Bakern, in den jüdischen Gemeinden die verschiedensten Ansichten gegen-' über. AlS Basis, als'Grund aller Andern tritt uns die aus der jüngstvergangenen Zeit Entstammte entgegen. Sie halt starr und fest am alten Judenthum. Sie will. nicht die geringste Verrückung des Ganzen, nicht einmal der äußersten Gränzstcine; sie beabsichtigt eine immer starrere Consolidirung der alttn verknöcherten Masse, und ist jeder, selbst der unbedeutendsten, durch keine Religionssatzung gehinderten Veränderung gram und abgeneigt. Sie haßt die Wissenschaft, nicht als solche, sondern weil sie von ihr Angriffe auf das Heiligrhum besorgt; sie haßt die Aufklärung, nicht als solche, sondern weil sie von ihr Zweifel und Bedenklichkeiten gegen die Lehre und das Gesetz befürchtet; sie ist gram denjenigen, die.studirt haben, nicht.als solche, sondern weil , sie-in ihnen keinen solchen Eifer für Gott und seine heil. Lehre wahrzunehmen glaubt, weil sie nicht gleichviel Zeit, wie die Schüler in alter Zeit, auf Erlernung des Talmuos und seiner Nachfolger verwendeten. Darum ist - ihnen schon der Neologe, der ein anderes Buch, als' den, Talmud zur. Hand genommen; darum haben sie an dem Lebenswandel-manches Rabbinatskandidaten nichts Anders