Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 13 (29.1.1839)
- Date
- 1839-01-29
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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III. Jahrgang. Allgemeine <38 No. 13. unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse . (Mit Kömgl. Sächsischer allergnädkgstrr Loncessiori ) Leipzig, den 29. Januar 1839. Zeitungsnachrichten. Marseille, 9. Jan. In diesem Augenblicke befinden sich viele Marokkanische Israeliten hier, die sich hier zu' einer Pilgersarth nach Jerusalem einschiffen wollen. Die Israeliten von Marokko nehmen gewöhnlich diesen Weg, um eine Reise zu machen, von der sich Wenige von ihnen nusschließen. Wir bemerken die orientalische Physiognomie, welche die vielen aus Marokkoaus Algier, aus dm verschiedenen Hafen der Levante kommenden Fremden darbieten, und unsren Quais den buntesten Anblick verleihen. Die Eroberung Algiers und die Einrichtung der Packetboote haben zum Resultate, -den Orient in jeder Art mit dem Oceident in Berührung zu bringen, was nur den glücklichsten Einfluß aus die Geschicke des Orients haben kann. Mantua, 7. Jan. (Privatmitth. Fortsetzung.) Reggio, die zweite Stadt des Herzogthums, und Hauptort der gleichnamigen Provinz, zahlt'innerhalb seiner Mauern mehr als 700 Israeliten. Man glaubt, daß die Israeliten diese . Stadt im 13. Jahrhundert schon bewohnten, aber man hat keine Dokumente darüber. Es scheint allein außer Zweifel, daß sie hier seit dem Anfänge des 15. Jahrh. ansässig sind. Der Senat von Reggio gab den Juden das Privilegium, sich in der Stadt wohnhaft zu machen, und Hier, ein Leihhaus zu errichten; dieses Patent ist vom 4. Mai 1413 datirt. Obgleich sie im Anfänge vom Senate viele günstigen Bedingungen erhalten hatten,' erließ doch später derselbe Senat mehrere gehässige Edikte gegen dieselben - Israeliten, i)£c ihre Gastfreundschaft durch viele Handelsvortheile und Künste der Seidenfahrikation und Steinschleiftrei so gut hatten, zu bezahlen verstanden. Die Herzogin Laura von Este, welche das Herzogthum 1634 regierte, befahl die Einschließung aller Israeliten in den Ghetto der beiden Hauptstädte — aber es war in derselben Zeit, wo die köstliche Synagoge/ die man zu Reggio sieht, gegründet wurde. Sie ist .allerdings . eine der Schönheiten der Stadt und wird, gern von Fremden, auch anderer Confessionen, besucht. Sie liegt mit der Fronte an der Straße, bildet ein Gebäude von vollkommner Quadratform, dessen Decke von einem weiten, mit vieler Kunst verfertigten Gewölbe getragen wird. Das Heiligthum, wo die Torarollen stehen, ist von einer ganz besonder» Form; es bildet nämlich einen kleinen Tempel für. sich, auf einem Bogen stehend und in einen spitzen Dom endend; sein Inneres ist in mehrere Nischen von Cedernholz, prächtig geschmückt-' getheilt, in denen die einzelnen Torarollen stehen. Dieser kleine Tempel, aiebt eim sehr gute Perspective für den ganzen ab, indem er Bas-reliefs von mehreren Formen, in sehr feinem Marmor, gearbeitet, hat, und -dorr einer schönen Treppe und zwei Säulen von unschätzbarem Werthe gehalten wird. Diese herrlichen Arbeiten wurden unter der Aufsicht und Fürsorge des berühmten Rabbknen Jsaia Bassani, des bekannten Dichters, vollendet. Es sind noch vier andere Synagogen von minderer Wichtigkeit in Reggio, von verschiedenem Ritus, von denen eine durch Familien, die durch die Vertreibung aus Spanien hierher kam?n, gegründet worden. Auch die hebr. Akademie von Reggio hat eines großen Rufes genossen, und zählte unter ihre Rabbinen sehr berühmte Männer^ in den rabbinischen wie in den schönen Wissenschaften. . Im letzten Jahrhundert besaß sie Binjamin Cohen, Bassani Vater und Sohn, Sanson Nachman, Jsai a Carmi, Padovani, An ania Cohen. Dieser Letztere hat sich um seine Glaubensgenossen durch viele Elementarwerke sehr verdient gemacht. Er' war auch einer der besseren hehraischen Dichter,unsrer Zeit. Sein Ruf, der durch seine gesellschaftlichen Tugenden sehr befördert wurde, bewirkte, daß ihn die Israeliten von Florenz zu ihrem GroßrabbiNeN•' beftefen, welche Stellung er 10 Jahre einnahm. Sein Angedenken steht noch heute bei ihnen in den. höchsten Ehren.. Durch die Verbesserungen und Fortschritte, welche dieser treffliche >Mann in 'dem öffentlichen Unterricht herbeizubringen .suchte, belebte er mir einem bessern Geschmack und Liebe zur Methode einige junge Lehrer, mit deren Hülfe er seine'Pkivatschule erhielt. Durch diese jungen Lehrer, welche vor Begierde brannten, ihre mit einer unendlichen Schnelligkeit-gewonnenen Einsichten unter die Kinde.rwelt ihrer Glaubensgenossen zu verbreiten,. wurde einealte öffentliche Unterrichtsanstalt 'umgeformt, und auf den Weg, geleitet,, wahrhafte Liebe zur religiösen und weltlichen Bildung zu wecken. In dieser Schule unterrichtet man die hebräische Sprache von der praktischen Lektüre - bis zur Rhetorik und Poetik, fa selbst in einigen Theile.n des traditionellen Gesetzes und . der Dogmatik. Man unterweist in .der Kalligraphie, Arithmetik, Weltgeschichte, italien. Sprache und Geographie. , Ein Mitglied des Direktoriums, ein geschickter Mathematiker,' unterrichtet gratis in der Geometrie und Algebra. Sd kann die in der israelitischen Schule zu Reggio-unterrichtete Jugend, nach einigem Studium der latein. Sprache, M Universität abgehen; und seit.wenigen Jahren zahlt die? Institut unter seinen Schülern zwei guter Aerzte, die das- Döktorat zu Parma' erlangt, einen jungen ausgezeichneien Mannwelcher -das - juristische Doktorird im Kurzen erlangen