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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-01-24 · Heft 11 (24.1.1839) · p. Seite 44

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 11 (24.1.1839)
Date
1839-01-24
Page
Seite 44 (sequence 4)
Language
German
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44 Höchst merkwürdig ist die Erwähnung des Allerheiligsten. Daß dieser Name einem Theile der Synagoge mit Recht zukomme, beweist der Umstand, daß nur dem Synagogenvorsteher der Eintritt in denselben gestattet'ist. Wer aber dieser Synagogenvorsteher sei, ob ein Levit öder Hohepriester, oder sonst ein angesehener Mann unter ihnen, darüber erhalten wir keine Auskunft. Die Erwähnung von Mandarinen, die sie sogar durch Bilder nach dem Tode verehren, ' ist ebenfalls zu unbestimmt, als daß wir mit Gewißheit auf ihre eigentliche Stellung bei ihren Glaubensbrüdern schließen könnten. Nicht weniger rathselhaft sind Rauchpfannen und die Verehrung des Confucius. So viel indeß .könnte man vielleicht aus den von Gozani mitgetheilten; Daten abnehmen, daß die chinesischen Juden, die eben so rein von allem Götzendienst wie» die europäischen zu . sein scheinen, in jenem Gebrauche nur eine staatsbürgerliche Feierlichkeit erkennen. Wenn sie nur. einen Schatten von abergläubischem Cultus darin wahrnähmen, so würden sie gewiß nicht in den Saal des Confucius^mit allen übrigen Anhängern dieses Philosophen gehen. Falsch ist wol die Meinung Gozani's, daß die chinesischen Juden den Text der heiligen Schrift corrumpirt hätten. Seine Argumentation verdient keine Widerlegung. Doch der Mann verdient Nachsicht, da ihm, wie er es selbst nur zu oft gestehen muß, die in diesen Dingen erforderliche Kenntniß abging. Von der Behauptung, daßdie Chinesen den Juden Arifangs den Namen Tiao-Kkn-Kiao geaeben haben, weicht' die Angabe bei Brotier (Tac. t. 3. p. 568) ab. Hier heißt es also: Judaei a Sinensibus appellantur Hoei-Hoei,. quQtl noraen commune habent cum Muhamedanis. Ipsi tarnen se appellant Tiäo-Kin-Kiao, id est lex ampuiantium nervös, quod nervös yeriasque resecent, ut sanguine abstineant. Altero quoque nomine se nu,ncupant Lan-mao-hoei-lloei, quia inter orandum in Synagoga pileolo caeruleo caput tegant; contra vero Miihamedanos, quod tiara alba utantur, vocant Pemao-hoei-hoei. Tien sagen die chinesischen Gelehrten ist nichts Anders, als der Geist, der den Himmel regiert; weil der Himmel die allervortrefflichste Schöpfung ist, die durch jenes höchste Wesen hervorgebracht wurde. Daher wird dieses Wort auch zuweilen vom materiellen Himmel gebraucht, und es kommt bei Beurtheilung der Bedeutung allemal auf die Sache an, von welcher es gebraucht wird. So sagen die Chinesen z. B., daß der Vater der Tien seiner Familie, der kaiserliche Statthalter der Tien seiner Provinz und der Kaiser der Tien seines Reichs sei u. s., w. In einem der angesehensten kanonischen Bücher der Chinesen, Chukkng, liest man, daß dieser Himmel, dieses allerhöchste Uesen, das erste Grundwesen aller Dinge, der Väter aller Völker sei, ein Wesen, das ganz allein von keinem abhängig, ist, ein Wesen, das Alles vermag, dem Nichts, auch die verborgensten Geheimniffe des Herzens nicht verborgen sind. Die Juden durften also Gott unter diesem Namen füglich ebenfalls anbeten. Das von allen jenen Einrichtungen der chinesischen Synagoge Eigenthümlichste aber scheinen die 13 Bundesladen zu sein, da sich in den europäischen nur Eine, auf der Morgenseite befindet, in welcher alle vorhandene Gesetzrollen aufbewahrt werden. (Fortsetzung folgt.) Sttciafttt Kurze Uebersicht der aus dem vorigen Jahre noch vorliegenden Schriften,' die nächstens zu ausführlicher Kritik kommen. ' ’ In exegetischer Beziehung hat das verflossene Jahr einen nicht geringen Reichthum gebracht. Die Vollendung der Salomo nischen Bibelübersetzung, so wie die Fortsetzung der Zunzischen, die treffliche Monographie Herzfeld's. über Kohelet, welche dieses schwierige Buch ungewöhnlich weiter führte, Loewenstein'S Proverbien und Klagelieder — bieten eine nicht geringe Aufgabe der Kritik, welche um so sorgfältiger und bedachtsamer zu Werke gehen muß. Brecher's Cusri zieht die Aufmerksamkeit auf ein immer gelesenes, aber lange,Zeit nicht commentarisch behandeltes Buch, daS immer von Bedeutung bleiben wird. ' Im hermeneutischen und homiletischen Fache bleiben uns nöch /pN „die kostbare Perle oder das Gebet" von Pleßner, welches am meisten des Gegenstandes halber zu berücksichtigen ist, die drei Hefte der „Synagoge," die vier Hefte der „Sabbat- Fest-'und Gelegenheits-Predigten" Herxheimer'6, das erste Heft der Sabbat-Predigten (nilü von Wolff, zurück, Erscheinungen, welche mehr oder weniger den Vordergrund unsrer Theologie einnehmend 'DaS erste Heft des Pleßner'schcn Religionsbuches ist erschienen, und muß zunächst die versprochene Beurtheilung, deren der Gegenstand würdig und wichtig ist, erhalten. Ein eigenes Produkt „Praktische Anleitung zum eigentlichen Religionsunterrichte"' von Abram Vosniel werden wir nicht übergehen. Das treffliche Schulbuch von Ehrenberg und der recht gute Leitfaden der israel. Geschichte von Elkan müssen insonderS empfohlen werden. Redacteur vr. L. Philippfon. — Verlag von Baumgartners Buchhandlung. — Druck von I. B. Hirfchfeld.

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