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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-01-24 · Heft 11 (24.1.1839) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 11 (24.1.1839)
Date
1839-01-24
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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m. Jahrgang. Allgemeine No. 11. Zeitung -es Zu-enthurns. Ein unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. (Mit Königl. Sächsischer allrrgnädigstrr Eonceffion.) Leipzig, den 24. Januar. 1839. Zeitungsnachrichten^ St. Petersburg, 29. Dez. Nachdem der dirigkrende Senat die Frage in Erwägung gezogen,'ob Israeliten, welche Mitglieder von Magistrats-Versammlungen und Gerichts-Behörden sind, an der Berathung und Entscheidung von Angelegenheiten der Griechischen Kirche Theil nehmen können, haben jetzt Se. Majestät der Kaiser die Ansicht des Senats und des Reichs-Rathes dahin bestätigt, daß Juden, an solchen Berathungen und Entscheidungen nicht Theil nehmen können. In Betracht des Artikels 327 . im 9ten Bande des Swod, wonach Stadtbewohner in^allen Civil- und Kriminal-Sachen in erster Instanz durch ihr eigenes, ausschließlich aus Personen desselben Standes bestehendes Gericht vernommen und gerichtet werden.sollen, ist ferner dahin entschieden worden, daß/ falls es in einem solchen Gerichte an der zur Entscheidung einer Sache gesetzlich nötigen Anzahl christlicher Mitglieder fehlt, die jüdischen Mitglieder in allen obgedachten Fallen durch Personen aus der Zahl christlicher Einwohner ersetzt werden sollen. Modena, 1. Januar., (Privatmitth.). Das Großherzogthum Modena enthalt zwei große und fünf kleinere Gemeinden. Die Israeliten des ganzen Staates belaufen sich ungefähr auf 3000 Seelen, vertheilt in die Städte Modena, Reggio, Finale, Correggio,- Carpi, Noveltara und Seandiano. Modena zählt 1200 Israeliteninnerhalb seiner Mauern, ohne die Fremden zu rechnen, welche hier oft um der Geschäfte willen Herkommen. Man kennt nicht genau den Ursprung unserer hiesigen Gemeinde, aber man weiß, daß Israeliten zu Modena im 13ten Jahrhundert wohnten. Bis zu den Zeiten der französischen Revolution hatten wir hier eine berühmte hebräische Akademie, welche einen großen Ruf nicht blos bei. den Gemeinden und berühmtesten Schulen Italiens und des ganzen Europa, sondern auch des heiligen Landes besaßen, die sie selbst in den letzten Zeiten über einige Fragen der rituellen Theologie und des Civilrechts um Gutachten angingen. - Sie hatte, in der Thal eine große Anzahl sehrgelehrter Rabbinen,. von denen einige in der rabbinischen Literatur sich berühmt gemacht, wie Aron Modena, Jsmael Cohen, der erstere Verfasser eines guten Werkes über Moraltheologie, . der andere sehr bekanntdurch seine klassischen Bände über die rituellen Fragen, und noch mehr durch seine unedirten Rechtsconsultationen. /Diese beiden Zweige der rabb. Studien wurden besonders in unserer ^Gemeinde mit Erfolg cultivirt, das Talmudsiudium blühte hier immer, und ihre Rabbinen sahen besonders auf Gründlichkeit in diesem, wenn auch, freilich mit Vernachlässigung des übrigen Wissens. — Wir haben jetzt hier neun Synagogen, welche alle drei Ritus umfassen, den deutschen, spanischen und iralischen. Aber nickt Eine ist prächtig, nicht Eine hat je daran gedacht, dem Gottesdienste einen gewissen Glanz zu geben. Unsere Seelenhirten sorgen nur, die' Frömmigkeit immer von Neuem zu erhitzen und anzufeuern, ohne die mindeste Besorgniß .für die äußere Form, welche doch auf die Seelen des Volkes so viele Einwirkung hat. Wir haben auch mehrere Vereine fuc, religiöse Studien, unter denen sich der „del Tedesco“; au$gei$net, WO man den Pentateuch mit Commentarien und langen Erklärungen für die Unterweisung des Volkes studirt. Außer der allgemeinen, aus den vorzüglichsten Mitgliedern der Gemeinde bestehenden Gesellschaft, giebt es noch eine für Wohlthätigkeit, welche viel Almosen unter die - Dürftigen vertheilt. — Wir haben' auch in den letzten-. Zeiten, wie gegenwärtig, mehrere Gelehrte und Doktoren in verschiedenen Fakultäten gehabt: die Einsicht dieser und der allgemeine Andrang der Civilisation verschaffte auch vor 2 Jahren der öffentlichen Elementarschule eine bessere Form, während sie früher gesunken war, jetzt aber ein neues Leben mit verbesserter Methode gewonnen hat; man hat außer dem religiösen Unterricht auch Profanstudien eingeführt, die Schüler werden nunmehr in den Fundamenten der Religion, der hebr. Sprache,. in der Kalligraphie, Arithmetik,. Weltgeschichte, ' Geographie unterrichtet. Diese gute,- wenn auch noch mangelhafte . Anstalt bildete sich nach der in Reggro. . Der gegenwärtige Groß-Rabbine, ist Herr Bonajuto Sanguinette, sehr gelehrt im Talmud, aber wenig bewandert in der Redekunst und dm Wissenschaften. Von Frömmigkeit erfüllt, von eminenter Sittenreinheit, reich und -großmüthig, höchst eifervoll für die Religion, deren Diener er ist, eben so wie für jedes Werk der Wohlthätigkeit. In mehreren dieser Eigenschaften war auch sein Vorgänger, der Rabb. Bonaventura Modena ges. And., der emer der gelehrtesten Rabbinen war, die das Sanhedrin zu Paris bildeten, ausgezeichnet. / ' . Biele unserer. hiesigen Israeliten sind in allen Zweigen der Geschäftswelt höchst befähigt; die wichtigsten Operationen .der Seidenfabrikation und der Bankgeschäfte werden durch sievollbracht. Dadurch haben mehrere- Häuser große Reichthümer gesammelt/ neben denen viele Israeliten wieder in Elend leben, weil sie es anThatigkeit fehlen lassen.,Jtt»

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