Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 9 (19.1.1839)
- Date
- 1839-01-19
- Page
- Seite 36 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Drum lächelt sie so' schalkhaft, . -' und spottet ihrer Werber, Und macht den Schmerz der Täuschung * . durch Stachclreden herber: „Ihr könnt den dürren Stabbcwegen nicht vom Platz, Und wollr mein Lieben heben , , . oW einen leichten Schatz?" Dem bleibet die Erkenntnis unbeweglich Der sie erstrebt aus irdischem Gelüst: Dem Niedern ist das Höchste unverträglich. Nur den beglückt sie, der sich selbst vergißt! ZorrrrralsWevrre. (Fortsetzung.) Die Englische TageSliteratur nimmt wenig Notiz von den Juden. Sobald aber von ihnen die Rede ist', wird cS jederzeit würdigend und mit Achtung geschehen. In Bezug auf jüdische Persönlichkeiten sind alle politische Farben einjg, ihnen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Von politischer Seite ist es -nur die rorvstifche Presse,-welche den Juden die Bewilligung der Theilnahmc an den höchsten politischen Rechten versagt, .und hier sind die Juden npr eine so kleine Chance der großen Partei der Dissenters, denen ähnliche Beschränkungen aufliegen, daß auch hier die jüdische Sache, fast, gar keine Individualität hat: Bon der andern Seite haben dir.Engländer selbst so viel Achtung vor dem Festhalten des Bestehenden, dem Aufrechterhalten constiluirrer Institutionen un.d Formen, daß eine eigeüthümliche Färbung des jüdischen Lebens nicht allein nicht auffällt, oder "gar .verfolgt/ sondern sogar mir gebührender Achtung betrachtet wird. Daß also kein Engländer an sich Feind der Juden ist., daß. seine, Presse durchaus nicht in jenes Sumpfwasser judenferndlicher .Anekdoten, Witze,' Beschuldigungen , in welchem die deutsche oft so behaglich schwimmt, sich versenkt, ist gewiß. Daß zu den Zeiten der Debatten die gegnerische Presse auch bei den Engländern zu kleinen Neckereien die Zuflucht nahm, wird dem noch sehr schonend Vorkommen, welcher die englische Presse kennt, und weiß, wie,sie selbst mit böchsistedenden Gegnern umzugehen pflegt. Immer 'aber ist der Engländer gewöhnt, eine große,, conseguente Fraction, auf welche,u Gebiete eS sei, mir innerer Achtung anzusehen. Bei den Franzosen ist eine Haupuendenz noch von 1789 her nicht zu verkennen: Während nämlich der Engländer seinen Staat aus den.heterogensten Stoffen zu einem gegliederten Körper gemacht hat, in welchem jenen eine frei§ Existenz zugestanden wird, sobald sie die höhere.Einheit dieses picht vernichten: har der Franzose die Tendenz, alle Stesse zu assimilrren and zu einem Chylus zu verarbeiten, jede Heterogeneität - wird bei Seite geschoben. Dies gilt aber nur vom politischen Dasein, durchaus aber gicbt er ein freies Privatleben, - um das sich Niemand zu kümmern hat. . Diese Tendenz brachte denn zuerst eine völlige Aufhebung politischer Absonderung auch für die Juden herbei; der Franzose sieht Juden in der Depurirrenkammer, im höchsten Gerichtshöfe, in der Armee, bei Wahla^gelegenheiten, und kann eS daher nicht begreifen, wieder Jude eS nicht rdun solle,, da er eö ja tbut. Nicht daS Fordern der Emancipcuion, sondern nur wenn eine Weigerung, emancipirr zu werden, hatte statt finden kennen, würde den Franzosen feindlich gegen den Juden haben machen.können. Ferner aber konnte sie den Franzosen nie veranlassen , wozu sich deutsche Politiker haben vvn unendlicher. Kleinlichkeit, so oft. Hinreißen llaffcn, im Essen und. Trinken, in Osterklichen und Sabbatgeberen, ein Hinderniß für politisches Recht und Leden zu finden. Thun sie nur ihre Bürgerpflicht und leisten die Forderungen der Aemter, die sie erworben, wen gehr es an, was sie ^essen und wie sie beten 1 ^Allerdings war cs nun ein Moment, das jener Assimilirung hatte auffällig sein können, daS religiöse. Allein hier kam zur Hülfe, daß. die Franzosen der Religion seit langer Zeit durchaus kein politisches Gewicht gaben, und . so war di^ .Heterogeyeität der jüdischen Religion alö solcher nicht wichtig genug, um in Frage zu kommen. Erft in der neuesten. Zeit, wo in Frankreich eine gewisse religiöse Reacrion, sei sie. erkünstelt oder natürlich, sich zu regen beginnt, haben Journale, welche dieser entgegenireren, und das sind alle, welche die eigentliche öffentliche Meinung vertreten, die jüdische Religion auch h.rangezogen,um gerade Darum den Assimilationsproceß auch an ihr zu vollbringen. Wir haben zu diesem Zwecke schon mehrere Male, und werden baldigst öfter,Beispiele aus französischen Journalen heranbringen, wo mit einer gewissen Nonchalance und französischen Leichtigkeit alle positive Religion, christliche, jüdische und mohamedanische, so zu sagen, in einen Topf geworfen wird, um jede politische und sociale Wichtigkeit,dieser als positiver Religionen voit. vorn herein zu indifferenziren. Da werden Ehen zwischen Hckennern der entferntesten Religionen geschlossen, Liebeshändel zwischen jüdischen Banguiertöchtern, 'katholischen Grafen und türkischen Pascha'S erzählt, besonders wird hierzu als Schau-' platz Mehmed Ali'S Aegypten gewählt, so daß die Reise' nach Kairo ff. sehr .oft von ihnen cmgerret-n wird. Mag'man dies nun von religiöser Seite'allerdings als schädlich ansehen, indem hier bei der Masse religiöser JndifferentiSmus und politische Jndifferenzlrung zu nahe an einander liegen und verlaufen: von polnischer Seite ist cü eine zu billigende' Maänmrüng, um wieder auftauchende politische Borurtheile auf religiösem Grunde von vorn herein zu vernichten, und Jedeimann wird'es, als den schönsten Zustand der Sozialetat betrachten, wenn die Segnungen der Religion sich erst ganz frct von politischen Beschränkungen im Individuum herrschend machten/ wenn die Religion als rein geistige Potenz mit der Instanz der Politik gar nicht mehr in Berührung kommt. (Fortsetzung folgt.)- W e m e t £ rr n g e n. Einsendung des Herrn R — X — in?... kann, da sie anonym, nicht ausgenommen werden; die aus Modena wird' baldigst gegeben; die Einsendungen des Herrn Rab. 8. 11. in 8t. werden bald Die Eocrespondenz ausgenommen- . ~ - Die „Proben aus Heidenheim's Kommentar ume»" sollen sehr willkommen fein. Druckfehler: , S. 2., Sp. 2. A. 8 v. oben, lies „durch sein bcjammernswerthes Beiblatt No. 1. S. 4. Sp. 1. Z. 2 von unten lies „Kaiser" für „König." . Vorliegende Subscriptionen zur Fondirung der jüdisch-theo.l. Facultat ff. werden bald Die Redaktion. für „doch sein ff." — Redactpur: Or. L. PHLlip^pson. — Verlag von Baumgartners Buchhandlung. — Druck von I. B. Hirfchfeld.