Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 7 (15.1.1839)
- Date
- 1839-01-15
- Page
- Seite 28 (sequence 4)
- Language
- German
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28 darauf zur Abstimmung gebracht wurde, wurde rs einstimmig mit 50 Stimmen verworfen, und da zunächst über den Antrag der Minorität des Commite, der auch vom Agenten Nielsen unterstützt wurde, abgestimmt ward, erklärten sich 21 Mitglieder für und 29 gegen denselben, so daß folglich keine Petition in dieser Sache abgegeben wird. C o rr e sp o n d e n z e u. Mainz im.O.ktober. Schulwesen. Seit vr. Krciznach von hier weg nach Frankfurth wanderte, besteht hier keine isolirre, israelitische Volksschule. Ich halte das für keinen Verlust.. Zwar Kreiznach'ö Abgang von hier mußte schmerzlich empfunden werden, da dieser talentvolle Mann nicht nur außerordentlich beliebt war, sondern es auch mit dem Fortschritt und mit der Bildung der Jugend so wohl meinte, daß sein hiesiges Wirken als ein Glück für die Heranwachsende Generation' betrachtet werden konnte. Indessen finde ich/ daß es in einem Staate, wie in dem unsrigen, wo die Juden beinah alle Slaatsbürgerrechte genießen, vernünftiger; wenn die israelitische Jugend ihren Unterricht, sei es elementaren, realen oder gelehrten, in denselben Schulen zu erlangen sucht, wo ihn auch die christliche Jugend erlangt, jedoch mit Ausnahme des Religions-Unterrichts. Dadurch nur kann daö Jsolirungö-Wesen zwischen Christen und Juden aufhören, die Jugend lernt sich kennen und lieben in Jahren, wo die Eindrücke tief und bleibend sind, was im practischen Leben von unendlich gutem Erfolg ist. Es bestehen zwar auch jetzt, wie seit Jahren, dahier verschiedene israelitische Erziehungs- Anstalten; jedoch sind daS mehr einzelne Unternehmungen für Private, und sie haben durchaus kein officielles Gepräge. Ein großer Theil der männlichen und weiblichen Jugend besucht die öffentlichen, städtischen Anstalten, und findet seinen Religionsunterricht bei dem angestellten Religionslehrer vr. Kahn, von welchem ich weiter unten ein Näheres mittheilen werde. Nur eine israelitische Erziehungsanstalt besteht hier, die mehr fein will, als eine Privat-Anstalt, aber im Ganzen doch nicht mehr, als eine solche ist. Ich meine die Anstalt des Herrn Albert Mayer. Dieser Mann hat seine Bildung auf dem Landes-Seminar gehabt, genießt den Ruf eines guten und praktischen Schulmanns, ist aber nicht sowol.von der Gemeinde als VolkSschullehrer angestellt, als er vielmehr von derselben blos eine Summe von zwanzig Karolins jährlich bezieht, .'wofür er in seiner Anstalt die Kinder hiesiger Armen unterrichten muß. Dabei hat Herr Mayer auch freies Schullokal, also im Allgemeinen eine verhaltnißmäßig sehr bedeutende Besoldung, wenn man bedenkt, daß die Mayersche Schule keine Volksschule ist. Der eigentlich angcstcllte israelitische Religionslehrer der hiesigen Gemeinde ist Herr vr. Kahn.. Dieser junge Mann hat auf mehrern Universitäten.sich der jüdischen Theologie befiiffen, und ist dann in seine Vaterstadt, mit tüchtigen Kenntnissen ausgerüstet, zurückgekehrt, wohl sicher in der schönen Hoffnung, hier das Predigcramt zu erhalten, was nicht besetzt und auch nicht vacant ist, da der gegenwärtige Vorstand sich mit dem Gedanken, einen gebildeten Prediger das Wort Gottes von der Kanzel herunter lehren zu sehen, nicht befreunden kann. Indessen sah Herr Kahn in. dieser Beziehung vorerst seine Hoffnung zernichtet, und, um wenigstens einstweilen Beschäftigung zu haben, bewarb er sich,um die Stelle eines Religionslehrers der Jugend. Auch das zu erreichen, kostete viele Mühe, und er würde es sicherlich nicht errelcht haben, wenn ihm die gebildete Klasse nicht mit ihrem Einfluß zur Hand gewesen wäre. Kahn ist in seiner dogmatischen, geschichtlichen und systemätischen Unterrichtsweise ein ganz gediegener, aufgeklärter und gebildeter Religionslehrer, und wird der Jugend schon das Rechte beibringen, darüber kann man unbesorgt sein. , Zwei Dinge sind nun Herrn Kahn als Religionslehrer der Jugend an'S Herz zu legen.: Erstens, daß er besorgt ist, daß auch die weibliche Jugend regelmäßigen Antheil an dem ReligionS-Unterricht nimmt, und zweitens, daß er sobald alS möglich die öffentliche Confirmation einführt. ES ist unverantwortlich , daß man bisher sich um die religiöse Erziehung der weiblichen Jugend fast gar nicht bekümmerte, und ihr nur den spärlichen Unterricht im Lesen angedeihen ließ, damit sie die hebräischen. Gebete nochdürftig mechanisch hersagen kann. Und das sollen Familienmütter werden, die die künftige Generation erziehen sollen! Wenn ein Theil der Jugend vernachlässigt werden müßte, so wäre eS, meines 'Bedenkens, besser, man vernachlässigt die religiöse Erziehung vermännlichen Jugend, alö die der weiblichen. Der Mann besitzt so viel kräftigen Willen und Selbstständigkeit, daß er sich in den verschiedenen Lagen des Lebens selbst rachen, und das Rechte finden kann, und wäre auch seine religiöse Erziehung gerade nicht'die beste gewesen. Aber daö Weib, schwach und hinfällig wie cs ist, ist verloren, wenn es sich nicht an gute religiös-sittliche Grundsätze anlehnen kann. Woher sollen^ diese aber kdmmen, wenn die weibliche Jugend nicht den gehörigen Religions-Unterricht genießt, und auf der andern Seite auch in der Synagoge keine Gelegenheit findet, durch das lebendige Wort emporgehoben und religiös vervollkommnet zu werden'! Die Zeit ist vorbei, wo man dem Weibe eine so untergeordnete Bedeutung einräumte, daß man ganz gleichgiltig in Betreu seiner sittlichen Bildung blieb. Heutzutage kann man vom Weibe dieselbe sittlich religiöse Bildung sodern, alö vom Manne, denn die Emanzipation deö Weibes, von ihrer edlen Seite betrachtet,^ ist allerdings eine würdige Aufgabe der Zeit. Daher vernachlässige man die religiöse Erziehung der weiblichen Jugend um keinen Preis, ja wir sodern Herrn Kahn auf, diesem Gegenstände alle Aufmerksamkeit zu widmen, und ssöthigenfallö mit Hülfe der Regierung den weiblichen Religions-Unterricht zu erzwingen, falls sich der Vorstand diesem wichtigen Gegenstände entgegen stellen sollte. Was die Confirmation der hiesigen israelitischen Jugend betrifft, so ließe sich darüber ein schmerzliches Klagelied singen. ES ist immer noch der alte, unglückliche Schlendrian,' — man läßt den Confirmanden eine Stelle auS^der Tora in der Synagoge mechanisch herlesen, und damit ist es abgethan. Von weiblichen Confirmanden weiß man nichts. Kennt ihr die Bedeutung des wichtigen Acts der Confirmation? Es giebt nichts bedeutungsvolleres im Leben. Dieser. Moment, würdig und sehr gefeiert, schwebt noch vor im spatern Mannesalter, der Eindruck ist.von der Art, daß er nach Jahren noch bestimmen kann, schlechte Handlungen zu meiden und zu verabscheuen. Die Confirmation ist ein Wendepunkt des Lebens, man verläßt die Schule und giebt sich dem Leben mit all' seinen Irrwegen, Thorheiren und Gebrechen hin, und nichrS ist nöthiger: als diesen Uebergang durch eine feierliche Handlung zu bezeichnen, und in dieser Handlung besteht die Confirmation. Herr vr. Kahn nur hat es versucht eine solche feierliche Confirmation bei den Knaben einzelner vermögender Israeliten einzuführen, und zwar im Hause der Eltern. Dieser Versuch fand Theilnahme, und nun will jeder nur irgend Begüterte und Aufgeklärte sein Kind zu Hause confirmirt haben. Allein Herr vr. Kahn ist mit vielen Gleichgesinnten der Meinung, daß diese feierliche Handlung jährlich einmal an allen Confirmanden in öffentlicher Synagoge vollzogen, werden müsse, er ist im Begriff, in dieser Beziehung die ersten Schritte einzuleiten, und er hat bereits das nächste Pfingstfest zur ersten derartigen öffentlichen iFeier bestimmt. Der Himmel gebe, daß der edle junge Mann bei diesem Schritte aus keine Hindernisse stoßt. Redacreur: vr. L. PhiUppson. — Verlag von Baumgartners Buchhandlung. — Druck von I. B. Hirschfeld.