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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-01-15 · Heft 7 (15.1.1839) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 7 (15.1.1839)
Date
1839-01-15
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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HL. Jahrgang. Allgemeine No. V. Zeitnng des Zudenthums. Ein V' /. unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. (Mit König!. Sächsischer allergnädigster Eoncefsion.) ' Leipzig, den 15. Januar. 1839. Ze»t««gsnachrichten. - .Mailand, 31. Dez. (Privatmitth.). Ueberhaupt herrscht unter den Juden' hier zu Lande große Gleichgültigkeit gegen religiöses Interesse, wenn nicht etwa die eine oder die andere Zurücksetzung, die sie hie und da localiter noch erfahren müssen, sie daran erinnert: daß sie der ältern Lehre angehören und diese nur zu oft vergessen. — Unstreitig sollte von der rabbinischen Schule zu Padua neues Leben ausgehen und die Gemeinden durchdringen; doch entweder ist es der Mangel eines Organes, das die Ausgetretenen mit der Akademie in fortwährender Verbindung erhalte und durch diese nach und nach Popularität gewinne, oder — e's fehlt jener Lehranstalt an selbstständigem Leben, demnach sich die Lehrer derselben mehr als Bewahrer und Hüter mittelalterlicher Dogmen, denn als Forscher und Verbreiter der Lehre ansehen. Die Masse hinwiederum geht auf eine solche Sonderung geistlicher Kompetenz gar nicht ein, sondern urt heilt nach dem, was sie sieht — letzteres sagt ihrem Geschmacke nicht sonderlichzu, und so halt die Mehrzahl (wenn sie nicht des Denkens ganz entwöhnt ist) die Stellung des israelitischen Volkslehrers den Bekennern anderer Confessionen gegenüber für eine unhaltbare, oder wenigstens mit Recht angefochten. — Es gab Zeiten, da Italien es andern Ländern Europas in Aufschwung religiösen Lebens zuvorgethan. Diese Zeiten sind nicht so.fern und leben noch in.der Erinnerung einiger Greise, die es -treu mit ihrem Glauben meinen; kaum, kann sie jetzt die Vorstellung trösten, daß es vielleicht nur eine Uebergangsperiode ist^ in der wir leben — der eine bessere für geistige Interessen günstigere bald folgen dürfte. Y. F. M. Mantu a, 31. Dez. (Privatmitth.). Selten erfreuete, sich ein frommes Unternehmen schnellem Gedeihens, - als die Pie case israelitiche di Ricovero e d’ Industria zu Mantua, wenige Anstalten verdienen aber auch durch zweckmäßige Organisation und weise Oeconomie eine so bereitwillige Aufnahme, wie sie dem besagten Institute zu Theil wurde. Am 1. Juni 1825 wurde dasselbe eröffnet, und das Verdienst, das Meiste dabei gethan zu haben, gehört außer dem damaligen kaiserlichen Delegaten der Provinz, Marchese Marsilio Benzoni, den ersten Direktoren Felice Carpi und Lazzaro Berla, die im Aufträge des israelitischen Comite unter Assistenz des Gemekndealtesten Gius Finzi, des ersten Secretakrs Basilea und des Sanit'ats- und Conduiten-Jnspectors Dr. Elia Eivita den Plan und die innere Einrichtung dieses Asyls, sowie die Statuten und Ausnahmsbedingnisse durch den Druck veröffentlichten. Unbescholtene Greise, die für ihr Alter keine Stütze finden, verwaiste Knaben, oder Söhne armer Leute, die kein Lehrgeld zahlen können, um ein Handwerk zu lernen, finden in beiden (seit hem Mai 1828 gesonderten) Anstalten einen Zufluchtsort, erftere für den Winter ihres Lebens, letztere für ihr erstes Jünglingsalter, wo - sie für ehrsame Bürger-Gewerbe-erzogen und gebildet werden. - Ohne auf Details der innern Ordnung dieser Freistatt einzugehen, bei der die sittlich - religiöse Förderung fammtlicher Benefiziaten durch Anstellung eines eigenen Religionsverwesers, durch regelmäßige Abhaltung des täglichen Gottesdienstes und sabbatlicher Vorträge in der Landessprache, sowie durch die unmittelbare Aufsicht des Inspektors, dem seine Wohnung in dem Institute selbst angewiesen ist, ohne der schonenden Art,-wie mit den aufgenommenen Individuen verfahren wird, mehr als nebenher zu erwähnen, sage ich Ihnen nur noch,, daß bei Gelegenheit eines Besuchs weiland Sr. Maj. des Königs Franz im Mai 1825 die Direktion zum Andenken jenes hohen Zuspruchs die Errichtung eines Monuments aus cararischem Marmor mit der Büste des verklärten Monarchen und (was wol das würdigste Denkmahl ihres Patriotismus sein dürfte) die Erweiterung der Anstalt durch Ankauf eines eigenen Hauses für die industrielle Abtheilung und die Ausdehnung der Bestimmungen dieses Etablissements auf die Israeliten des ganzen lombardischen Antheils, da früher nur Einheimische ausgenommen worden" waren, beschlossen hat. Ueberdies wurden 12 neue Stiftungsplatze für auswärtige Jünglinge (aus dem ganzen lomb. Venet. Königreiche) gegen Zahlung einer geringen Pension .errichtet und .so der mittellosen, aber doch nicht ganz armen Klasse den Zutritt zu den Handwerken (welche hier zu Lande schon seit langer Zeit völlig freigegeben sind, aber wegen Proselytenmacherei der christl. Meister von Juden nicht benutzt wurden) zu erleichtern. Im Mai 1828 wurde jenes Monument ausgestellt, das neue Haus für die Jndustriezoglinge eröffnet, und von dem I. U. vr. Mose Stisanni, einem vielseitig gebildeten Manne, eine Rede gehalten, die im Druck erschienen und im Sinne ächter Philanthropie abgefaßt ist. Mit deutscher Gradheit (wie überhaupt des Verfassers Ansichten sich zur Strenge Hinneigen) sagt er, daß durch Unterbringung der Nahrungslosen, unddurch Erziehung ihrer Kinder zu einem arbektslustigen'genügsamen Leben dem Elende und mittelbar der moralischen Entwerthung der untern Klasse eine ihrer Hauptquellen ver-

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