Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 6 (12.1.1839)
- Date
- 1839-01-12
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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ILL. Jahrgang. ^.llgemerne No. G. Zeitung -es Zudenthums. Ein; llnpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse (Mit Kdmgl. Sächsischer gklergnädigster Conceffkon ) Leipzig, den 12. Januar 1839. . Zektungsnachrichten. Würzburg, 22. Dez. (Prwatmitth.). Unsere Rabbinatsvechältniffe befinden sich gegenwärtig? in einem wahrhaft anarchischen Zustande. Der Nabbine hat sein Amd aufgegeben, die ehemaligen Substitute nehmen nicht mehr Alles vor- und dennoch sieht man der Anstellung neuer Rabdinen. vergebens entgegen. Woran es liegt, weiß ich nicht. Wie ich höre, sind die Akten nach München geschickt. Ich glaube dieses auch, obgleich der Zweck mir unbekannt ist, denn unsere Kreisregierung wünscht die Anstellung der Rabvinen, da sie, das Bedürfniß derselben oft einsieht. Möchten die Akten, wenn sie ja nach München sind, von dort recht bald zurückerfolgen, damit einmal diesem Zerwürfnisse ein Ende werde. Es ist unbegreiflich, warum die Besetzung der Rabb.inate riiäft mit mehr Energie-' betrieben ^wird, da es auch so sehr im Interesse des Staates liegt, daß die Israeliten nicht ohne Geistliche seien/ — : , . . Das in Ihrer Zeitung No. 153 angeführte Mlnl- -sterialresccipt hat auch hier viel Sensation gemacht, allein bei.näherer Betrachtung, sieht doch jeder, daß es überflüssig sei, denn unsere Kandidaten sind den ächten mosaischen Glaubenslehren zugethan, und man wird Niemanden nennen können, der einen wirklich religiösen Gebrauch verletze oder verletzt habe, wenn es-auch Viele giebt, die zu heucheln sich nicht entschließen können. Uebrigens wird Jeder, der sehen, will, auch einsehen, daß für unsere Zeit und.unsere Richtung, ein ungebildeter Rabbine nicht sehr segensreich wirken kann, sondern nur der kann es und wird es, der die Achtung Aller seiner Glaubensgenossen, zu welcher Ansicht sie sich auch bekennen mögen, sich erwirbt. Der Rabbine muß zeigen, daß er es aufrichtig und redlich mit seiner Religion meine, daß er „Lehre der Wahrheit" in seinem Munde führe und nicht den Mantel nach dem Winde hange. Der größte Theil sieht dieses ein, und die soweit gehen, daß sie wissenschaftliche Bildung beim Rabbinen für überflüssig ja sogar schädlich erklären, sind'bekannt genug, saß man die geheimen selbstsüchtigen Triebfedern nicht, verkennt. — , > . > ■: Roeskklde, 14. Dez. Da die Allg. Ztg. des Jusenthüms die Verhandlungen der Standeversammlung in Betreff vollständiger Emancipation in größerm Umfange mittheilt/ und auch Nr. 153 und 155 schon der glückliche .Ausgang der Debatten gemeldet worden, so entlehnen wir hier nur einen vorläufigen Auszug aus der L. A. Ztg. — Das zur Begutachtung dieses Antrags niedergesetzte Couu'tv bestand aus dem Bischof Mynster und den Abgeordneten Treschow und'Algreen Ussing, von welchen die beiden Erstem sich gegen die Emancipation erklärten, Letzterer aber in einem Separatvotum für dieselbe. Die beiden Erstem stützten ihr Gutachten darauf, daß die Mehrzahl im Volke den Juden noch abgeneigt sei und daran Anstoß nehmen werde, wenn ein Jude in die Ständeversammlung gewählt würde, wie 'denn auch die' viborger Ständeversammlung sich dagegen erklärt hätte. ES könnten deshalb durch die Gewährung deS Antrags Leidenschaften in Bewegung gesetzt werden, von welchen man wünschen müsse, daß sie immer mehr verschwänden. Dieser Ansicht stimmte auch, der königliche .Commiffar Oersted bei. Algreen-Ussing berief sich dagegen auf die Gerechtigkeit der Forderung un2 war der Meinung, der aufgeklärte rheit des Volkes, fei unbedingt für die Wählbarkeit der Juden; die Leidenschaften aber würden grade durch die bisherige Verschiedenheit in der Behandlung der Christen und Juden gefördert und durch eine Verschmelzung allein erstickt werden' können. Unter den Gegnern der Emancipation zeichnete sich der alte Kammerherr,Grevencep-Castcnschiold auch der bei dieser; Gelegenheit seinen StabiliSmuS zu erkennen geben zu müssen glaub-, te. — „Wenn"man will — sagte er unter Andern» — dgß'wsr unsere heilige Religion als ein veraltetes Vorurtheil betracht^ sollen, so können, so dürfen wir nicht schweigen; da müssen wir mit Festigkeit erklären, daß wir nie diese hohe Lehre verlassen, sie als daS beste Erbtheil unfern Kindern Hintertassen wollen. Wenn man Dem, was Vernunft und Geschichte gelehrt haben, zum. ' Trotz., von unö fodem will, daß wir unsere durch Nachdenken und Erfahrung bestärkten Grundsätze verlassen sollenum blindlings einer unbändigen Jugend zu folgen, die weder die Gesetze deS Rechts noch der Religion anerkennen will, so ist eö grade, hohe Pflicht für uns Aeltere, dem die Ordnung der Natur um-, kehrenden Neuheitsschwindel, der schon so vieles Unglück über die wankende Menschheit gebracht hat,, entgegenzustreben. Seit Gott die Erde mit Menschen bevölkerte, waren es die ältern, welche, lenkten, die jüngern, welche gehorchten; so muß eö bleiben, wenn nicht alle socialen Verhältnisse von oberst zu unterst gekehrt und die Veredlung des Menschengeschlechts vielleicht auf Jahrhunderte hinaus zürückgehalten werden sollen." Deshalb stimmte der gute Mann gegen die Judenemäncipation. Weshalb er grade diese Philippika vorzugsweise bei der Judenemäncipation anbrachte, wurde auS seiner Rede nicht recht klar. Später behielt sich derselbe Mann urplötzlich vor, ein Amendement dahin zu stellen, daß die Wählbarkeit für die Bekenner aller möglichen Religionen gewährt werden möge. — In einer folgenden Sitzung brachte der Berichterstatter des Comitä eine Bescheinigung des Predigers bei