Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1839)
- Date
- 1839-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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4 Derselbe Stand der Dinge wurde von häufigen Berichten in Belgien als herrschend geschildert, in Holland ist er langst eingewurzelt. Albion, das jetzt von einernoch nicht zum Durchbruch gekommenen Reform der Gesetzgebung, von einer Beranderrmg der kirchlich-staatsrechtlichen Verhältnisse, namentlich von dem tiefen Verfalle der irländischen Zustande, nach innen, von außen durch die Rebellion .in Canäda und die schwierige Lage Indiens, auf's höchste in Anspruch genommen wird/kann sich theoretisch.jetzt nicht mit uns beschäftigen: wol aber bricht es uns praktisch überall Bahn. Hatte doch die City mit Lord-Major und Aldermen ihre gewichtige. Stimme in einer Petition an das Unterhaus erhoben, die neue Munizipalbill auch auf die Israeliten ausgedehnt zu sehen, hatte doch Lord Brougham und eine Anzahl Pairs eine Protestation eingelegt, weil dies nicht geschehen, haben doch die Universitäten vielfach ihre alten Eide ausgegeben, wodurch Dissenter, Katholiken und Israeliten an ihnen Thekl nehmen können, insonders die Londoner Universität ihre liberalen Institutionen sich zu bewahren gewußt, waren doch Juden zu Friedensrichtern ernannt, und ihre, Damen am Hofe ausgenommen worden. ' Aus Jamaika hatten wir über die glorreiche Erscheinung zu berichten, daß ein Israelit es war, der den Akt der Freilassung der Sklaven zuerst, und vor der gesetzlichen Frist vollzog. (Fortsetzung folgt.) Iournal - DLevue. Einleitendes. Einem Jeden wird cs bald klar sein, was der Zweck dieser neuen Rubrik unserer Zeitung sein wird. Bei der großen Wirksamkeit, welche dieZeirhlattliteratur auf die allgemeine Stimmung, auf die Gesellschaft im Großen erlangt hat, muß es uns darum zu thun sein, die Richtung genau zu verfolgen, welche sie im Allgemeinen und Einzelnen in Bezug auf unsere Glaubensgenoffenschaft einschtagt. Allerdings besitzen wir einige Blatter von ern- : ftercr, würdigerer Haltung, welche in der äußern und Innern Angelegenheit der Juden eisernstes und würdiges Gepräge bewahren, und sich, nicht erniedrigen, ihre Spalten der histoire ober partie scandaleuse zu widmen, mit der so viele gehaltlose Blät-;icr der Gegenwart, sich pikant und beliebt machen wollen. Wie wichtig ist es. für 'uns, sich mit diesen im Einverftandniß zu erhalten , und,. da auch, sie, bei der gewöhnlichen Unkenntniß der .jüdischen. Sache, oder— was noch öfter geschieht — weil sie zu wenig auf unfern, Standpunkt sich zu versetzen mögen, häufig genug in Jrrthum und getrübte Beürtheilung verfallen, ihnen den Achten. Thatbestand klar zu machen, und den Widerspruch zwischen ihrer Tendenz und ihren Äc.ußerungen nahe zu legen. Ein größerer Theil der Zeitblättcr — ich meine hier insonders der deutschen — nimmt im Allgemeinen dst Maske deS Wohlwollens vor, hinter die sie aber ein arges Faunengesicht verbergen, welches sich gar sehr in Grimaffenschneiden gegen uns über. Sie heucheln einen netten Freisinn, trotz dem sie aber immerfort aus der untersten Masse,, was nur an Lächerlichem und Gehässigem sich -finden mag, zu Markte bringen. Sie werden nicht müde, den Juden früherer Jahrhunderte von seiner uncultivirten Seite auf den Schauplatz zu bringen," zerstören aber wohlweislich feine Umgebung, um söwol diese nicht zu bcnachtheiligen, als jenen für den jetzigen gelten zu lassen. Auch sind sic geübt genug, um auch dem modernen Juden seine Schwachen abzugucken und bei Gelegenheit zu zeichnen, „wie er sich räuöperl und wie er spukt." Wir meinen, daß eö nicht wenig von Belang ist, diesen ihre MaSk? abzureißen, und, wenn sie sich einmal der Zoten und schlechten Witze nicht enthalten können, ihren Harlekinaden die rechte bunte, geflickte Jacke umzuthun. Wir hoffen nicht, sie zu bessern, denn^, bei der Magerkeit ihres innern Wesens, können sie solche Brühen für ihre Leser nicht entbehren, um nur noch etwas schmackhaft zu bleiben. Dann giebt es aber noch einen Rest von Blättern, gewöhnlich localen, die ein für allemal den Charakter des Schmutzes nicht von sich weisen wollen, denen csum Anekdötchen von Juden und Judenknaben wol zu chun ist, diese werden wir freilich nicht, oder selten in unser Bereich ziehen, man'muß sie sich selbst überlassen, da sie die öffentliche Scham nicht mehr kennen. Man glaube wol, auch wir. verstehen ..einen guten Spaß. Daß wir etwas empfindlicher find als andere Leute , davon den Grund anzugeben, ist fast überflüssig. Für unS ist die öffentliche Meinung, auch ohne ihren allgemeinen Werth, zu. sehr mit unscrm wirklichen Geschick in Wechselwirkung. Uns wird'nicht blos der Wasserspiegel, sondern gleich das .Fahr- und Trinkrvaiier getrübt. ' Und daß bei unaufhörlichen Beleidigungen und Schlägen, unsere Haut anstatt dick und gefühllos, immer noch zarr und sensibel ist, zeugt sehr fürfeine Natur. Man fasse aber unsere Stellung, den Zeitblättern gegenüber, ja nicht zu sentimental, am wenigsten als feindselig auf. Eine lange Erfahrung hat uns gelehrt, vieles und großes anderweitiges Verdienst, von Unwürdigkeit und Bosheit in unserer. Angelegenheit zu trennen. Wir schätzen, würdigen, ja lieben manchen großen. Mann, manches tüchtige Werk, manches herrliche Blatt, und müssen dabei, wenn, wir an unser Verhältnis kommen, jenen der Schwäche zeihen, dieses der Mängel, und letzteres der Kurzsichtigkeit. Ein Angriff von unserer Seite aufeinen Angriff von feiner Seite darf daher durchaus nicht als ein Verkennen anderweitiger Großartigkeit angesehen werden. Wie gesagt, wir sind das Trennen, in diesem Bezüge gewohnt. Treffen wir natürlich a,hf gänzliche Misere, so wird man es nur nachsehe» können, wenn wir sein Ganzes herbeibringen, und seine Bloße gegen uns mit allen seinen Blößen zu seiner nackten Häßlichkeit zusammenziehen. Wir haben uns daher hiermit nicht zum Richters nicht zur Jury dör Ztttlikeratur erheben wollen, wol aber zum General-Anwalt oder 'öffentlichen Ankläger, wie man es nennt,, in rebus judaicis. Daß der feinere Beobachter dann doch noch einen innern Wechselbezug' zwischen der jüdischen Angelegenheit und'der sonstigen , wahrhaften, nicht erborgten Fr§i- und Edelsinnigkeit wahrnehmen wist, kann uns nur höchlichst erfreuen. Gehen wir zu einem Ueberblick der jetzigen bedeutenden Zeitblätter-über.' (F ortsetzung folgt.) Druck von 3,.SB. Hirschfeld.