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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-12-02 · Heft 49 (2.12.1844) · p. Seite 713

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 49 (2.12.1844)
Date
1844-12-02
Page
Seite 713 (sequence 13)
Language
German
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Stelle, — und aller Geheimnisse Quelle 5 — da steht der Weisen Einsicht still. — Wer aber höher schauen will, — dem schließt die Thür'man vor dem Angesicht: — „Bis hierher" — ruft es, „weiter nicht! — Dir ist Erlaubniß nicht gegeben, — nach Kenntniß meines Innersten zu streben — Da darfst hier nicht vorüber schweben," — Und die Seelen der Frommen voq, Leibern umfangen — sie tragen das Verlangen, — nach jener Herrlichkeit zu ziehen, — wie Tauben nach dem Gitter fliehen. — Doch will es ihnen nicht getingen, — im Körper sich hinauf zu schwingen; — bis aus der Erdenhülle sie gefahren, — in der sie Sklaven wqren, — und aus des Königs Schatze wird gebracht — ein königlich Gewand voll Pracht, — womit sie schmücken sich und weih'n — wenn in des Königs Haus sie gehen ein, — denn die dem Herrn sich nahem, — muffen heilig sein, — um würdig Ihn zu loben, — den Schöpfer und Erhalter droben-. — Ec schuf die Seele rein und helle — aus lichter Quelle; — Er selbst, der Hort — ist ihres Ursprungs Ort: — sie stammt von Seinem ew'gen Wesen, — und ist so lang' bei ihm gewesen, — bis ihre Zeit gekommen, — da hat er sie vernommen — und sie belehrt zu ihrem Frommen. — Und ein Engel des Herrn sie fand, — als an der Weisheit Quelle sie stand, — in ihrem Spiegel schauend klar — der Schöpfung Urgrund treu und wahr. — Und der Engel spricht zu ihr: — „Auf, ziehe fort von hier; — aus deiner Heimath wandere aus, — vergiß dein Volk und deines Vaters Haus; — dem Körper werde unterthan — er ist dein Herr, erkenn' ihn an." — Sie ging und setzte sich von weiten, — und sah den Leib für sich bereiten, — den zog sie an wie ein Gewand — und füllte ihn mit ihres Hauches Brand, — da lebte auf der Erdenkloos. — Denn durch der Seele Gluth, die sich ergoß, — entwand der Mensch sich dem Nichts, weil ihn traf ein Strahl des göttlichen Lichts. — Die Seele also, aus reinem Stamm entsprossen, — bewacht den Leib, der ihr ward zum Bundgenossen; — sie wählte ihn zu ihrem Sitze, — er dienet ihr zu Schutz und Stütze.— Nun strahlt sie darin wie ein Stern im Norden, — nachdem er zum Thron ihr geworden. — Auch Trank und Speise führt er ihr zu, — und an seinem Busen findet sie Ruh'. -— Ihr Abglanz aber aufs Neue schafft — des Lebens Saft, des Wachsthums Kraft, — die beide vereint beim Geist den Dienst versehen, — wie Sklaven gebeugt thm entgegen gehen. — Und über dem Geiste thront der Verstand, — der zurück einst kehrt in die Höh', sein Vaterland. — Er glänzt wie ein Bräutigam unter dem Baldachin; — 'und alt' sein Begehren und Bemüh'n: — den Geist an sich heranzuzieh'n, — den er liebt wie sein eigenes Wesen, — gleich wie vormals als sie beisammen gewesen. — Und wenn der Geist ist heilig und rein, — dann geht er mit ihm ein Bündniß ein; — und in Liebe zerflossen — umarmt er den theuern Genossen, — auf den nunmehr die Leidenschaft — verloren all' ihre Kraft. — Auch macht ihn der Verstand — mit den Pfaden des Herrn bekannt, — und erhebt ihn vom Staube zur hohen Stelle, — und entreißt ihn der drohenden Hölle. — Und folgt er der Ermahnung, Rufe, — gelangt er bis zur höchsten Stufe. — Wenn im Leben die Sünde er meidet, — dann wird, wenn aus dem Körper er scheidet, — es leicht ihm getingen, — hinauf zu seinem Ort und Hort sich zu schwingen — und der Tugend Preis zu erringen. — Den Sünder aber wird die Hölle verschlingen, — in grauser Einsamkeit, — fern aller Heiligkeit, — empfängt er seines Frevels Lohn — vom königlichen Richterthron. — Bis seine Schuld er abgebüßt, — der König, ihm wieder gnädig ist. — Darum hat Gott den Verstand — zum Schutze ihm zugesandt: — daß seine Äugen er erleuchte, — für seinen Durst ihm Wasser reichte. — So hat ihn Gott mit Licht beglückt, — daß einen Brunnen er erblickt, — daß Wasser die Augen erquickt und die Seele entzückt. — Wenn er, was dunkel ist, will Helle sehen, — so darf er nur an diese Quelle gehen — und seinen Krug mit ihrem Wasser füllen, — dann wird sich das Geheimniß ihm enthüllen. — Ja, der Verstand — der schenkt uns ein —■ den Lebenstrank so klar und rein, — geschöpft aus Paradiesesquelle, — da wird's in unftrm Geiste Helle, — da wandeln wir im hohem Lichte, — genießen des Erkenntnißbaumes Früchte — in Wonne und in Fröhlichkeit — durch unsre ganze Lebenszeit. — So laßt uns dieser Güte willen — Gott unsre Pflicht erfüllen, — und stimmen an ein Dankgebet — der hocherhab'nen Majestät. — Laßt beten uns: „O Herr, wie groß bist Du! — wie groß Dein Ruhm! — Der Weltraum reicht nicht zu — Dich zu umfassen, mächt'- ger Hort! — Du trägst die Welt, doch sie ist nicht Dein Ruheort. — Eh' die Berge dem Nichts sich entwanden, — eh' die Säulen des Himmels entstanden: — da saßest Du aus Deinem Götterthron! — Als keine Statt' noch war — da stand'st Du schon! — da bil-

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