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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-11-18 · Heft 47 (18.11.1844) · p. Seite 678

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 47 (18.11.1844)
Date
1844-11-18
Page
Seite 678 (sequence 14)
Language
German
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678 macht, sind aber seitdem fortwährenden Beschränkungen unterworfen worden. Die letzte Verordnung vom Febr. d. I. schließt sie vom Dienste in der Garde, in Armee und Flotte (diejenigen ausgenommen, die schon jetzt in derselben stehen) vom Dienste in den Kanzleien, als Schreiber rc. aus, und verbannt sammtliche, die neu eintreten werden, entweder auf den Kaukasus, zum Kriege mit den Bergvölkern,oder zumDienste bei denKompagnieen der Militär-Handwerker. Nichtsdestoweniger und trotz diesin Nachsetzungen, die besonders im Militärstande, in dem ein Jeder sich vor seines Gleichen hervorzuthun und anerkannt zu werden'sucht, tief kränken müssen, hat unter denen, die am Glauben festgehalten, eine solche Anhänglichkeit, Ergebenheit und Liebe zu demselben sich erhalten, die selbst ihre Chefs in Erstaunen setzt. — Als der letzte Ukas, der fast einer Ausschließung aus dem direkten Dienste in der Armee gleichkommt, den Soldaten bekannt wurde, frug Einer von ihnen seine Kameraden: wofür kömmt uns dies? und mit der traurigsten Naivität von der Welt antwortete man ihm: dafür, daß wir Juden sind! Solche religiöse Gemeinden haben sich bisher in allen Garnisonen gebildet, in denen die Anzahl der jüdischen Soldaten dreihundert beträgt, und eine solche Gemeinde bilden auch die Juden, die in Kronstadt auf der Flotte und in St. Petersburg in der Garde stehen. Ich werde Ihnen diese etwas näher beschreiben; Sie werden sich daraus ein Bild aller übrigen, ä peu pres, machen können. Von den Chefs sind ihnen drei Betstuben eingeräumt. Die Eine, die größte, befindet sich in der Kaserne, in der Galeerenstraße, in welcher an den Feiertagen 4—560 Mann aus den verschiedensten Gardercgimentern beten. Die zweite ist bei den Korps der Gardeschmiede, in welcher an zweihundert beten, und die dritte auf dem jenseits der Newa gelegenen Wessili-Ostrow, in der eine geringe Anzahl sich versammelt. Ich besuchte während der letzten Feiertage das Bethaus der Gardeschmiede. Ein geräumiger viereckiger Saal wurde ihnen in der Kaserne 1837 dazu angewiesen. Durch allmälige Beiträge, die sie theils vom Verkaufe derniLa, theils von freiwilligen Spenden erhielten, haben sie die Betstube sich vollkommen, wie eine Synagoge eingerichtet, sich zuerst eine heilige Lade, dann eine Bimah, und endlich eine Frauenabtheilung (denn die Meisten sind verheirathet) hineingebaut; haben selbst ihre min, und die nöthige Zahl von Hängleuchtern für dieselbe gearbeitet; mit Tafeln, die die verschiedenen Gebete enchalten, dieselbe verziert, und überall prangt entweder die Kaiserkrone oder der Doppeladler. An den Wochentagen beten sic, wenn die Zeit es erlaubt, mit Minjan; erlaubt es die Zeit nicht, so betet jeder Einzeln, und weilet, besonders des Nachts, wenn Feierabend ist, in derselben, wie ich noch in dieser Woche, als ich Jahrzeit halber zu ihnen zu beten ging, einen wackcrn chassidischen Schmied über dem kabbalistischen -i;*a ns-pn fand. Zu naw nbap und am Sabbatmorgen selbst wird der gewöhnliche Gottesdienst verrichtet, und in inniger, wahrhafter Andacht beten in den verschiedensten Uniformen Soldaten, Musikanten und Feldscheerer. Nach der Sitte ihrer Heimath, in welcher der Jude, nie ohne sich einen Gürtel umzubinden, beten geht, binden sie über die Uniformen ihre Schnupftücher. Damit ein Jeder so oft als möglich zur Tora gerufen werde, werden drei a-naa aus der Lade genommen; aus einer wird aus der Bimah, und aus den beiden übrigen auf besonderen Seitentischen verlesen, und natürlich zu jedem iss andere Soldaten gerufen. Traf es sich, daß manche auch am Sabbat (gegen den Ukas) in der in demselben Hause sich befindenden Schmiede arbeiten mußten, so eilen sie mit ihren schwarzen Gesichtern, mit ihren schwarzen Händen und Schürzen, wenn die Keduscha gebetet wird, schnell in bas BcthauS zu ihren Brüdern; und rührend ist es, zu sehen, mit welcher Hingebung, mit welcher herzvvllen Andacht sie dem Allvater daS Dreimalheilig zurufen. (Schluß folgr.) Anzeiger. Ja demselben werden Annoncen aller Art gegen iVrNgr. (i gGr.) Gebühren für die gespaltene Seile ans Petit-Schrift oder deren Raum sowie literarische, merkantile u. a. Beilagen ausgenommen. Die Verlagshanblung. Anzeige. Ein Lehrer, zugleich Worbctcr und Schächter, welcher befähigt ist, sowot in dm jüdischen als auch in dm deul-

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