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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-11-04 · Heft 45 (4.11.1844) · p. Seite 639

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 45 (4.11.1844)
Date
1844-11-04
Page
Seite 639 (sequence 3)
Language
German
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639 soll sie wirksam auf den ganzen Menschen sein, niemals die Symbole ganz abweisen können, weil sie eben dadurch dem Jünger zur nähern Anschauung und Durchfühluug bringt, was zur ganzen Erkenntniß nicht kommen kann, oder selbst innerhalb der Erkenntniß nicht den ganzen Menschen ergreift, nur einseitig den Verstand. Es unterscheiden sich daher uothweudige und an Zeit und Ort geknüpfte.Symbole. Jene werden den wirklichen Inhalt der Religion so wesentlich tragen, daß diese auf jener immcrfortige Erhaltung dringen muß: die an Zeit und Ort geknüpften Symbole werden wechseln, ja aufgegeben werden können. Während nun das geoffenbarte Gesetz beiderlei Symbole enthält, haben die späteren Lehrer und Weisen des Judenthnms die an Zeit und Ort geknüpften Symbole ganz besonders, dem Bedürfnisse jener Zeit gemäß und dem Systeme zufolge, ungemein vermehrt und erweitert, und darin, sagen wir, lag der asiatische Charakter. Betrachten wir .'nur eine Zeremonie, deren Grundlage im Pentateuch gegeben ist, in der rabbinischen Ausarbeitung, so springt uns dies klar in die Augen. Die Formen des Get, der Chalizah, des Erubs, die Ausarbeitung des Peßachgesetzes ff., alle diese sind übervoll des Symbolisirens. Diesem ist aber dte humane Zivilisation geradezu entgegen. Den Einzelnen, seine Eigenthümlichkeit und sein Bedürfniß völlig übersehend, hat sie nur das im Auge: die Entwickelung des Menschengeistes und die moralische Handlung. Alles, was abseits liegt, will sie aufheben, beseitigen. Im Kleinen und Großen dringt sie auf eine gleichmäßige Bildung, so wie diese ein Ausfluß der menschlichen Vernünftigkeit' und Moralität ist. Hat diese nun die profanen Wissenschaften und die Gesellschaftlichkeit durchdrungen, so legt sie auch die Hand an die Religion, und indem sie nur das darin gelten läßt, was allgemeingültig dem Menschenverstände zu entsprechen scheint, will sie dafür nur das nackte Wort, ohne weitere Haltung an Symbol und rituelles Werk. — So hoch man aber diese humane Zivilisation und ihre erhabenen Produkte achten muß, so kommt es dem Einzelnen doch zum Bewußtsein, daß sie ein vollendetes Werk für den Einzelnen nicht zu schaffen vermag, und das Verlangen, inmitten des allgemeinen Kampfes ein bestimmtes zu haben, das ihn, den Einzelnen, sicher trage, und ihm Befriedigung schasse, auch ohne daß die Menschheit iu der humanen Zivilisation ihr Ziel erreicht habe, wird desto reger. Hier ist es also, wo er zur positiven Religion zurückkehrt, und die Konfession erhalte» will. Diese Konfession kann aber nicht Ln einzelnen allgemeinen Lehrsätzen bestehen, sondern sie muß getragen sein von dem ganzen individuellen Gepräge, damit sie den ganzen Menschen durchdringe, und ihn nach allen Seiten hin befriedige. Aus dem Gesagten wird e6 eben einleuchten, wo die beiden Richtungen, die wir charakterisirt haben, in's Extrem gerathen, und dadurch zum Befeinden kommen: wenn die humane Zivilisation alles charakteristische Konfessionelle auflösen, und nur einige, dem Menschenverstände einsichtliche Lehrsätze übrig lassen will; und wenn die Konfession ihren ganzen anerworbenen Apparat bewahren will, dem verknöcherten Buchstaben gemäß, ob derselbe auch noch die veraltetsten, überlebtesten Symbole mit sich tragt. Tie humane Zivilisation wird in diesem Extrem eine völlige Zersetzung geben, für die sie keinen genügenden Ersatz bietet; die Konfession wird in diesem Extrem erhalten wollen, was längst zersetzt und abgestorben ist. Man sieht, der echte Lebensmittelpunkt ist: die Unterscheidung zwischen den nothwendigen Symbolen, in denen die Wesenheit der Konfession getragen wird, und der an Zeit und Orr geknüpften, die gewechselt und aufgegeben werden können, ja müssen, wenn der in ihnen lebende Geist todt ist. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten. Großbritannien. London, 16. Oktober. Gestern war der dazu anbcraumte Tag, wo Herr David SalomonS vor dem Hof der Aldermen seinen Eid leisten sollte. Als Herr Solomons von Herrn Hall eingeführt worden, legte der Stadtschreiber ihm eine Abschrift der Erklärung vor, die er unterzeichnen müsse, bevor et zum Eide zugelassen werden könne. Herr Solomons bat zunächst den Hof um Aufschub, indem er nicht Zeit genug gehabt, um den Rath der ersten englischen Legisten einzuholen, worauf indeß keine Rücksicht von dem Hofe genommen werden konnte, indem der Rekorder erklärte, daß ein Verzug seiner Einschwörung illegal sei. Herr Salomons hielt darauf eine Rede, worin er zu entwickeln suchte, daß dem Hof der Aldermen gemäß dem Statute das Recht zustehe, ihn erst zum Eid zu lassen und alsdann

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