Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 40 (30.9.1844)
- Date
- 1844-09-30
- Page
- Seite 565 (sequence 9)
- Language
- German
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565 „Keine Macht; nur keine Macht!" Fest andauernd war aber diese Stimmung nicht; die fixe Idee spukte immer fort, und drängte sich — wie man sehen wird — wenn auch bedeutend modisizirt, spater auf's Neue hervor. Jetzt erbat sich erst der pesther Rabbiner die Erlaubniß, seinerseits als Normale für diese erste Versammlung der ungar. Rabbinen einige längst gehegte Wünsche in geordneter Reihe zur gütigen Entgegennahme und Beherzigung unterbreiten zu dürfen. Vorgebrachte Punkte waren folgende: I. Zweck der Versammlung. Die Rabbinerversammlung hat zum Zwecke sich über die von der Zeit hervorgerufenen öffentlichen religiösen Bedürfnisse in Israel und über die Mittel ihnen abzuhelfen, zu besprechen und zu berathen. II. Bedürfnisse. 1) Weckung und Belebung eines israelitisch-frommen Sinnes und der Anhänglichkeit und Liebe zu der väterlichen Religion bei den Erwachsenen *). 2) Heranbildung der Jugend zu frommen Israeliten, zu sittlichen Menschen und zu guten und nützlichen Mitgliedern der Staatsgesellschaft. 3) Wahrung der Ehre und Würde unserer heiligen Religion nach außen hin, das heißt, gegen die aus Mißverstand und Unwissenheit hervorgehende Anfeindung und Herabwürdigung derselben durch Darstellung ihres wahren Wesens und Geistes öffentliche Einsprache zu thun. 4) Herstellung der Würde und Weihe des öffentlichen Gottesdienstes, durch Einführung einer in Beziehung auf solchen wohlgeregelten dem *) Diesen Punkt erläuterte der Redner auf eine sehr einfache und eindringliche Weise, indem er des Abgottes der Orthodoxen, des Freih. von Rothschild gedachte, und zu überlegen gab, daß dieser Mann doch keiner von denen ist, die sich des Handels und Wandels am Sabbat, der verbotenen Speisen u. s. w. enthalten; gleichwol gebühre ihm und stehe ihm wohl an das Lob, die Ehre und die Liebe die ihm alle Parteien für seine Anhänglichkeit an das Judenkhum, in'.gleichcm und vollem Maaße angedeihen laffcn. Diese Vecsahrungsweise sei aber überall zu beobachten, wo ein gleicher Fall eintritt. Dies könne nur ersprießlich sein. Korresp. gesunden Geschmacke und Sinne zusagenden Norm; und Beseitigung aller Miß- und Ucbelstände im Gotteshause. III. Mittel zur Abhülfe. 1) Einsetzung einer für das ganze Land bestehenden Religionsbehörde, bestehend aus Rabbiner und Laien; welcher die Leitung aller religiösen Angelegenheiten, namentlich die Kreirung und Befähigung der anzustellenden Rabbiner, die Ueberwachung der Schulen, die Schlichtung der etwaigen Mißhelligkeiten zwischen Gemeinde und Rabbiner und noch Mehreres übertragen sein soll. 2) Errichtung einer guten zweckmäßigen Schule in jeder Gemeinde; worin die Jugend in Religion und Moral, und in anderen dem Menschen und Bürger wissenswürdigen Dingen unterrichtet werden soll. 3) Bildung eines Vereines in jeder Gemeinde oder jedem Bezirke zur Förderung der Gewerbsthätigkeit v. h. des Handwerkes und Ackerbaues in unserer Mitte, und zur Entziehung der Heranwachsenden Generation von den bis jetzt gewöhnlichen Erwerbszweigen. 4) Abfassung eines Religionsbuches das die Grundlehren und Grundpflichten des Judenthums enthalten, und von allen Rabbinen approbirt werden soll; dieses Buch soll gleichsam eine öffentliche Konfession sein und eine autorisirte Quelle, woraus der Nichtisraelite sich wahre Kenntniß von dem Geiste und Gehalte unserer heiligen Religion verschaffen könne. Zur Realisirung dieser Mittel ist nothwendig, daß die jetzt versammelten Rabbiner sich mit den dermaligen israelitischen Landesdeputirten vereinigen, um mittelst ihrer eine vollständige.Rabbinats- und Laienversammlung zu bewirken, deren Aufgabe es sei, die angegebenen Mittel und noch andere, die sie für zweckmäßig erkennen wird, in's Leben zu rufen. Die Versammlung soll eine Kommission ernennen zur Abfassung des erwähnten Religionsbuchcs, um solches schon einer nächsten Synode zur Approbation vorlegen zu können. Vorläufig fühlt sich die gegenwärtige Rabbinerversammlung von ihrem Herzen gedrungen, Folgendes im Namen ihrer Religion vor Gott und der Welt zu erklären und zu betheuern. 40»