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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-09-02 · Heft 36 (2.9.1844) · p. Seite 511

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 36 (2.9.1844)
Date
1844-09-02
Page
Seite 511 (sequence 11)
Language
German
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511 schwingen. Denn es würde dann dem Bauer überhaupt, sein vom Gesetz ihm zugesichertes Recht auch faktisch nicht langer vorenthalten werden, da es ja dem jüdischen Bauer wird gewährt werden müssen. Anstatt also der unbegründeten Furcht, dann mit dem jetzigen christlichen Bauern ein gleiches trauriges Loos zu theilen, muß man sich vielmehr der wohlbegründeten, schönen und erfreulichen Aussicht, mit seinem Loose auch noch das Loos so vieler tausenden armen Bauernfamilien zu verbessern, sich hingeben und um so freudiger— den Pflug ergreifen.— „Aber die armen Juden in Galizien sind zu schwach den Pflug zu führen," höre ich eine empfindsame Stimme mir erwiedern. Welche Ausflucht! Sage mir, du weiche Stimme! gehört dazu mehr Kraft sich auf dem Felde anzustrengen und Brod zu haben, oder dazu, aus dem Markte mit dem Stocke in der ermüdeten Hand tagelang zwecklos hin und her zu treiben und daheim mit den Seinigen zu darben, und von Hunger und Kalte sich buchstäblich langsam abtödten zu lassen d Arbeit stärkt den Mann, Müßiggang schwächt ihn; Erholung nach der Arbeit ist der süßeste Lebensgenuß; hungern zu Mittagszeit wahrend Andere bei ihren vollbesetzten Tischen sich gütlich thun, und seine Kinder darben zu sehen ohne helfen zu können, ist — ein bitterer lebendiger Tod. — Nun, als letztes Lebewohl, rufe ich noch meinen galizischen Brüdern die Worte unseres göttlichen Lehrers Moses zu: Siehe, da hast du Leben und Tod, wähle — das Leben! — Bukowina. Die Bukowina ist ein sehr schönes fruchtbares Land, jedoch ziemlich dünne bevölkert. Juden wohnen daselbst nur in einigen Städten. Die wichtigsten derselben — besonders für unfern Zweck — sind die zwei nahe neben einander liegenden Ortschaften Sadigura und Tschernowitz. — Sadigura hat eine große jüdische Gemeinde. Wesen, Tracht und Lebensart derselben, wie in Galizien, daher wir auch in dieser Beziehung nichts von Bedeutung hier zuzusügen haben, nur ist Sadigura dadurch merkwürdig geworden, daß der bekannte Risaner Zadik Reb Jsruelki bei seiner Ausweisung aus Rußland diesen Ort zu seiner künftigen Residenz erwählt hat. Die eigenthümliche (mehr fürstliche als rebbische) pompöse Lebensweise dieses Mannes, sein chassidischer Hofstaat und die Größe seiner ihm willenlos gehorchenden Umgebung, hat für ihn und die Seinigen in Rußland die unheilvollsten Ereignisse herbergeführt, die aber hier zu berichten all zu weitläufig werden dürften. Auf österreichischem Gebiete wird er wahrscheinlich eine andere Lebensweise ergreifen. Uebrigens war die Wahl dieses Ortes glücklich. Sadigura hat jährlich viele sehr bedeutende Viehmarkte. Die Ochsenhändler, meistens Juden aus dem benachbarten Beßarabien, werden natürlich nicht ermangeln, bei ihrem öftem Erscheinen daselbst mit ihren vierfüßigen Handelsgefährten, auch mit dem Rebbi sich auf einen guten Fuß zu stellen, theils um sich einen guten Markt zu erbeten, theils um nach abgehaltenem gutem Markte seine klingende Dankbarkeit abzustattm. Durch diese Wahl hat aber auch die Stadt gar viel gewonnen. Denn der gewaltige Zufluß von Besuchenden nach diesem neuen Wallfahrtsort führt eine bedeutend erhöhete Konsumtion aller Lebensmittel und dadurch einen großem Geldvertehr mit sich. Besonders aber ist es jenes Lebensprinzip jeder chassidischen Gemeinschaft, jenes geistige Lebenswasser (l’eau de \ic, acht deutsch: Branntwein) das jetzt das Leben der Sadiguraec Schankwirthe, der grundherrlichm Proponation (Branntweinsteuer), der Branntweinbrennereien, so wie aller gemeinnützigen Herren Branntweinhandler rings herum weit und breit um ein Vieles gemächlicher gestalten wird ö).— (Fortsetzung folgt.) ) Die größere Branntweinkonsumtion die mir dem Da-Sein eines Zadiks verbunden ist, veranlaßt sehr oft, daß christliche Grundherren um die Einquartirung eines Rebbi in ihrem Städtchen, wie um die einer bedeutenden Militärgacnison Alles anwendcn; daß sie ihm und seinen Chassidim allen möglichen Schutz und Vertretung versprechen und auch angedeihen Lassen. — Man sichet also welchen sauberen Quellen der Chassidismus die Fortdauer seiner Existenz mitunter zu verdanken hat. — Korresp. Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen iV.Ngr. (IgGr.) Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petit-Schrift oder deren Raum sowie literariscbe, merkantile u. a. Beilagen ausgenommen. Die Vcrlagshandlung. Bei Louie. Gerschcl in Liegnitz ist erschienen und durch alle Buchhandlungen zu beziehen: Die Unsterblichkeit unserer Person, wissenschaftlich beleuchtet von 2t. Tarnmtc*, -Dr. i'iul. Preis 15 Sgr.

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