Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 36 (2.9.1844)
- Date
- 1844-09-02
- Page
- Seite 508 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3224737-3225335-3225372--06288-3315095- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
508 Demnach hat Kreis Könitz 1444 Einwohner und 302 schulfähige Kinder; Dt. Krone 2208 Ew. und 308 schulfähige Kinder; Kulm 755 Ew. und 136 schulfähige Kinder; Flatow 3263 Ew. und 578 schulfähige Kinder; Graudenz 779 Ew. und 174 schulfähige Kinder; Löbau 894 Ew. und 193 schulfähige Kinder; Marienwerder 584 Ew. und 115 schulfähige Kinder; Rosenberg 688 Ew. und 127 schulfähige Kinder; Schlochau 1196 Ew. und 201 schulfähige Kinder; Schwetz 816 Ew. und 119 schulfähige Kinder; Straßburg 1935 Ew. und 365 schulfähige Kinder; Stuhm 521 Ew. und 107 schulfähige Kinder; Thorn 886 Ew. und 163 schulfähige Kinder. Im Ganzen also 15939 Ew. und 2888 schulfähige Kinder. Davon wohnen in Städten 13953 auf flachem Lande 1986. Die Gemeinden zu Thorn, Graudenz, Briefen und Löbau haben bei der hohen Behörde um Erlaubniß zum Bau einer Synagoge gebeten, und zum Thcil dieselbe auch schon erlangt. Im ganzen Regierungsbezirk fungiren 14 Rabbincn, 29 Gemeinden sind ohne solchen, 14 Gemeinden haben besondere jüdische Schulen, 29 nicht. Iserlohn, im August. .(Privatmitth.) Am 9ten d. M. ward im benachbarten Dörfchen Oest-ich eine neue Synagoge feierlich eingeweiht. Der Oberrabbiner Sutro und der Kantor Löwenberg hielten angemessne Reden"). Oesterreich. St. Nicolau, 11. August. (Privatmitth.) Wer bloß die Säle der Gesetzgebung zu Preßburg besucht, wer bloß in den Zeitungen und Landtagsberichten die Feuerreden einiger, für das Recht erglühten Patrioten liest, der würde glauben, Ungarn sei seiner politischen Reife nahe, in keinem Lande wie diesem werden Menschenrechte so sehr geehrt, wird Menschenwerth so sehr gewürdigt. Sind doch die neugeschaffenen Gesetze alle von den Grundsätzen wahrer Humanität durchdrungen, gehen doch alle vom Prinzipe der reinsten Menschenliebe aus. Wie glücklich ") Da die Feier die bei solcher Gelegenheit gewöhnliche war, >o können wir die uns übersandte weitere Beschreibung hier nicht geben. Redakt. daher ein solches Land, wie glücklich sind dessen Bewohner zu preisen! — Doch nicht bloß die Säleder Gesetzgebung, wo diese Gesetze geschaffen werden, muß man besuchen, sondern auch jene Säle, wo sie vollzogen werden. Man müßte eine Zeitlang in einem Komitatsorte verweilen, einer Kongregation beizuwohncn. Die dort gemachten Erfahrungen werden viele Ansichten verändern. — Mögen folgende Thatsachen den Beweis liefern, so wehmüthig sie das Herz des Menschenfreundes auch stimmen werden. Wir haben in Ungarn ein neues Wechselrccht von 1840, schöner und gerechter ist keines in Europa. Ein .wahres Meisterwerk unsrer größten Juristen und weisen Gesetzgeber (Worte der Preßb. Zeit, vom 5. Juli d. I.) So lerne man dieses Meisterwerk näher kennen, wenigstens wie es gehandhabt wird. Ein reicher Gutsbesitzer klagte einen achtbaren israelitischen Handelsmann einer Schuldforderung wegen beim hiesigen Gerichte an. Es handelte sich um einen bereits vor siebzehn Jahren ausgestellten Wechsel, den aber der Verklagte als längst liquidirt erklärte, wofür er auch viele rechtsgültige Beweise in Händen hatte. Aber der angeklagte Israelit wirdverurthcilt. — Doch dies ist es nicht, was ich hcranbringen wollte. Erwähnter Handelsmann, unfähig zur Bezahlung einer solchen, durch die angehäuften Interessen enormen Summe, wurde — dem Gläubibiger zur beliebigen Verfügung übergeben. Und kaum hatte man dem Armen diesen Urtheilsspruch verkündigt, ohne daß man ihm nach dem Rechrsgange eine Zeitfrist bis zur Vollstreckung desselben gestattete, wurde er aus dein Gerichtssale stante pede, begleitet von Haiducken und einem.Musikchor, das Nationalmärsche spielte^ von den exequircnden Richtern und anderen Komitatsbeamten, unter dem Hohnlachen des versammelten Adels, der sich an die Fenster drängte, durch die Gassen des Ortes nach dem Gute des Gläubigers abgeführt, um dort zur Augenweide der Begleiter, empörende Frohndienste zu verrichten. Wie es sich spater herausstellte, hatte sich eine gewisse Jugend im Voraus wie auf ein Fest gefreut und berathen. Die Stimmen einiger Edelgesinnten verhallten. — Wir enthalten uns jeglichen Kommentars, so schwer es der empörten Empfindung wird. — Mit Stolz kann es die hiesige Judengemeinde sagen, seit Mcnschengedcnken war noch kein hiesiger Jude in Haft, : oder wurde eines Kriminaldiebstabls ff. angeklagt.