Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 36 (2.9.1844)
- Date
- 1844-09-02
- Page
- Seite 506 (sequence 6)
- Language
- German
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506 überhaupt, der Gemeinde ein solches Aergerniß gegeben hat, daß die ihm nolhrvendige Achtung zerstört und die Fortsetzung des Amtes durch ihn mit der Würde seines Standes unverträglich ist, so soll auf den Antrag der Vorsteher und Repräsentanten die desfallsige Untersuckung jm administrativen Wege geführt werden. Zu der Entlassung vom Amte bedarf es zwar eines gerichtlichen Erkenntnisses nicht, es muß aber die desfallsige Verfügung von dem herzoglichen Sraatsministerium bestätigt werden. Der Entlassene hat nur Anspruch auf die einmalige Beziehung eines Gehalts von drei Monaten, vom Tage der Eröffnung der die Entlassung bestätigendeu hohem Verfügung an gerechnet. Auf eine gleiche Entschädigung kann der Rabbiner auch dann nur Anspruch machen, wenn dessen Entlassung oder Absetzung in Folge der Bestimmung des Krmünalgesetzbuchs auf gerichtlichem Wege erkannt wird." — (Fortsetzung folgt.) Preußen. Trier, 17. August. (Tribsche Zeitung.) Es hatte sich vor einiger Zeit dahier hinsichtlich eines im dreißigsten Infanterieregimente dienenden einjährigen Freiwilligen jüdischer Konfession die Frage erhoben, ob einjährige Freiwillige israelitischer Konfession ebenso wie die übrigen einjährigen Freiwilligen nach der Instruktion vorn 21. Marz 1843 zu Unteroffizieren auszubilden und zu befördern seien. Diese Frage, welche in Betracht des Umstandes, daß ein Unteroffizier doch immer die Qualität eines unmittelbaren Staatsdieners besitzt, für die Freunde der Judeuemanzipation nicht ohne praktisches Interesse ist, wurde von Sr. Majestät dem Könige auf den dessallsigen Vortrag unseres humanen Kriegsministers dahin entschieden, daß einjährige Freiwillige jüdischer Konfession allerdings ebenso wie die übrigen einjährigen Freiwilligen zu Unteroffizieren auszubilden und zu befördern seien. Nach dem betreffenden Kriegs-Ministerialreskript soll jedoch in jedem einzelnen Falle vor der Beförderung dem Ministerio eine ausführliche Anzeige über die Verhältnisse und die QuaUsikalion deS israelitischen Freiwilligen gemacht werden. Berlin, 25. August. (Privatmitth.) Der Entwurf zu einem neuen, allgemeinen Judengesetze ist zurückgelegt, die ganze Idee von der Bühne verschwunden. Es bleibt beim Alten. Es sind Fragen gerichtet worden an alle Judengemeinden. Es sind auch Antworten ertheilt worden in großer Fülle. Dann machten Referendarien der einzelnen Regierungen Auszüge aus den Antworten, diese Auszüge wurden eingesandt. So weit ist diese Angelegenheit vorgeschritten. Ob die reponirten Akten jemals zum Lichte wieder erscheinen werden, das ist die Frage. Diese Frage kann aber Niemand beantworten. Großer Gefahr sind die Juden allerdings entgangen. Die Befreiung vom Militärdienste würde früher oder später, wenn auch nicht im Sinne der jetzigen Machthaber, die Grundlage geworden sein zu Ausschließungen aller Art. Erst hiermit hätten wir das Recht verloren. Aufschluß über Intentionen kann man daher gar nicht geben, weil keine vorhanden sind. Es ist natürlich, daß man nicht so schnell mehre Ideen über einen und denselben Gegenstand haben kann. Ist also eine aufgegeben, so laßt man den Gegenstand überhaupt liegen. — Das Einzige ist also, daß die Juden sich selbst helfen, wo ihnen nicht geholfen wird. Ich meine ihre inneren Zustande. Sie können dieselben recht gut regeln ohne die Regierung. Die rechten Männer überall an die Spitze gestellt, guter Wille und Thatigkeit: können ganze Provinzen sich vereinigen und zu guten Zielen kommen. Bei Lässigkeit und Leblosigkeit kann selbst bei gesetzlicher Ordnung Nichts werden und wachsen. Marienwerder, 24. Juli. (Privatmitth.) Bevor ich meinem Versprechen gemäß, die näheren Verhältnisse und Zustände meiner Glaubensgenossen im hiesigen Regierungsbezirke beschreibe, erlaube ich mir Ihnen nachstehende Tabelle zukommen zu lassen, welche in statistischer Beziehung wichtig genug sein dürfte, um zur Oeffentlichkeit zu komrnell. Mein nächster Bericht wird sich an diese Tabelle anlehnen, wodurch dessen Wahrheit jedem Leser von selbst in die Äugen springen wird. Für die Glaubhaftigkeit der nachstehenden Tabelle bürge ich. Dr. H. Jolowicz, rsraelit. Prediger.