Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 34 (19.8.1844)
- Date
- 1844-08-19
- Page
- Seite 485 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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485 das Bewußtsein zum Guten und Edlen mitgewirkt zu haben, in so großem Maße erwächst!-Mit beiden Verwaltungszw eigen ist eine jährliche öffentliche Kunstausstellung und eine Prämienvertheilung für die beste Arbeit ihres Faches, an den sich auszeichnmden Eleven verbunden. Es verstehet sich übrigens von selbst daß ein solcher Handwerksverein mit einer israelitischen Unterrichtsschule in Verbindung stehen muß (denn die Mittel zur künftigen Leiblichen und geistigen Nahrung müssen dem heranblühenden Menschen gleichzeitig gereicht werden). Für Galizien wäre hierin die tarnopoler Schule als Musterbild zu nehmen. — Man wird natürlich hier nicht erwarten die Details einer solchen großartigen Unternehmung hier auseinandergesetzt zu finden; es möge nur hier vielmehr ein Fingerzeig genügen, um die Aussicht auf ein weites, schönes, blühendes Feld einer glücklichen Zukunft für unsere galizischen Brüder, die jetzt so traurig in Armuth und Drangsal schmachten, und deren Noth mit der wachsenden Zunahme jüngerer Geschäftskonkurrenten und der Abnahme des Verhältnisses zwischen der arbeitenden und kommerziellen Klaffe immer mehr zunehmen muß, eröffnet zu haben. Drittens. Die Nicht-Existenz des Ackerbaues unter den Juden in Galizien. Unter den circa 80,000 jüdischen Familien (400,000 Seelen) giebt es gewiß keine zwanzig, die den Ackerbau betreiben, trotz dem daß noch vor mehr als einem halben Jahrhundert ein großer Kaiser — Joseph — mit der größten Humanität, ja persönlicher Selbstverleugnung ihnen dazu den Weg bahnen wollte; trotz dem daß alle seine erhabenen Nachfolger den jüdischen Ackerbauern besondere Rechte und Privilegien und besonders den Erlaß der sonstigen Judensteuer und Militärpflichtigkeit zugesichert haben. — In der That wie kann auch eine Gesellschaft wahrhaft prosperiren, wo das Verhältnis der Ackerbau-Betreibenden zu den Handelsbcflissenen so gering ist? (und die faktische Armuth bestätiget leider auch hier diesen schon so oft bewährten Satz) und warum sind die Juden Galiziens dem Ackerbau so abhold? Welcher Boden ist denn geeigneter noch Tausende von Bauernfamilien reichlich zu ernähren? Welchem ließe sich, durch Fleiß und Agrikultur-Verbesserungen noch so leicht ein drei bis vierfacher Ertrag abgewinnen, als jenem Galizien, das ja bekanntlich der überschwänglichen Fruchtbarkeit willen die Kornkammer Oestreichs genannt wird und dazu noch verhaltnißmaßig so dünne bevölkert ist? — (Aus 1500 Q. Meilen circa 4 Millionen Einwohner, also nur circa 2660 Einwohner auf die Quadratmeile). Was haben nicht die jüdischen Ackerbau- Kolonreen in Südrußland für Vorzügliches geleistet? Welcher materielle Nutzen ist nicht ihnen, und welcher bei weitem größere noch und zwar moralischer Natur, ist nicht dadurch der ganzen russischen Judenheit erwachsen, da doch eben diese vorgebliche Ackerbau-Apathie bekanntlich als ein Hauptacgument im Munde der Gegner der Judenemanzipation zu siguriren pflegte? Wie solider würde aber nicht erst ein solches Unternehmen.in Galizien unter der österreichischen Regierung sein. — Daß übrigens diese Regierung die Verbreitung des Akkerbaues unter den Juden Galiziens sehnlichst wünscht, und jedes hierzu einschlagende Unternehmen kräftig unterstützen wird, ist nach ihren bisherigen mannigfachen unzweideutigen Aeußerungen gar nicht zu bezweifeln. Es ist dieses auch ganz natürlich, indem diese weise Regierung es weiß, welchen Ungeheuern Impuls der in Galizien noch so sehr in ihrer Kindheit liegenden Agrikultur dadurch gegeben würde, wmn eine Anzahl jüdischer Familien die mit mehr materiellen Mitteln, und besonders mit bei weitem überlegenen geistigen Kräften als die Mehrheit der gegenwärtigen christlichen Bauern ausgestattet sind, sich dem dortigen Bauernstände anschließen sollten. — (Fortsetzung folgt.) Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen iVrNar. (I 3®r.) Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petit-Schrift oder deren Raum sowie literarische, merkantile u. a. Beilagen ausgenommen. Die Verlagshanblung. Dringende Bitte an die Gemeinde- Vorstände Israel's. Zn der verhangnißvollen Nacht vom 20. zum 21. d. Mts. (*|-nn nsa) wurde Handcshut in Schlesien von einer Feucrsbrunst heimgesucht, durch welche 150 Familien meiner christlichen Mitbürger Obdach wie Habe und Gut verloren. Da Landeshut bekanntlich durch das Aufhören des Leincwandhandels immer mehr verarmt, wie auch nicht minder durch die Noth der hiesigen Weber seit Jahren sehr in Anspruch ge-