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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-07-29 · Heft 31 (29.7.1844) · p. Seite 442

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 31 (29.7.1844)
Date
1844-07-29
Page
Seite 442 (sequence 14)
Language
German
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442 sein mag, philosophisch, politisch, naturhisiorisch rc., er zerbricht sich den Kopf und liest es, aber, wohl gemerkt, verstohlen auf dem Felde, in einer Scheune, oder wenn er sich auf seinem Vierellen-Stübchen allein stehet. Kommt unglücklicherweise währenddem eines von den Hausleu-- ten hinein, flugs da liegt das Buch unterm Sitze, unterm Bette, zwischen Pantoffel und Fußboden und in anderen derlei geheimnißvollen Schlupfwinkeln, um so das corpus delicti wo möglichst zu verbergen, denn wird's entdeckt, o dann welch ein Unglück für Buch und Leser! — Indessen findet man in Galizien an einigen Orten jener Gegend (besonders ist es die Gemeinde Tyrmenitz, die sich hierin auszeichnet,) es ist wahrlich zum Bewundern — junge Leute, die es nicht nur mittelst einer solchen Autodidaktik unter solchen unsäglichen Mühen und Schwierigkeiten bis zur gründlichen Verstandniß der deutschen höhern Büchersprache gebracht, sondern die sogar die tiefsten und ernstesten Wissenschaften (Mathematik, Phosr'k, Astronomie 1c.) in dieser Sprache erlernt haben. — Leichter gehet es schon mit der modernen hebräischen Belletristik, oder mit den antiken philosophischen Werken, die in hebräischer Sprache abgefaßt sind. Denn, odschon ein More Nebuchim (Doclor perplexoruin) ein Jkarim, ein Kusari aus der alten klassischen Zeit, so wie ein Laischarim Tehitah von Luzato, ein Schice Tifereth, oder sogar Sescr Hamidoth von Wessely aus der neuesten Zeit zu den höchst gefährlichen (Rachmune-jazileini!) und daher schon beim Berühren höchst verbotenen Werken gehören, so sind sie doch in hebräischen Lettern geschrieben und die gelehrte Umgebung iuelushe des Herrn Schwiegervaters und seiner Hausfreunde kennen meistens nicht einmal dem Namen nach solche verfänglich-gelehrte Bücher, aber ein Buch mit unjüdischen Typen (Treffe-Pussil) in seinem Hause, und in den Händen seines Eidams zu finden, da schreiet so ein Schwiegervater ,Zeter in allen Gassen, ircy 'd denn der unerhörteste Gräuel geschah in Israel und dann mag sich Gott der unglücklichen Schwiegersohns-Seele erbarmen! — Aus diesen Gründen findet man auch in jenen Gegenden jüdische junge Leute, die von der aristotelischen Philosophie, wie sie ein Maimonides, Ben-Gerson und Albo vertragen, gründliche Kenntnisse besitzen, die ferner die Hauptmomente des Kantischen Kritizismus (wieihn S. Maimon in seinem Kommentar zum More dacstellt) sammt alten seinen kategorischen, transzendentalen und transzendenten Tafeln auf den Fingern abzuzählen verstehen und die bei alle dem das deutsche — besonders in deutschen Lettern — durchaus nicht oder höchstens kaum zu lesen im Stande sind *). — (Fortsetzung folgt.) *) Daraus ergicbt sich, wie wichtig es für jene Lander (wozu auch Polen und Rußland gehören) wäre, eine Enzyklopädie sammtlicher Wissenschaften in hebräischer Sprache, durch einen Verein von Gelehrten zu veranstalten und herauszugeben. Denn nur die hebräische Sprache allein kann in jenen Landern die Vermittlerin zur Bildung und ein nothwendiges Uebergangsmoment bilden zwischen der völligen Unkenntniß des Daseins aller weltlichen Kenntnisse und Wissenschaften zu einer ächten tiefen Wissenschaftlichkeit, die in der That auch nur in europäisch lebenden Sprachen zu suchen und zu finden ist. Eine hebräische Enzyklopädie der Wissenschaften muß denjenigen Theil unserer Brüder, dem eine kultivirte Sprache unzugänglich ist (z. B. dm Juden in der Türkei, Aegypten, Afrika rc.) so wie denjenigen, die durch sie umgebende Vorurtheile die kultivirten Sprachen nicht genießen können (z. B. den Juden Rußlands, Polens und Galiziens) in das Reich der Wissenschaften erst einführen. Sie muß ihnen erst die Existenz von weltlichen Kenntnissen in ihren Gcundzügen darthun (anstatt daß sie bisher außer dem Gebiete des Talmuds von keinem Dasein von Wissenschaften wissen mochten, da ja Alles im Talmud enthalten sein müsse); hat einmal der junge Mann den geistigen Genuß den diese darbieten gekostet, so wird's ihm ein Leichtes sein sich vom Joche der Vorurtheile attmalig zu befreien; er wird fremde Sprachen und Literaturen kennen lernen und so seine wahre Ausbildung vollenden. — Korresp. Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen lV/>Ngr. (1 gGr.) Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petit-Schrift oder deren Raum sowie literarische, merkantile u. a. Beilagen ausgenommen. Die Verlagshandlung. - Anzeige. Ein junger Mann, der seine Gymnastalstudien vollständig absolvicte und hierüber befriedigende Zeugnisse auszuweisen vermag; eben auch die Akademie verließ, wo

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