Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-07-15 · Heft 29 (15.7.1844) · p. Seite 408

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 29 (15.7.1844)
Date
1844-07-15
Page
Seite 408 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3225335-3225365--06181-3314981
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

408 uns nur die Hoffnung einige Beruhigung geben: diese unsere leidenschaftslose Erklärung könne vielleicht den Einen oder Anderen unserer Mitbürger, den die anscheinende Unparteilichkeit der Verhandlungen zu einem lieblosen Urtheile bewogen, zu einer andern, bessern Meinung über uns zurückführen! Mögen Sie demnach, geehrte Mitbürger, dasjenige Wohlwollen, durch das Sie bisher uns erfreut, dasjenige Vertrauen, dessen Sie bisher uns werth gehalten haben, uns auch ferner bewahren; lassen Sie ohne Unterbrechung das freundliche Vernehmen unter uns fortbestehen, den Geist des Friedens und der Nächstenliebe unter uns walten und mit uns des Spruches eingedenk sein: „Wir haben ja Alle Einen Vater!" (Michaeli 2, 10.) Der Vorstand der jüdischen Gemeinde im Aufträge und im Namen sämmtlicher Gemeindemitglieder." Literarische Nachrichten. 'Bukarest, im Juni. (Privatmitth.) [nina Ein Wort zur Beherzigung! Es ist jetzt die Zeit der geistigen Einigung in Israel, die mit den partikulären Anforderungen des Lebens sich wol verträgt. Die Juden in jedem Lande wollen jetzt achte Bürger ihres Vaterlandes sein, an seinem Wohl und Weh Theil nehmen, ja auch an den Nationaltugenden und Lastern seiner Einwohner partizipiren. Bei alledem thut sich doch im Lager Israels, das nicht kleiner ist als fast die ganze bewohnte Erde, ein Bestreben zur geistigen Einigung kund. Man erkennt erst jetzt den inhaltsschweren Sinn der solidarischen Verpflichtung der Israeliten für einander und die westeuropäischen Juden verkennen dabei ihre hohe Bestimmung nicht. Denn nicht nur ist es an ihnen, allen ihren Glaubensbrüdern an Aufklärung, Bildung und Glaubenstceue voranzuleuchten, sondern sie müssen auch die Hunderttausenden ihrer Brüder im großen Orient, in Nordasrika, ja selbst in gewissen Theilen Osteuropas zu sich heranzuziehen und ihnen den Weg zur geistigen Bildung zeigen; mit einem Worte sich geistig und politisch regeneriren. Unsere Brüder im Orient besonders, können nur durch eine geistige Wiedergeburt vor jeder weitern Verfolgung gesichert, und in ihrer politischen Stellung gehoben werden. Denn Wissenschaft erzwingt Achtung und geistige Ueberlegenheit, die Unwissenheit aber ist wehrlos der rohem Macht Preis gegeben, wie wir leider vorerst gar nicht lange gesehen.— Aber wie sollen denn unsere Brüder im entfernten Osten und Süden, die unter geistig so unmündigen Völkern leben, in den Tempel der Wissenschaft gelangen? Hat denn die Wissenschaft dort eine so ausgebreitete und sich leicht zu erwerbende Literatur wie bei uns? Ist doch die Sprache jener rohen Völker selbst aus einer noch so niedern Entwickelungsstufe, daß sie zur Zeit, zum Gebrauch der Wissenschaft noch ganz unfähig ist? Oder sollte man unfern Brüdern in Syrien und Kleinasien, in Aegypten, Tunis oder Marokko, ja selbst unfern nachbarlichen vsteuropaischen Glaubensgenossen zumuthen erst die deutsche, französische oder englische Sprache zu studiren um sie dann als Mittel zur weitern geistigen Ausbildung zu benutzen? Jeder der die dasigen Verhältnisse kennt, wird die Unthunlichkeit dieser Forderung einsehen. Diesem Uebel abzuhelfen bitte ich meine patriotischen Glaubensgenossen Folgendes zu beherzigen. Unterzeichneter hat sich dem allerdings, schwierigen Unternehmen unterzogen, eine Reihe von wissenschaftlichen Werken in der hebräischen Sprache herauszugeben, von denen jedes eine bestimmte Wissenschaft, auf eine kurze, klare und übersichtliche Weise, und zwar wie sie auf dem Höhepunkt der Gegenwart dastehet, behandeln wird. Sammtliche Werke werden daher die ganze Sphäre menschlicher Wissenschaftlichkeit, wie sie in der Gegenwart anerkannt und. rezipirt ist, enthalten. Daher auch das Ganze, von mir nasiN (Thesaurus scientiarum) betitelt wurde. Der am Schlüsse beigefügte Plan wird meine Aussage hoffentlich rechtfertigen. Ich habe mich über die Nützlichkeit, ja Nothwendkgkeit eines derartigen Unternehmens bereits vor beinahe vier Jahren in einer hebräischen Zeitschrift*) ausführlicher ausgesprochen. Ich habe da jenes mächtige geistige Band für ganz Israel das die hebräische Sprache abgiebt, hervorgehoben. Ich habe es da besonders unseren zartfühlenden Brüdern zur Beherzigung anheimgestellt, wie sehr unsere hebräische Sprache es verdient in ihrer Literatur wenigstens eine kleine Abhandlung über jede der Wissenschaften auf eine systematische Weise und *) Zeitschrift Zion (ypät) von Dr. Jost •»‘iton «Tin an'h na«.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.