Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 26 (24.6.1844)
- Date
- 1844-06-24
- Page
- Seite 367 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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367 einen solchen die heiligen Hallen des Gotteshauses entweihenden Akt aussprechen. Sehr geistreich und scharfsinnig wurde darauf angewandt der Vers: “Di nb?:\ö s-sibs mbn Kb „es solle das Weib sich nicht in das Kleid, i. e. in die Angelegenheit, >. e. in die Religiosität der Männer mischen." Ist das nicht schlagend bewiesen, daß das Weib nicht konsirmirt werden dürfe? O, ich könnte noch mehr aus dem Vortrage dieses geistreichen Mannes anführen, das uns ungeheuerst Spaß machen würde, aber mir zittert die Hand indem ich das niederschreibe, und mir bricht das Herz vor Wehmuth wenn ich daran denke, daß diese Leute gottgefällig zu handeln glauben. „Gottlob, daß solche Anfeindungen jetzt hier ohne Erfolg bleiben, daß, wie ich bereits gesagt, sie bloß rachelustig zuschauen, ohne daß sie es wagen List und Ranke zu gebrauchen. Wir hoffen, daß, mit des Herrn Hülfe, Herr Dr. G. in seinen edlen Bestrebungen sortfahren werde mit der gewohnten Energie, mit der alten Entschiedenheit, unbekümmert wie oft das „kreuzige, kreuzige" auch gepredigt werden mag. Wir hoffen aber auch, daß die Anderen auch bald zur bessern Einsicht gelangen, nicht mehr halsstarrig dem fortreißenden Strome der Verbesserung sich strauben werden, denn: „allen gehöre der Sieg, keiner sei überwunden." /V. Literarische Nachrichten. Rom, 23. Mai. Die Propaganda, deren Bibiiochek bekanntlich in Folge ihrer Verbindungen in allen Theilen des Erdballs reich an Manuskripten in den verschiedensten Sprachen ist, erhielt vor kurzem ein sehr werthvolles Geschenk aus Jerusalem. Einer ihrer frühem Zöglinge, von Geburt ein Chaldäer, welcher sich auf der Rückreise in das Vaterland daselbst aufhielt, durchforschte das Innere der sogenannten Absalonshöhte, und indem ec mit seinem Stock von den Wänden der Grotte Steinchen abstieß, um dieselben zu untersuchen, gab plötzlich an einer Stelle das Erdreich nach, eine Mauer stürzte ein, und er befand sich vor einem bis jetzt unbekannten Gang. Nach einigem Umhertappen in dem dunkeln Raum stieß er auf eine Rolle aus dickem Leder oder wol Pergament, und bei genauer Besichtigung ergab es sich, daß dieselbe in hebräischer Zunge geschrieben sei und Stellen aus dem Pentateuch enthalte, ja es fand sich bald, daß es eine, wie es schien, vollständige Handschrift desselben sei. Der englische Konsul in Jerusalem, den Werth des Fundes kennend, und wol vom Bischof dazu bewogen, bot eine namhafte Summe für das Manuskript; allein der getreue Zögling zog vor es dem Kollegium zu überschicken, dem er seine Bildung verdankte, und so ist dasselbe glücklich hier angekommen. Die Professoren der Propaganda sind mit der Prüfung des Kodex beschäftigt; es wird viel auf die Bestimmung seines Alters ankommen, welches, wenn hoch hinaufzusetzen, ihm vielleicht eine große Bedeutung für die Kritik des alten Testaments verleihen könnte. Jedenfalls wäre sehr zu wünschen daß es dem Vorstand des Kollegiums gefiele bald etwas Offizielles über die Handschrift bekannt zu machen; leider aber ist man hier zu Lande mit dergleichen Mirtheilungen oder gar Publikationen mehr als zurückhaltend. (A. A. Z) jDie erste Nachricht von diesem Funde gab die Revue de 1'Orient, aber so weitschweifig und ungeheuerlich, daß wir Nichts davon hielten. Red.j Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen 1^ Ngr. (1 Q$r.) Gebühren für die gespaltene Seile aus Petit-Schrift oder deren Raum sowie literarische., merkantile u. a. Beilagen ausgenommen. Die Verlagshandlung. Erziehung«-Institut für junge Frauenzimmer Israelitischen Glaubens, begründet von Madame JackSOli 9 unter Direktion und Leitung ihres Mannes Herrn liewis Jackson, Sprachlehrers und beeidigten Translators am Appelkttionshofe zu Brüssel. Diese Anstalt in einer der gesundesten Vorstädte Brüssels gelegen, bietet die besten Garantien für eine gründliche und moralische Erziehung junger Frauenzimmer israelitischen Glaubens dar, und verbindet mit der sorgfältigsten und zweckmässigsteil Behandlung der Zöglinge die billigsten Bedingungen. Adresse: No. 2. Rue de Berlin, Faubourg de Narnur, ä Bruxelles. NB. Sich zu erkundigen bei den bekanntesten jüdischen Häusern in Brüssel, insonderheit Bei Sr. Ehnv. Dr. Löh, Oberrabbiner von Belgien.