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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-04-08 · Heft 15 (8.4.1844) · p. Seite 208

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 15 (8.4.1844)
Date
1844-04-08
Page
Seite 208 (sequence 4)
Language
German
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208 jst ihm so selten, daß er es weit höher schätzt, als es werth ist. Jst es denn so was Großes, was er von Euch fordert?! Nicht Aufhebung seines Steuerdruckes ist es, nicht Gleichstellung mit Euch ist es, nicht Bürgerrechte sind es, die er von Euch verlangt. Das Alles könnt Ihr nicht geben; ihr habt nicht die Macht; hattet Ihr sie, ihr wurdet es nicht geben. Das haben die Polen bewiesen. Als der wilde Souwarow nach Praga kam, da hat der feige Schacherjude, dem der Sieg keinen Gewinn gebracht hätte, gekämpft und geblutet wie ein Spartaner, der Pole aber hat ihn vor und nach gehaßt, verachtet und in's Gesicht gespuckt, wie einem Heloten. Nichts will er von Euch, als nur die Liebe und die Achtung, die der Mensch vom Menschen seinem Mitebeubilde zu fordern das heilige Recht hat. Ihr sagt: das ist es eben, was wir am wenigsten geben können, wir können ihn nicht achten und lieben. Wer kann für die Stimme seines Herzens? wir haben nun die Antipathie.— Das ist der letzte Wall, hinter dem sich der Judenhaß verschanzt, wenn ihm auch die hohle trügerische Phrase zu Nichte worden: die Einzelnen, die sind sehr achtenswerth, aber die Masse, die ist verderbt und verächtlich. Nun gut, sei's darum. Besser, daß Ihr Euren Haß so entschuldigt, als daß Ihr wie die Kinder seid, die den Stein schlagen, weil sie darüber stolpern, und den sie sich doch selbst und mit Gewalt in den Weg gelegt. Besser auch ist es, sich auf die geheimnißvolle Stimme seines Herzens zu berufen, als wie ein Fuchs im Schafpelz sich in den Mantel der christlichen Liebe zu hüllen und Unvernünftiges vernünftig vertheidigen und begründen zu wollen. Das ist närrisch und erbärmlich zugleich. Es ist hier nicht der Ort nachzuweisen, wie und auf welche Weise dieser Haß entstanden? warum er z. B. in Holland, England, Frankreich und Belgien bald zum Mährchen geworden sein wird, warum jetzt in Deutschland mehr noch die Gesetze, als die Bürger von ihm wissen? oder wie, und warum er geweckt und genährt wurde? — aber das glaube ich hier aussprechen zu dürfen: Wären alle Juden tobt und begraben, sie würden sicher und gewiß geachtet und angestaunt wie die Griechen und Römer, ja wie alles Große, Wahre und Ehrwürdige — wenn es untergegangen. Es ist hier auch nicht der Ort nachzuwcisen, wie und auf welche Weise die Verachtung entstanden, und wie sie so lange dauern konnte — und es ist gut, daß es so ist, denn ich könnte es nicht — aber das glaube ich hier aussprechen zu dürfen: Wer je den heiligen Odem Gottes fühlte, wie er durch die Geschichte weht, der hat die Juden nie und nimmer verachtet; und Cromwell und Napoleon, Bernhard von Clairvaux und Joseph H. waren weder Judenhaffer noch Verächter. Und hättet Ihr in der Menschheit jene erhabene Bestimmung erfüllt, wie sie sie erfüllt haben, hättet Ihr schon jenen großartigen Einfluß gehabt, wie sie ihn gehabt haben, auf den geistigen Glauben der Völker, auf ihre Gesetzgebung, auf ihre Poesie und Geschichte und auf ihren Handel und Verkehr, dieses gewaltige Bindungs-, Verknüpfungs- und Aunäherungsmittel der Völker zu einer bewußten, verwandten und starken Gesammtmaffe, wahrlich, dann würdet auch Ihr sie nie und nimmer verachten, und wenn Ihr sie verachten könntet, würde es sie nimmer so Niederdrücken, wenn es auch noch mehr schmerzen, noch mehr kränken möchte. Ein rother Faden zieht die Geschichte der Juden durch die Geschichte der Menschheit hin, durch dieses feste Ankerseil der Hoffnung auf eine ewig gütige Vorsehung Gottes, und dieser rothe Faden giebt Zeugniß, daß sein ist die Welt und der Mensch, dieses große Geschöpf seiner vorseheudeu Allmacht. Nicht Loslösen könnt Ihr diesen Faden, und könntet Jhr's, Ln ein barbarisches Chaos zerfiele die Geschichte, das Werk von zwei Jahrtausenden. Jesus von Nazareth lehrt Ihr: habe für Euch gelitten, und sei gestorben für Eure Erlösung; das Volk aber, dem er angehörte, das litt auch und blutete und kämpfte auch lange und ausdauernd für die Erlösung der Menschheit von alter Barbarei und Unglauben. Und diese rüstigen und beharrlichen Dulder und Kämpfer für eine geistige Idee verschmäht und verstoßt Ihr? Einem Volke und einer Nationalität müssen sie sich nothwendig anschließen; für sich, als Volk allein bestehen, können und wollen sie nicht. Wem sollten sie sich nun anschließen, wenn nicht Euch? Wer ist ihnen näher, als Ihr, unter denen sie schon seit so vielen Jahrhunderten leben? Wer ist ihnen näher, als Ihr, bei denen sie sichereres Obdach fanden, als eine grause, stürmische Nacht dicht über Europa lag und sie gehetzt waren, wie das wilde Thier des Waldes? Wer ist ihnen näher als Ihr, die Ihr so viele von ihnen gleich klug als milde ausgenommen, als noch Ln Deutschland ihre Tausende ver- * zweiflungsvoll tm freiwilligen Flammentod sterben konnten? Die Ihr sie ausgenommen, Jahrhunderte bevor der fanatische Spanier sie aus seinen Landen trieb, und sich unvernünftig selbst die Wunde schlug, an der er so lange ermattet lag darnieder. — Damals wart Ihr die vorurtheilsfreieren! O wöget Ihr nun ihnen, auf die leider jedes Unglück und Hemmniß, das Euch seither

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