Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 12 (18.3.1844)
- Date
- 1844-03-18
- Page
- Seite 173 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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173 Nun will Herr Wagner gerade darin den stärksten Beweis gefunden haben gegen die Stabilität, die seiner Gemeinde zum Vorwurfe gemacht wird. Herr Wagner soll sehen, daß wir es gut mit ihm meinen, wir geben ihm dies zum Schluffe zu. Nur fodern wir von ihm auch uns zuzugeben, daß der Jndifferentismus leider gar stark um sich gegriffen haben muß, wenn man gegen denselben keinen stärkeren Beweis vorzubringen hat, als daß der Synagogenrath die ihm dargebotene äußere Reform zurückwies, ohne noch für die innere etwas Entschiedenes gethan zu haben, daß ein Theolog, und wäre er auch Klausrabbiner zu Mannheim, wenn er mit solchen Waffen kämpft, nicht ganz frei sein kann von — um Verzeihung, Herr Wagner, — Jndifferentismus. Akibou. Luxemburg, 23. Februar. (Privatmitth. Schluß.) Der zweite Fall ist Folgender. Nach dem Gesetze vom 24. Februar 1343 mußten dieses Jahr die Wahlen der Gemeinderäthe, Schöffen und Bürgermeister überall erneuert werden. Es wird nämlich von den betreffenden Gemeinde der Behörde eine Liste von zwei Kandidaten für jedes dieser Aemter vorgelegt, aus welcher sie dann die aktiven Mitglieder ernennt. Zu den.Befugnissen des Gemeinderathes gehört unter Andern auch, die Entwürfe zur Errichtung, zu bedeutenden Reparaturen und zum Abbruch der Kirchen; zu den Befugnissen des Kollegiums der Bürgermeister und Schöffen, die Sorge für die regelmäßige Zusammensetzung der Kirchenvorstände rc. Seit 7 Jahren nun war Herr Samson Godchaux, Bruder des obigen Cerf Godchaux Mitglied des Gemeinderarhs von Sandweiler, einer aus sechs Dörfern bestehenden Gemeinde, und wurde auch diesmal wieder gewählt; die Regierung ernannte ihn aber zum ersten Schöffen. Wie benahmen sich nun dieBauern dabei? Kaum war die Genehmigung offiziell erfolgt, als sie, mehrere hundert Mann stark, ein Musikchoc an ihrer Spitze, einen achtzig Fuß hohen, mit Blumen und Sträußen geschmückten Baum, auf welchem die Landesfahnen mit der Aufschrift: vive monsieur; Samson Godchaux, 2r Bourgmestre de Hamm auf- | gesteckt waren, vor dessen Wohnung in feierlichem! Aufzuge aufpflanzten und nach zahlreichen Vivats! hielt einer der Notabeln folgende Anrede an densel-! den: „Herr Unterbürgermeister! Es war für unsere „Gemeinde eine höchst erfreuliche Kunde, als dieRe- „gierung Sie zu dem wichtigen Amte berief, wozu „Sie schon durch die Wähler bezeichnet waren. „Wenn an dem Wahltage schon die Stimmung „sämmtlicher Ortsbewohner sich so laut für Sie aus- ,,sprach, so erwarteten wir mit weit größerer Sehn- „sucht den Tag, an welchem die amtliche Nachricht „an uns ergehen sollte, daß unsere heißesten Wünsche „in Erfüllung gegangen sind. Wir fühlen uns heute „besonders glücklich, Ihnen unsere Gesinnungen durch „das Begehen dieser Feier an den Tag zu legen „und indem wir Ihnen zu dem neuen Amte Glück „wünschen, thun wir nichts anders als uns selbst „Glück zu wünschen. „Es wäre überflüssig von Ihrer anerkannten Weis- „heit und Einsicht zu sprechen, da wir in Ihren scho- „nen Eigenschaften die sicherste Bürgschaft für unser „künftiges Wohlsein treffen. „Es lebe der Herr Samson Godchaux, Vorsteher „unserer sammtlichen Gemeinden!" Was mag man in Deutschland zu dieser Bauernlogik sagen! Ein dritter Bruder, Herr G. Godchaux, so wie auch Herr Leo Lippman sind Rathe bei der hiesigen Handelskammer; letzterer ist der Bruder des Generalkonsuls unseres Großherzogthums zu Amsterdam. Preußen. Bon der Lahn, I. März. (Privatmitth.) Ich kann Ihnen mittheilen, daß Seitens Preußen's bei den anderen deutschen Regierungen Erkundigungen über das Verhalten der in ihren Bezirken lebenden Juden eingczogcn werden. Frankreich. Nancy, 14. Februar. (Arcli. isr. de Fr.) An die Stelle des Herrn Worms von Romilly als Mitglied des Zentral-Konsistoriums für Nancy haben die Notabeln dieses Sprengels den Pros. Franck, Mitglied des Instituts, gewählt. — Straßburg, 20. Februar. (Privatmitth.) Alle französischen Journale sprechen sich mit großer Ener-